c't 11/2018
S. 3
Editorial
Lea Lang

Vertrauensappbruch

Die innigste Beziehung führen Smartphone-Besitzer mit ihrem Telefon. Das wurde mir unlängst wieder klar. Über Messenger wie Telegram und Signal, Mails von vier Providern, Facebook, Twitter und Instagram, Telefon, SMS und Skype halte ich Kontakt zu Freunden, Bekannten und Kollegen. Mein mobiler Browser synchronisiert beruflich und privat besuchte Seiten. Kurz gesagt: Wer mein Smartphone in die Finger bekommt und sich einmal mein Entsperrmuster gemerkt hat, der hat mich. Und zwar nicht im angenehmen Sinne.

So auch eifersüchtige Partner. Denn ich lasse mein Smartphone zwar nicht auf Bartresen herumliegen, aber in vertrauten Gemächern wache ich nicht mit Argusaugen darüber. Da liegt die Zusammenfassung meiner Identität auch mal auf dem Nachttisch, wenn ich duschen gehe. Gelegenheiten wie diese wurden in einer vergangenen Beziehung genutzt: Schnell die letzten Nachrichten lesen, den Kalender durchgehen, das Fotoalbum checken und im Facebook-Log nachsehen, wessen Posts ich kommentiere.

Meist war die Stimmung dann gedrückt, wenn ich zurückkam, aber er wollte mich nicht mit seinen "Entdeckungen" konfrontieren. Dazu musste ich ihn erst in flagranti erwischen und hörte daraufhin schillerndste Phantasien, mit welchen Kollegen und Freunden ich angeblich flirten oder ihn sogar betrügen würde. Das Vertrauen war dahin, die Beziehung somit auch. Auch wenn man sich ewige Treue und Ehrlichkeit schwört, gibt es gute Gründe für die Wahrung der Privatsphäre - die Vermeidung von solchen Missverständnissen beispielsweise.

Er hätte es noch leichter haben können: Einen kleinen Trojaner aufspielen und für rund 40 Euro im Monat meine Daten auslesen lassen. Oder mir eine ausspionierende Pärchen-App (siehe Seite 72) vorschlagen, die außer unseren Standorten auch Konversationen in Echtzeit an den Partner überträgt. Halt, stopp, die hätte ich niemals installiert. So gut kannte er mich dann wohl doch. Seit Schluss ist, überprüfe ich mein Smartphone trotzdem regelmäßig auf Trojaner - und habe Passwörter im Einsatz, wenn die Apps es erlauben.

Unterschrift Lea Lang Lea Lang

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