c't 1/2018
S. 35
News
Internet

Apple veröffentlicht KI-Framework

Der einfache, mit Turi gebaute Bildklassifizierer erkennt die Bananen souverän, beim Brunnen ist er sich nicht so sicher.

Apple hat Turi Create, sein Framework für Machine Learning, als Open Source veröffentlicht. Entwicklern sollen damit Funktionen wie Objekterkennung und Empfehlungen sehr einfach in ihre Apps einbauen können.

Turi Create unterstützt die Arbeit mit Texten, Bildern, Videos, Audio- und Sensordaten und läuft auf macOS, Linux und Windows 10.

Mit Turi Create erzeugte Modelle lassen sich mit Apples Machine-Learning-Framework Core ML unter iOS, macOS, watchOS und tvOS nutzen. (jo@ct.de)

Milliarden-Betrug mit Online-Werbung

Täglich werden mehrere Milliarden Internet-Anzeigen nicht auf den Websites ausgespielt, für die sie gebucht werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die sich Google mit Werbedienstleistern und Verlagshäusern zusammengetan hat. Allein bei den 16 Verlagen, die sich an der Studie beteiligt haben, entsteht demnach dabei ein Schaden von 3,5 Millionen US-Dollar pro Tag, also etwa 1,28 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Ermöglicht wird dieser Werbebetrug insbesondere durch das sogenannte programmatische Advertising. Hierbei werden Werbeausspielungen auf Hochgeschwindigkeitsmarktplätzen gehandelt. Oft verkaufen Website-Betreiber Werbeplätze auf mehreren sogenannten Demand-Side-Plattformen (DSP), die die vorhandenen Werbeplätze dann an Dutzende anderer Werbemarktplätze vermitteln. Durch die Aufsplittung des Marktes fehlt vielen Werbekunden die Übersicht, an wen konkret sie ihre Werbegelder bezahlen.

Betrüger machen sich das zunutze, indem sie vorgeben, im Auftrag bestimmter Websites Werbeplätze zu vermarkten. Wird die betrügerisch angebotene Werbung verkauft, landen die Werbebanner und Videoanzeigen oft auf gefälschten Websites, die dann etwa von Botnetzen abgerufen werden. Durch ausgefeilte Manipulationen wird den Werbetreibenden vorgegaukelt, dass seriöse Anbieter wie die Financial Times ihre Werbung tatsächlich angezeigt haben.

Insbesondere der Markt für Videoanzeigen ist der Studie zufolge Schauplatz des grassierenden Betrugs: Auf den untersuchten Werbemarktplätzen fanden die Autoren 57 Mal so viele Angebote für Werbeabrufe, als auf den betroffenen Domains tatsächlich ausgespielt werden konnten. Insgesamt wurden nach Angaben von Google täglich im Schnitt 700 Millionen falsche Buchungen für Werbevideos entdeckt.

Die Studienautoren identifizierten 994 Konten auf 24 Online-Marktplätzen, über die gefälschtes Werbeinventar angeboten wurde. Durch Deaktivieren solcher Betrugs-Accounts soll das Marktvolumen in den vergangenen Wochen bereits wesentlich abgenommen haben, was dann sofort zu steigenden Preisen für legitime Werbeausspielungen geführt habe.

Als Abwehrmaßnahme empfiehlt Google die Industrie-Initiative Ads.txt, in der Website-Betreiber mit einer standardisierten Textdatei öffentlich darlegen, mit welchen Werbemarktplätzen sie tatsächlich zusammenarbeiten. Immer mehr Werbeanbieter wie Google und AppNexus implementieren Ads.txt in ihre Verkaufsplattformen, sodass betrügerische Angebote künftig nicht mehr zum Zug kommen sollen. (Torsten Kleinz/jo@ct.de)

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