c't 18/2018
S. 40
Trend
IFA 2018
Aufmacherbild

Smart, vernetzt, leuchtstark

Die Trends der IFA 2018

Die IFA kombiniert neueste Technik mit Spaß und Unterhaltung – vernetzte (Haushalts-)Geräte, künstliche Intelligenz, Elektromobilität und brillante Displays stehen im Mittelpunkt der Berliner Elektronikmesse.

Wer noch nicht im smarten Heim wohnt, kann es auf der IFA live erleben: Die Vernetzung von Haushalt, Auto und Unterhaltungselektronik ist ein Schwerpunkt der diesjährigen Messe. So präsentieren Gourmet-Köche dem geneigten Publikum in den Hallen am Südeingang außer Speisen die neuesten Utensilien. Die wirklichen Stars sind indes die Küchen selbst – hier wird das Internet der Dinge (IoT) in Szene gesetzt. Ob sich die Gerätehersteller inzwischen auf gemeinsame Standards geeinigt haben und wie es um gesetzliche Vorschriften für den ferngesteuerten Herd bestellt ist, können die IFA-Besucher in Berlin aus erster Hand erfahren und erfragen.

Abgesehen vom höheren Komfort liegt ein Ziel der Haushalts-Vernetzung im Assited Living, also der Rund-um-die-Uhr-Unterstützung von mobilitätseingeschränkten Bewohnern. So wird sicher auch der eine oder andere Roboter in den Küchen herumwuseln oder über das Messegelände rollen – ansprechen erlaubt oder sogar erwünscht.

Vernetzt

Um sämtliche Smart-Home-Geräte überhaupt zuverlässig nutzen zu können, braucht man schnelles WLAN bis in den letzten Winkel von Haus und Wohnung. AVM hat mit seiner kürzlich vorgestellten neuen Hauptversion 7 des Router-Betriebssystems FritzOS für Fritzboxen auf der Messe ein Heimspiel. Netgear zeigt neue Geräte für sein Mesh-WLAN-System Orbi. Devolo will der Datenübertragung über die Stromleitung (Powerline Communications, PLC) nochmal die Sporen geben. Mehr über das neue WLAN-Verteilsystem von Devolo auf Seite 21 in diesem Heft.

Auch in der Unterhaltungselektronik wird vernetzt was das Zeug hält. Die Multiroom-Kopplung smarter Lautsprecher im Heimnetz soll das Streaming-Protokoll AirPlay 2 ermöglichen. Dazu müssen die Geräte allerdings AirPlay unterstützen. Sonos hat das bereits zugesagt, weitere Hersteller folgen. In den Berliner Messehallen wird man zudem diverse stationäre Assistenzsysteme in Form smarter Lautsprecher mit Alexa und Google Assistant sehen, die sich per WLAN oder Bluetooth anbinden lassen.

Philips stellt auf der IFA den OLED903 vor, einen klangstarken OLED-Fernseher mit HDR, Ambilight und Google Assistant zur Sprachsteuerung.

Die TV-Hersteller feilen derweil noch an einer intuitiven Bedienung ihrer Geräte per Sprache. Während Samsung mit Tizen, LG mit WebOS und Panasonic mit FirefoxOS eigene Betriebssysteme für ihre Smart-TVs nutzen, setzen Hersteller wie Sony und Philips auf Android TV. Bei ihnen funktioniert die sprachgesteuerte Suche über den Google Assistant – bis der Assistant die deutsche Sprache unterstützt aber nur auf Englisch. Einige Geräte wurden zusätzlich um einen Alexa-Client erweitert. Damit reagieren die TVs nicht nur auf Befehle von intelligenten Lautsprechern, sondern geben auch selbst Spracheingaben weiter. Bei Samsungs eigenem Bixby-Sprachassistenten hapert es wie bei Google noch an einer deutschen Fassung.

