c't 2/2018
S. 37
News
Internet

Mozilla schob Werbe-Add-on unter

Das Werbe-Add-on Looking Glass findet sich nach wie vor im Erweiterungs-Store von Mozilla.

Mozilla hat mit einer unangekündigten Werbeaktion Nutzer des Browsers Firefox erzürnt. Der Hersteller hatte bei englischsprachigen Firefox-Versionen in den USA eine Erweiterung installiert, mit der Fans der TV-Serie „Mr. Robot“ an einem Spiel teilnehmen konnten. Das Add-on namens „Looking Glass“ hatte keine Informationen über seine Funktion enthalten und war ohne Einwilligung der Nutzer auf die Rechner gekommen.

Es wurde als sogenannte „Shield Study“ installiert. Dieser Prozess wird normalerweise genutzt, um neue Funktionen des Browsers für begrenzte Zeit in der Praxis zu erproben. In einem Blog-Artikel räumte der Marketing-Verantwortliche Jascha Kaykas-Wolff ein, dass dieses Vorgehen falsch gewesen sei. Die Umstände der Veröffentlichung habe nicht den eigenen Standards entsprochen. Wie es überhaupt dazu kommen konnte, ließ der Mozilla-Manager allerdings offen. Nun sollen die internen Prozesse untersucht werden. Kaykas-Wolff betonte, dass das Add-on deaktiviert war und auch im aktivierten Zustand keine Nutzerdaten gesammelt habe. Für das Werbe-Add-on sei auch kein Geld geflossen – es sei Bestandteil einer langfristigen Zusammenarbeit mit den Machern der Serie. (Torsten Kleinz/hob@ct.de)

Kartellverfahren gegen Facebook

Facebook ist mit seinem Geschäftsgebaren ins Visier des Bundeskartellamts geraten. Die Behörde hat ein „Verfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung“ gegen den Konzern eröffnet. In einer rechtlichen Einschätzung, die sie Facebook Mitte Dezember 2017 zur Stellungnahme zugeschickt hat, kritisiert sie insbesondere die Datensammelei des sozialen Netzwerks außerhalb der eigenen Plattform, etwa über Social-Plug-ins auf fremden Websites. Facebook-Nutzer werden laut Bundeskartellamt vor die Wahl gestellt, „entweder das ‚Gesamtpaket‘ zu akzeptieren oder auf die Nutzung des Dienstes zu verzichten“.

Nach Bewertung des Bundeskartellamts ist Facebook hierzulande nicht nur wegen des hohen Marktanteils marktbeherrschend, sondern auch, weil im Bereich der sozialen Netzwerke mittlerweile hohe Zugangsbarrieren für Mitbewerber herrschen: „Ein Marktzutritt neuer Wettbewerber mit einem werbefinanzierten Produkt kann nur gelingen, wenn dieser eine kritische Masse an privaten Nutzern erreicht, die den Dienst für die Werbeseite als Werbefläche attraktiv machen. Das Erreichen einer solchen kritischen Masse wird wiederum durch das Wirken direkter Netzwerkeffekte erschwert.“ Berufsnetzwerke wie LinkedIn und Xing oder Messaging-Dienste wie WhatsApp und Snapchat seien keine direkte Konkurrenz.

Das Bundeskartellamt wartet nun auf eine Antwort von Facebook und möchte im Frühsommer 2018 im Verfahren entscheiden. Die Behörde wies darauf hin, dass es durchaus zu „Verpflichtungszusagen des Unternehmens oder einer Untersagung“ kommen kann. Die Facebook-Datenschutzbeauftragte Yvonne Cunnane zeigte sich überrascht zu den Einschätzungen: „Der vorläufige Bericht des Bundeskartellamts zeichnet ein fehlerhaftes Bild von Facebook. Obwohl Facebook in Deutschland beliebt ist, dominieren wir den deutschen Markt nicht.“ Außerdem befolge man die Datenschutzgesetze in Europa und ab Mai 2018 auch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. (hob@ct.de)

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