c't 1/2018
S. 40
News
Musik

Neil Young öffnet kostenloses Musik-Archiv

Weil ihm aufgrund der schlechten Qualität der Streaming-Dienste die Haare zu Berge stehen, veröffentlicht Neil Young sein Lebenswerk per Xstream mit hohen Bitraten im Netz. Bild: Man Alive! CC BY 2.0

Musik-Ikone Neil Young kämpft an vorderster Front gegen den Verfall der Musikqualität. „Apple liefert Musik nur mit 5 bis 20 Prozent der Qualität meiner Master aus,“ schimpft er auf die Streaming-Dienste. So sehr man seine Wut verstehen kann, seine Rechnung passt nicht ganz. Denn Young setzt die Datenrate der digitalen Audio-Streams mit Klangqualität gleich. Am liebsten würde er seine Musik mit 192 kHz und 24 Bit durch die Leitungen jagen. Dazu hat er einen spezielles Streaming-Format namens Xstream entwickelt, das die Daten auf 2,5 bis 6 MBit/s verlustfrei komprimiert. Gewiss, das sind bis zu 20-mal mehr Daten als die 320 kBit/s, die bei AAC und MP3 zum Einsatz kommen. Das heißt aber nicht, dass Songs mit der hohen Xstream-Rate 20-mal besser klingen – die meisten Menschen werden wahrscheinlich keine Unterschiede hören.

Immerhin kann sich jetzt jeder selbst davon überzeugen, wie viel besser Musik mit 6 MBit/s als mit 320 kBit/s klingt. Denn Neil Young hat nun sein gesamtes Lebenswerk unter www.neilyoungarchives.com kostenlos veröffentlicht. Das Archiv umfasst fast 900 Einspielungen, die Young zwischen 1963 und 2017 aufgenommen hat, garniert mit umfangreichen Produktionsinformationen, Zeitungsartikeln und Videos.

Jedes Album und jeder Track hat eine Karteikarte und lässt sich einzeln streamen. Ein Herunterladen der Songs ist nicht möglich. Sammler werden zum CD-Kauf auf Amazon geleitet. Der auf der Webseite eingebaute Streaming-Player funktioniert nur auf Tablets und PCs. Smartphones können das Archiv noch nicht ansteuern – für sie ist eine spezielle App in Arbeit. Bis Juni soll der Zugriff kostenfrei bleiben, danach werde eine „moderate“ Gebühr fällig.

Im Player kann man zwischen 320 kBit/s und dem verlustfreien Xstream umschalten. Je nach Aufnahme liegen die Master in 44,1 kHz mit 16 Bit bis zu besagten 192 kHz mit 24 Bit vor. Ob letztere Extremeinstellung jedoch überhaupt sinnvoll ist, bezweifeln inzwischen sogar renommierte Mastering-Ingenieure wie Bob Katz. Der weist darauf hin, dass es bei der D/A-Wandlung mit 192 kHz mitunter zu unerwünschten Nebeneffekten kommen kann, die bei 96 kHz nicht auftreten. (hag@ct.de)

E-Ink-Tablet für Partituren

Schluss mit Zettelwirtschaft: Das edle Klapp-Tablet von Gvido wurde speziell für Musiker entwickelt, um Partituren darzustellen und mit Notizen zu ergänzen.

Das digitale Partiturengerät DMS-W1 des japanischen Herstellers Gvido besteht aus zwei 6 Millimeter dünnen 13,3-Zoll-E-Ink-Displays, die über ein flaches Scharnier miteinander verbunden sind und sich wie ein Buch zusammenklappen lassen. Aufgeklappt entspricht die Anzeigefläche ungefähr einer DIN-A3-Seite. Das Gehäuse besteht aus Karbonfasern, damit wiegt das komplette Gerät 660 Gramm.

Die matte Oberfläche der Displays kommt ohne Glas aus und soll ähnliche Reflexionseigenschaften wie richtiges Papier haben. Damit eignet sich der Gvido Partiturenleser auch für helles Bühnen- oder Tageslicht. Zum Umblättern gibt es drei Infrarot-Sensortasten. Der Hersteller bietet optional einen Fußschalter an, der sich via Bluetooth mit dem Gerät verbindet und drei Pedale zum Blättern oder zum Aufrufen einer Setliste bietet, ohne dass man das Instrument aus der Hand legen muss.

Zum Lieferumfang des DMS-W1 gehört ein Induktions-Stylus von Wacom, mit dem sich über beide Panels Notizen hinzufügen lassen. Per WLAN (IEEE 802.11n, 2,4 und 5 GHz) verbindet sich das Gerät mit den im Dezember gestarteten Gvido Services, über die beispielsweise ein Dirigent Notizen auf die Geräte seiner Musiker übertragen kann. Partituren kann man im Gvido Store kaufen oder via USB als PDF auf den internen 8-GByte-Speicher laden. Zum Erweitern des Speichers gibt es einen microSD-Slot.

Der in drei Stunden geladene Akku soll für eine Laufzeit von bis zu drei Tagen reichen. Das Gvido-Partiturengerät kostet stolze 2023 Euro, der Bluetooth-Fußschalter 380 Euro. (rop@ct.de)

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