c't 10/2018
S. 54
Test
Audio-Adapter

Audio-Brücke

Aktive Audioadapter für TVs ohne Kopfhöreranschluss

Moderne Fernseher haben keine analogen Ausgänge mehr, nicht mal eine Audio-Klinkenbuchse. Wer seinen kabelgebundenen Kopfhörer an solchen Fernsehern nutzen möchte, braucht einen aktiven Adapter.

Der neue smarte Fernseher hat jede Menge Anschlüsse, es fehlt jedoch eine simple Klinkenbuchse für den Kopfhörer. Was tun, wenn man seinen teuren analogen Kopfhörer verbinden will oder der Funkkopfhörer mit Basisstation Anschluss braucht? Ein Adapter muss her!

Weil die TV-Hersteller sämtliche analogen Ausgänge aus ihren Geräten verbannen möchten, findet man im Rücken aktueller Smart-TVs neben HDMI-ARC (Audio Return Channel für AV-Receiver) meist nur noch einen optischer Digitalausgang (SPDIF) oder einen elektrischen Koaxialanschluss (Cinch) für digital-Audio. Mit einem Adapter, der das digitale Audiosignal in ein analoges wandelt und die Verbindung mechanisch auf Klinke oder Cinch umsetzt, kann man analoge Komponenten wie Kopfhörer daran nutzen.

Dem Digitus-Konverter fehlt die Klinkenbuchse, Prozors PST054 hat einen Lautstärkeregler.

Solche Adapter mit eingebautem Digital-Analog-Converter (DAC) bekommt man im Online-Handel bereits ab etwa 10 Euro – aber auch für vierstellige Eurobeiträge. Letztere sind natürlich nicht für Opas Funkkopfhörer gedacht, sondern für High-End-Audioanwendungen etwa im Tonstudio. Wir haben uns auf den Low-End-Bereich konzentriert, denn wer einen günstigen Fernseher ohne analogen Audioausgang mit einem vorhandenen Kopfhörer verbinden will, wird nicht hunderte Euro in einen Adapter investieren wollen. Zum Test holten wir uns drei günstige Modelle ins Labor: den Digitus Audio Konverter für 15 Euro, den Prozor PST054 192KHz DAC für 25 Euro und den Ligawo 6526629 Audio Konverter für 40 Euro.

Verarbeitung

Die Adapter von Digitus und Prozor stecken in einem Metallgehäuse, der teure Ligawo-Konverter hat nur ein Plastikgehäuse. Bei allen dreien ist die Anschlussplatine nicht mit dem Gehäuse verschraubt, weshalb die Buchsen in den Adaptern relativ wackelig sind: Wer beim Einstecken nicht aufpasst, kann die Platinen beschädigen. Nervig: Die blauen Status-LEDs an den Adaptern von Prozor und Digitus leuchten zu hell. Das lässt sich mit einem Klebestreifen aber schnell beheben.

Prozor und Ligawo liefern kein eigenes Netzteil mit, sondern nur ein USB-Kabel, mit dem man die Adapter direkt an den Fernseher anschließen und von dort mit Strom versorgen kann. Falls das TV keinen (freien) USB-Port besitzt, muss man sich für ein paar Euro ein separates 5V-USB-Netzteil besorgen – oder nutzt das 5V-Netzteil vom alten Handy, das vielleicht noch in irgendeiner Schublade herumliegt.

Im Labor zeigte sich, dass der Prozor-Adapter die Versorgungsspannung nicht filtert und dadurch empfindlich auf Störungen reagiert. Dies wirkte sich unmittelbar auf die gemessene Dynamik aus: Sie variierte mit der Spannungsquelle; die besten Ergebnisse erzielten wir im Test mit einer USB-Powerbank. Der Digitus-Adapter kommt mit einem Netzteil ins Haus, das Kabel lässt sich aber nicht vom Stecker trennen. Wer den Adapter direkt über den Fernseher mit Strom versorgen will, benötigt ein USB-Ladekabelv (USB Power auf 3,5mm Hohlstecker), das man für ein paar Euro im Online-Handel findet.

Lauter, bitte

Der Adapter von Prozor besitzt zusätzlich einen Drehrad zur Lautstärkeeinstellung. Leider passen die möglichen Einstellungen und der Höreindruck nicht zusammen, im Stellbereich zwischen 5 und 10 variiert die Lautstärke nicht mehr. Unsere Messungen zeigen außerdem, dass der Ton nur in Stufe 2 und damit bei sehr geringer Ausgangsspannung von 0,4 Volt unverzerrt bleibt. Ab Stufe 5 nervte die Übersteuerung stark, Störungen gab es auch bei komplett reduzierter Lautstärke.