OLEDs, LCDs und LEDs

Mit seinen QLED genannten LCD-TVs muss sich Samsung im High-end-Segment gegen die OLED-Technik behaupten. In Top-Modellen nutzt Samsung wie andere TV-Hersteller inzwischen ein segmentweise dimmbares Direct-LED-Backlight aus kleinen Dioden. Der chinesische TV-Hersteller Hisense gibt beispielsweise 5376 Dimming-Zonen für den 75-zölligen HZ75U9D an. Auf diese Weise lassen sich sehr dunkle neben sehr hellen Objekten im selben Bild darstellen – bislang die Domäne organischer Displays. OLED-TVs sind allerdings weniger leuchtstark – Spitzenleuchtdichten über 1000 cd/m2 erzielen derzeit nur Flüssigkristalldisplays.

OLED-TVs mit 55 Zoll Diagonale (1,40 m) gibt es inzwischen schon für unter 1000 Euro. Für die ultrahohe 4K-Auflösung muss man noch mindestens 200 Euro drauflegen. Ein Jahr nach Erscheinen kosten viele 55-zöllige OLED-TVs nur noch etwa die Hälfte ihres Ausgangspreises. Bei 65-Zöllern liegt der Preisverfall bei etwa 30 Prozent. 55-zöllige 4K-OLEDs haben sich zwischen 1300 und 1750 Euro eingependelt – übrigens weitgehend unabhängig vom Startpreis. Die Unterstützung von HDR10, HDR10+ oder Dolby Vision zeichnet vor allem Top-Geräte aus. HDR-fähige LCD-TVs mit 1,40 Meter Diagonale kosten aktuell etwa 800 bis 900 Euro – von Preisbrechern wie dem 55UK6100 von LG (ab 460 Euro) mal abgesehen.

Auf der IFA werden einige Hersteller die nächste TV-Generation, nämlich Displays mit 8K-Auflösung, vorstellen, darunter Samsung ein farbstarkes QLED-TV und vielleicht auch LG ein 8K-OLED. Leider haben hiesige Fernsehzuschauer bislang wenig von der nochmal vervierfachten Pixelanzahl.

Möglicherweise werden auf der IFA auch neue HDR-Displays aus winzigen Dioden vorgestellt. Sie gelten als künftige Alternative zur OLED- und LCD-Technik. Hier ist Samsung im Januar vorgesprescht und hat auf der CES „The Wall“ präsentiert, ein 146-zölliges 4K-Display aus Mini-LEDs. Der Riesenschirm ist erstmal nur für den professionellen Einsatz gedacht, die ersten zwei LED-Wände sollen in Deutschland im Oktober ausgeliefert werden, Preis noch unbekannt.

Monitore, die den VESA-Standard HDR 1000 erfüllen, müssen extrem hell und kontraststark sein. Sie empfehlen sich mit latenzarmer Bewegtbildwiedergabe auch für Gamer. Auf der IFA wird man solche Monitore unter anderem bei Acer, Asus und Philips begutachten können.

Die wasserdichte Uhr aus Fossils Q-Kollektion nutzt WearOS und kommt mit Herzfrequenzmessung, NFC und integriertem GPS.

Einzeln dimmbare Mikro-LEDs hinter einer Flüssigkristallschicht sollen künftig auch in Smartwatches und VR-Displays den Kontrast und die Spitzenhelligkeit verbessern. Etliche smarte Uhren und Fitness-Gadgets wird es in Halle 4.2 zu sehen geben – zum Beispiel bei der Fossil-Gruppe, zu der unter anderem Misfit, Mobvoi und Skagen gehören. Auf den Nachbarständen zeigen Fitbit, Casio und Garmin ihre neuesten Produkte, Samsung seine brandneue Galaxy Watch im City Cube. Nach dem Deutschlandstart von Google Pay sollten auch Smartwatches mit NFC-Chip auftauchen. Damit kann man im Supermarkt in Sekundenschnelle bezahlen, indem man einfach die Uhr ans Kassenterminal hält.

