c't 6/2018
S. 16
News
Schufa-Score
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Harte Nuss

Bürgerbewegung will Schufa-Algorithmen entschlüsseln

Nahezu jeder Bürger wird von Auskunfteien wie der Schufa nach sogenannten Scores beurteilt, die zum Beispiel bei einem Kreditantrag oder der Wohnungsvergabe entscheidend sein können. Ihre Berechnungsmethoden müssen sie dank guter Lobbyarbeit bislang nicht offenlegen. Die OpenSchufa-Bewegung will nun mithilfe des Auskunftsrechts für Transparenz sorgen.

Mein Metzger ist eine 8, meine beste Freundin eine 11, mein Onkel eine 5. Die Versuchung, Menschen alleine mit Zahlen zu beschreiben, ist groß. Nicht nur Unternehmen entwickeln Verfahren, um mit Scoring den Wert von Menschen zu ermitteln. Inzwischen haben vor allem autoritäre Regierungen erkannt, dass das Scoring ihnen auch dabei helfen kann, die Bevölkerung effektiver zu kontrollieren.

So hat die chinesische Regierung beschlossen, bis 2020 ein Scoring-System einzuführen, das allen Einwohnern einen „sozialen Wert“ zuweist. Damit soll das Verhalten der Bürger gesteuert werden. Überwacht wird durch Selbstkontrolle. Wer sich online als Fan der Regierungsprogramme zu erkennen gibt, erhält mehr Punkte und kann auf Vorteile hoffen, etwa bei der Jobsuche oder Kindergartenplätzen für die Nachkommen. Wer sich auf Publikationen von Regierungskritikern bezieht, schlechte Bonitätswerte hat oder mit Menschen verkehrt, die selbst eine niedrigere Punktzahl haben, muss mit Nachteilen rechnen.

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