c't 1/2018
S. 108
Reportage
Biohacking
Aufmacherbild

Handtenne

NFC-Implantat: Ein Selbstversuch

In meiner Hand sitzt ein NFC-Chip. Wie ist er dort hingekommen? Was kann ich damit machen? Und warum überhaupt?

Seit 2017 bin ich ein Cyborg, eine Verbindung aus Mensch und Maschine. Das klingt aufregender als es eigentlich ist. Weder wurde ich zu Robocop noch assimilierten mich die Borg. Ich habe die wohl kleinstmögliche Modifikation mit mir machen lassen – indem ich einen NFC-Chip in einer Glaskapsel unter die Haut implantiert bekam. Dafür besuchte ich die Firma Digiwell in Hamburg. Sie bietet unter dem Slogan „Upgrading Humans“ viele technische und nicht technische Gadgets an, die den menschlichen Körper auf die eine oder andere Weise verbessern sollen. Neben Nahrungsergänzungsmitteln und Gehirnwellen-Spielereien finden sich im Sortiment auch verschiedene NFC-Chips als Aufkleber, Einweg-Tattoos sowie in Implantat-Form.

Upgrade-Talk am Kaffeetisch

Bei Digiwell begrüßt mich Inhaber Patrick Kramer. Er leitet seine Firma von zu Hause aus. Digiwell ist die Partnerfirma von Dangerous Things – dem amerikanischen Hersteller vieler Biohacking-Gadgets, unter anderem der von Digiwell angebotenen NFC-Chips.

Einige Monate nach dem Einsetzen des Implantats bleibt nur eine kleine Narbe – und die kleine Delle, die der Chip bildet. Diese tut weder weh noch stört sie. Bleibe ich unglücklich mit meiner Hand hängen, spüre ich manchmal, dass da noch was ist.

Am Esstisch wird bei Kaffee erst einmal mit Irrglauben und Mythen aufgeräumt. Diesen unterliegen nach Kramers Erfahrung insbesondere Journalisten immer wieder, die sie dann an Leser weitergeben. Ständige Überwachung? Gesundheitliche Bedenken? Chip-Implantate als IT-Sicherheitslücke? Seiner Meinung nach oft übertrieben und skandalisiert. Jedes Smartphone bietet mehr Angriffsfläche als ein kleines Implantat, das nicht einmal Metalldetektoren erkennen. Natürlich ist es möglich, einen NFC-Chip aus mehr als den vom Erfinder angedachten wenigen Millimetern Entfernung auszulesen – jede Menge Zeit und Aufwand vorausgesetzt. Realistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit Kramers Meinung nach jedoch verschwindend gering. Darüber hinaus werde oft übersehen, dass die Implantat-Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Cyborgs und Zukunftsmusik hin oder her: Die Chip-Implantate sind kein High-Tech. Sie haben auch gar nicht den Anspruch, mehr Sicherheit zu bieten als andere Methoden.

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