c't 12/2018
S. 55
Kurztest
E-Skateboard

Steifer Heizer

Das elektrische Skateboard M1 wird als Sportgerät vermarktet, eignet sich aber auch als Alltags-Verkehrsmittel – wenn es denn wie angekündigt eine Straßenzulassung bekommt.

Aufmacherbild

Inboard verwendet zwei Radnaben-Motoren (kombiniert: 1,6 kW) mit Drehpositions-Sensoren. Damit fährt das M1 ruckfrei an, erreicht im Modus „Advanced“ bis zu 35 km/h und soll 18-prozentige Steigungen erklimmen. Unsere Teststeigung mit 17 Prozent bezwang es im zügigen Jogging-Tempo. Nur alleine anfahren schafft es hier nicht mehr. Lässt man die Steuerknöpfe komplett los, gleitet das M1 elektrisch entkoppelt nur mit dem Widerstand der Kugellager weiter, was bei geschicktem Schwungmitnehmen erhebliche Zusatzreichweiten ermöglicht.

Im bergigen Stuttgart (300 m Höhenunterschied im Stadtgebiet) meldete meist bei etwa 7 Kilometern der Vibrationsalarm in der Fernbedienung niedrige Batteriespannung – obwohl laut Hersteller Reichweiten bis 16 km drin sein sollen. Hauptgrund dafür dürfte die Erhitzung des Antriebs durch das Dauervollgas sein, die für verringerte Effizienz sorgt. Der Akkuwechsel geht so einfach und schnell, dass man ihn während der Fahrt erledigen kann. Ein Zusatzakku wiegt 820 Gramm und passt in große Hosentaschen.

Die elektrische Bremse bremst sehr gut und lädt dabei den Akku, was normalerweise zu etwa 10 Prozent mehr Reichweite führt. Mehr verkraftet der Akku nicht in Sachen Ladeleistung. Den Rest der generierten Bremsenergie wandelt ein großer Folienwiderstand am Bauch des Boards in Hitze um. Das bedeutet, dass die Bremse praxistauglich immer zur Verfügung steht, auch bei vollem Akku – leider keine Selbstverständlichkeit.

Gewöhnungsbedürftig: Das M1 flext praktisch gar nicht. Das Chassis besteht aus einem CNC-gefrästen, dicken Stück Holz, abgeschlossen von je einer dünnen Plastik-Haut oben wie unten. Ohne Flex müssen die Beine alle Federung oberhalb der ausgezeichneten Rollen übernehmen. Wer häufig auf grobem Asphalt fährt, sollte das M1 daher besser auf solchem probefahren. Auf glattem Grund fährt sich das steife Skateboard sportlich im Handling, aber spurstabil bei höheren Geschwindigkeiten.

Beschädigungen wirkt ein Stoßdämpfer-Ring aus Weichplastik um den Holzkern entgegen. Für bessere Sichtbarkeit und den Nachtbetrieb hat das M1 eine abschaltbare Beleuchtung: weiße LED-Lampen vorne und rote Rück-/Bremslichter hinten. Die Lampen sind tatsächlich hell genug, dass sie nachts helfen. Die zugehörige App erlaubt Einstellungen, zur Not die Steuerung und liest den Kilometerzähler aus. Das M1 verträgt auch Regenfahrten.

Auch dieses E-Board fährt im Limbo der weiterhin ungeklärten Zulassung solcher Fahrzeuge. Inboard will sich darum kümmern, aber legal ist dieses Skateboard bei uns bis jetzt nicht. Man versuche eine Zulassung auf 25 km/h in Deutschland, so unser letzter Stand. (Clemens Gleich/jkj@ct.de)

Tabelle
Tabelle: Inboard M1

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