Elektromobilität, Drucker, Drohnen

Epsons dritte Generation von Ecotank-Druckers mit fest eingebauten Tintentanks dürfte Vieldrucker interessieren: Geräte wie das kompakte Modell ET-4750 und der Fotospezialist ET-7750 sind zwar erstmal teurer als Drucker mit Patronen. Man bekommt aber Tinte für bis zu 14.000 Farbseiten mitgeliefert und füllt leere Tanks einfach mit sehr günstiger Tinte aus der Flasche auf.

Der chinesische Hersteller DJI wird in Berlin seine Flugarmada inklusive neuer Modelle auffahren; auch Yuneec wartet mit Typhoons und fliegenden Hexacoptern auf das Publikum. Außerdem gibt es natürlich jede Menge Zubehör wie Kameras oder VR-Brillen für Drohnenpiloten. Im Außenbereich kann man die Fluggeräte in Aktion erleben.

Die NXT-Skates von IOHawk kann man sich einzeln unter die Füße schnallen oder sie mit einer Stange verbinden und dann als motorisiertes Skateboard nutzen.

Elektromobilität wird den IFA-Besuchern unter anderem in Form motorbetriebener Unicycles, Rollerskates oder Skateboards begegnen. Solche motorisierten Fortbewegungsmittel sind hierzulande allerdings anders als Segways und E-Bikes nicht für den Straßenverkehr zugelassen, man darf sie deshalb nur auf Privatgrundstücken nutzen. Zuspruch finden die Geräte trotzdem.

Kongress, Keynotes

Elektroautos waren auf der IFA bislang nicht in dem Maße präsent wie beispielsweise auf der CES. Die parallel zur IFA laufende Fachtagung Shift Automotive am 4. und 5. September soll das ändern. Dort diskutieren Forscher und Experten aus Autoindustrie und Unterhaltungselektronik über die Zukunft des Fahrens.

Know-how für die Zukunft von Technik, Business und Lifestyle – das ist der Anspruch von IFA NEXT: In Halle 26 präsentieren sich Start-ups, Forschungseinrichtungen, Unis und Verbände mit Ständen, Paneldiskussionen und Pitches zu Zukunftsthemen wie Robotics, Digital Health, Security, Smart Living und KI.

In der Station-Berlin treffen sich ab Sonntag den 2. 9. OEMs, ODMs, Zulieferer und Komponentenhersteller auf der Sourcing-Konferenz IFA Global Markets.

Teilnehmer des IFA+ Summit können am 2. und 3. September in Halle 26b in die digitale Zukunft schauen: Tech-Experten wie Ex-Schachweltmeister Garry Kasparov, Dr. Poppy Crum von Dolby Labs, die spanische Künstlerin Moon Ribas und Stephen D. Larson, Gründer des OpenWorm-Projekts, sprechen über urbane Mobilität, künstliche Intelligenz und Vernetzung. Der Paketpreis von 600 Euro (Studenten zahlen die Hälfte) beinhaltet den zweitägige Summit, Eintritt für alle Messetage, zur IFA Global Markets und weiteren Veranstaltungen im Rahmen der Messe.

Zum Kasten: Eintrittspreise und Konzerte

In der Eröffnungs-Keynote der IFA am Freitag um 10:30 Uhr widmen sich Jo Seong-jin, CEO von LG Electronics, und Technologievorstand Dr. I. P. Park den Chancen durch künstliche Intelligenz. Chengdong (Richard) Yu vom Smartphone-Spezialist Huawei bestreitet die IFA-Keynote um 14 Uhr. Microsofts Vizepräsident Nick Parker beleuchtet am Freitag um 17 Uhr die Zukunft des Cloud-Computing und Amazons Vizepräsident Daniel Rausch erläutert am Samstag um 10:30 Uhr, wie sein Unternehmen die Zukunft der personalisierten Dienste vorantreiben will. (uk@ct.de)

Ergänzungen & Berichtigungen

Mobvoi ist unabhängig

Mobvoi gehört nicht zur Fossil-Gruppe, sondern ist ein privates Start-up aus Peking.