c't 13/2018
S. 104
Test
Smarte Lautsprecher
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Alexas Schwestern

Zwölf smarte Lautsprecher mit Alexa und Google Assistant

Wer sich einen Smart Speaker mit Sprachassistent ins Haus holen möchte, hat momentan die Qual der Wahl. Außer den Referenzgeräten von Amazon und Google gibt es zahlreiche Lautsprecher mit Alexa & Co., die spannende Zusatzfunktionen und besseren Klang versprechen.

Amazon hat mit seinen Lautsprechern namens Echo einen Verkaufshit gelandet und eine neue Gerätekategorie erschaffen: den Smart Speaker. Während die interaktiven Sprachassistenten von Apple und Google ihr Dasein anfangs nur auf dem Smartphone fristeten, verpackte der Versandhändler seine Alexa kurzerhand in eine Sprechdose und brachte die Konkurrenz in Zugzwang.

Amazon hat seine Echo-Serie seither deutlich erweitert. Von Google gibt es den Google Home – die verbesserte Plus-Version ist nach wie vor nur in den USA zu haben. Apples HomePod wird hierzulande erst ab 18. Juni erhältlich sein.

Video: Nachgehakt

Amazon und Google machen es Drittherstellern besonders einfach, Produkte mit Alexa oder Google Assistant herauszubringen, indem sie die Schnittstellen zu dem jeweiligen Sprachassistenten offenlegen – Ziel ist es, das jeweilige Ökosystem möglichst schnell wachsen zu lassen.

Für unseren Test von smarten Lautsprechern holten wir uns drei von Amazons Echo-Geräten: Echo, Echo Plus und den kleinen Echo Dot. Letzteren steckten wir in den ebenfalls über Amazon erhältlichen „Vaux“ – er macht den Dot mit einem Akku unabhängig vom Stromnetz und hat einen besseren Lautsprecher verbaut. Auch die Echo-Alternativen Ultimate Ears Megablast, iLuv Aud Click Shower, GGMM E5 und Invoxias Familien-Hub Triby kommen mit einem Zusatzakku, sodass man Alexa – gute WLAN-Abdeckung vorausgesetzt – zumindest problemlos mit in den Garten nehmen kann. Der P3 von Onkyo und auch Sonos One bewerben sich vor allem mit ihrem guten Klang auf die Assistentenstelle.

Lenovo wollte uns den Smart Speaker nicht als Testgerät schicken. Unser Kaufgerät erwies sich im Test als derart zickig, dass wir nicht einmal unsere Messungen durchführen konnten. Da auch die App einen unfertigen Eindruck machte, entfernten wir das Gerät aus dem Testfeld.

Nur drei der zwölf Kandidaten nutzen den Google Assistant, das dürfte den momentanen Machtverhältnissen bei den stationären Assistenzsystemen entsprechen – Alexa hat deutlich die Nase vorn, auch wenn inzwischen ganz knapp mehr Google-Geräte verkauft werden. Außer dem Google Home schauten wir uns Panasonics SC-G A10 und den LF-S50G von Sony an.

Verbindung

Alle zwölf Kandidaten muss man per WLAN im Netz anmelden, um den jeweiligen Sprachassistenten nutzen zu können. Dabei arbeiten sie sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz-Band – bis auf den Triby. Letzteres ist immer dann von Bedeutung, wenn sich schon zu viele Nachbarn im 2,4-GHz-Bereich tummeln.

Bis auf Onkyos P3 und den Sonos One kann man die Lautsprecher alternativ direkt vom Handy oder Tablet aus per Bluetooth bespielen. Sie unterstützten den SBC-Codec, lediglich Googles Home und der Panasonic-Lautsprecher unterstützten auch den weniger verlustbehafteten AAC-Codec. Da es sich ausgerechnet um zwei Kandidaten mit schwächerem Klang handelt, hat man davon allerdings wenig.

Invoxias Triby lässt sich auch zum Telefonieren als Freisprechanlage einsetzen, indem man ihn über das Handsfree-Protokoll (HFP) mit dem Smartphone koppelt.

Musik-Streaming

Der Haupteinsatzzweck der smarten Lautsprecher dürfte das Abspielen von Musik sein. Das funktioniert natürlich problemlos über die mit dem jeweiligen Assistenzdienst verknüpften Musik-Services. Bei Google sind das außer Play Music noch Spotify und Deezer, bei Amazon außer Amazon Music nur Spotify. Hat man hier ein Musik-Abo hinterlegt, kann man auf Zuruf Musik wiedergeben.

Will man andere Dienste nutzen, wird es bunt. Die Google-Geräte unterstützen mit Google Cast natürlich das Streaming-Protokoll aus eigenem Hause, und auch Panasonics SC-GA10 lässt sich auf diesem Weg bespielen. Spotify Connect, das Streaming-Protokoll des gleichnamigen Musikdienstes, wird vom Triby, UEs Megablast, Sonos One und Onkyos P3 unterstützt – wichtig etwa für Besuch, der seine Songs nicht über den Assistenten abspielen möchte/kann. Per Apple AirPlay nehmen E5, Aud Clic Shower und Triby Musik entgegen. Auf den eigentlich „universellen“ Streaming-Standard UPnP AV verstehen sich nur vier Kandidaten (siehe Tabelle Seite 112). Ein richtiger „Alleskönner“ ist nicht unter den zwölf Geräten. Ausgerechnet die Echo-Familie ist in Sachen Streaming-Unterstützung besonders schwach aufgestellt.

Die Alexa-Alternativen bringen witzige Zusatzfunktionen: Wenn das Fähnchen aus dem Triby fährt, ist eine persönliche Nachricht eingegangen.

Wer eigene Musik wiedergeben will, die nicht von einem Streaming-Anbieter kommt, stößt auf unerwartete Probleme. Bis vor Kurzem ließen sich Musikstücke bei Google und Amazon in die Cloud laden, um sie von dort wieder abzurufen. Amazon hat diesen Service kürzlich eingestellt. Wer über Alexa auf seine lokale MP3-Sammlung zugreifen möchte, kann höchstens auf ein Synology-NAS ausweichen, das ab der Firmware 6.2 auch einen virtuellen Amazon-Music-Server mimt. Der Sonos One profitiert hier von der Tatsache, dass das System zu Zeiten des MP3-Hypes entwickelt wurde. Der One kann Musik von SMB-Ordnerfreigaben eines PCs oder Netzwerkspeichers lesen.

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