Den Adaptern von Ligawo und Digitus fehlt ein solcher Lautstärkeregler. Sie geben konstant einen relativ leisen Ton aus. Besitzt der Kopfhörer einen eigenen Lautstärkeknopf, kann man hier etwas mehr variieren – sofern der Kopfhörer ebenfalls einen Verstärker eingebaut hat, es sich also zum Beispiel um einen Funkkopfhörer mit Basisstation handelt.

Der Audio Konverter von Digitus hält nur einen Cinch-Ausgang bereit – Kopfhörer haben üblicherweise Klinkenstecker. Mechanische Abhilfe schafft ein passiver Adapter (Cinch-Stecker auf 3,5-mm-Klinkenbuchse), den es für rund 7 Euro im Online-Handel gibt.

Allerdings sind Cinch-Ausgänge für den Anschluss hochohmiger Komponenten vorgesehen, etwa nachgeschaltete HiFi-Verstärker mit einer Eingangsimpedanz von etlichen Kilo-Ohm (typisch: 50 kOhm) oder auch Funkkopfhörer. Ein konventioneller passiver Kopfhörer mit Klinkenstecker ist dagegen niederohmig: Ältere HiFi-Kopfhörer weisen eine typische Impedanz von 600, 300 oder 250 Ohm auf, moderne Kopfhörer liegen mit 80, 32 oder gar 16 Ohm noch deutlich darunter. Für ihren Betrieb an Cinch-Buchsen ist eigentlich ein Kopfhörerverstärker nötig, der mit den unterschiedlichen Lastfällen umgehen kann und genügend Leistung zur Verfügung stellt, um den Kopfhörer zu treiben.

Deshalb empfiehlt sich die Verwendung eines rein mechanischen Adapters für passive Kopfhörer nicht: Die entstehende Fehlanpassung der Eingangs- und Ausgangsimpedanzen kann starke Frequenzgangverzerrungen hervorrufen und in der Folge zu wenig Bässe und Höhen. Dies bestätigte der Praxistest: Diversen passiven Kopfhörern fehlten beim Anschluss an die Konverter von Prozor und Digitus per Chinch-Klinken-Adapter jegliche Bässe. Das sorgte zwar für eine akzeptable Sprachverständlichkeit – aber keinesfalls für Musikgenuss.

Der Digitus Audio Konverter verarbeitet alle gängigen Samplingraten und kostet nur 15 Euro. Mangels Klinkenbuchse taugt er aber nur für hochohmige (Funk-)Kopfhörer mit eingebautem Vorverstärker. Daran liefert er eine ausreichend laute, wenn auch etwas dumpfe Audioausgabe. Der Ligawo-Konverter brachte im Praxistest mit einem Funkkopfhörer die klarste Ausgabe zustande, bei Prozor hing das Hörerlebnis auch von der Stellung des Lautstärkerädchens ab – manchmal half es, daran zu wackeln, um das Rauschen zu minimieren.

Das schlechte Schaltungsdesign zeigte sich auch beim Ligawo-Adapter: Er lieferte über seine Cinch-Buchsen an passiven Kopfhörern ein subjektiv besseres Ergebnis als an der Klinkenbuchse.

Adapter oder Bluetooth

Tabelle
Tabelle: Aktive Audio-Adapter

Ingesamt dienen alle drei Adapter nur als preiswerter Notbehelf, falls am smarten Fernseher die analoge Audio-Buchse fehlt. Einen guten Kopfhörerverstärker ersetzen sie nicht. Vom direkten Anschluss eines passiven Kopfhörers über einen passiven Cinch-Klinke-Adapter kann man nur abraten. Im besseren Fall nutzt man einen Funkkopfhörer mit Basisstation, dessen aktive Elektronik die Signalaufbereitung übernimmt. In dieser Konstellation taugen die Adapter auch für schwerhörige Personen. HiFi-Ansprüchen halten sie aber auch dann nicht stand. Unterstützt der Fernseher Bluetooth – was viele aktuelle TVs tun – und man besitzt noch keinen Kopfhörer, ist ein Bluetooth-Kopfhörer die bessere Wahl. (uk@ct.de)

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