c't 11/2018
S. 38
News
Facebook, WhatsApp, Oculus

The Show must go on

Facebook: Neue Datenschutz-Optionen und eingebaute Dating-Börse

Wie sieht Facebook nach dem Cambridge-Analytica-Skandal aus? Das soziale Netzwerk erlaubt künftig das Löschen der Tracking-Historie und will schmutzige Wahlwerbung erschweren. Außerdem konkurriert das Unternehmen mit Tinder und Skype.

Mark Zuckerberg verspricht mehr Datenschutz für Facebook – und will Dating auf der Plattform einfacher machen. Bild: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Wie tritt einer auf, der gerade die tiefste Krise seines Unternehmens durchschritten hat? Mark Zuckerberg versuchte es auf der ersten Facebook-Entwicklerkonferenz F8 seit dem Cambridge-Analytica-Debakel mit Demut, ein bisschen Selbstironie und mit dem Versprechen, dass all die schönen neuen Features in Facebook und WhatsApp den Datenschutz schon von Haus aus eingebaut haben.

Die wichtigste Neuerung für datenschutzbewusste Facebook-Anwender dürfte wohl „Clear History“ sein, das in den nächsten Monaten online gehen soll. In einem eigenen Bereich überblickt der Nutzer Tracking-Spuren, die Facebook über ihn gesammelt hat, und kann diese wie eine Browser-Historie löschen.

Schützen will Zuckerberg die Facebook-Nutzer außerdem vor Fake News und manipulierender Wahlwerbung. Bis Ende 2018 sollen 20.000 Leute im Unternehmen für Sicherheit und Überprüfung der Inhalte zuständig sein. Diese spüren Fake-News und -Nutzer überall dort auf, wo künstliche Intelligenz dafür noch nicht schlau genug ist.

In den USA testet Facebook darüber hinaus einen „Hate Speech“-Button, mit dem Anwender problematische Inhalte gleich selbst melden können. Was in den US-Medien eher für belustigende Kommentare sorgt, ist in Deutschland seit dem ersten Januar längst Alltag – dank Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Bei einer weiteren neuen Funktion in Facebook hätte das Timing im Hinblick auf die Datenschutz-Debatte wohl besser ausfallen können. Künftig können Nutzer ohne den Umweg über Tinder & Co. in Facebook potenzielle Partner in der Umgebung finden, die etwa aufs gleiche Konzert gehen –, und ihnen Nachrichten schreiben.

Damit sie zueinander finden, müssen beide die Funktion aktiviert haben. Die Dating-Profile sind auf wenige Infos wie Vorname und Bild reduziert. Freunde und Kontakte bekommen diese Form der Aktivitäten in der Timeline nicht mit und sind außerdem bei der Suche nach dem anderen oder gleichen Geschlecht explizit ausgeschlossen. Zuckerberg sieht das aber nicht als Konkurrenz zu Tinder: „Hier geht’s um Langzeitbeziehungen und nicht bloß um flüchtige Bekanntschaften.“

Gründer verlässt WhatsApp

Eine Langzeitbeziehung mit Facebook beendet Jan Koum: Er verlässt den Konzern, nachdem er vor vier Jahren den Messenger-Dienst WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar an Facebook verkauft hatte. Mitgründer Brian Acton war bereits im Herbst gegangen, und in der Branche spekuliert man, Koum habe sich wegen der Datenschutz-Strategie des Diensts mit Facebook überworfen. Koum hatte sich in der Vergangenheit vehement gegen Werbung in WhatsApp ausgesprochen und die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Dienst forciert.

WhatsApp bekommt indes ein kleines Update verpasst: Künftig kann man virtuelle Sticker verschicken, wie man sie bereits aus vielen anderen Messengern kennt. Zum anderen wird der Telefon- und Video-Chat um eine Gruppen-Funktion erweitert: Dem virtuellen Besuch der gesamten Verwandtschaft steht also nichts mehr im Weg.

Oculus: VR to go

Auch beim anderen Facebook-Zukauf Oculus geht nach dem Weggang von Gründer Palmer Luckey vor einem Jahr die Show jetzt wieder weiter. Seit Anfang Mai gibt es die VR-Brille Oculus Go in Deutschland zu kaufen. Im Prinzip ist Oculus Go ein abgespecktes Virtual-Reality-Headset, das ähnlich wie Google Cardboard oder Gear VR ohne leistungsfähigen PC auskommt. Aber man benötigt auch kein Smartphone, denn die mobile Hardware ist eingebaut. Über sogenanntes Inside-Out-Tracking erkennt die Brille über Kameras die Umgebung und orientiert sich im Raum – ein Vorteil gegenüber Cardboard und Gear VR.

Klassische Oculus-Spiele sind mit der Go nicht kompatibel, dafür Spiele für Samsungs Gear VR. Die findet man bereits im Oculus Go Store neben diversen Exklusiv-Titeln. In Deutschland kostet die 32-GByte-Variante 219 Euro, die mit 64 GByte 269 Euro. (acb@ct.de)

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