c't 2/2018
S. 35
News
Apple

Apple wegen iPhone-Drossel am Pranger

iOS 11.2 kann bereits auf einen sehr alten Akku hinweisen, die mögliche automatische CPU-Drosselung wird aber nirgends erwähnt.

Apple-Kunden haben Ende Dezember 2017 in Californien und Chicago zwei Sammelklagen gegen den Konzern eingereicht. Unter anderem werfen sie der Firma wegen einer undokumentierten Drosselung von iPhone-Prozessoren Vertragsbruch und Besitzstörung sowie "täuschende, unmoralische und unethische” Praktiken vor. Apple bringe Kunden “grundlos dazu, neue und teurere iPhones zu kaufen, obwohl ein neuer Akku die weitere Verwendung der alten iPhones erlaubt”.

Den Fall hatten Nutzer ins Rollen gebracht, die beim Vergleich von iPhone-Benchmarks teils deutliche Einbußen bei der Leistungbewertung fanden. Den Messwerten zufolge liefen manche iPhone 6s ab iOS 10.2.1 und iPhone 7 ab iOS 11.2 nur gedrosselt. Bei Stichproben fiel zudem auf, dass Geräte nach Akku-Erneuerung wieder wie gewohnt gut abschnitten.

Apple rechtfertigte sich damit, bei bestimmten Modellen mit iOS-Updates eine Funktion eingeführt zu haben, um „plötzliche Leistungsspitzen" bei Bedarf zu glätten, und so zu verhindern, dass sich "das Gerät unter diesen Umständen abschaltet“. Das Ziel der Software-Drossel sei, die „beste Nutzererfahrung“ im Hinblick auf „allgemeine Leistung und Verlängerung der Lebensdauer des Gerätes zu liefern“. Da Lithium-Ionen-Akkus durch „Kälte, Alterung und bei geringer Ladung“ keine hohen Ströme mehr liefern, könne sich ein Gerät zum Schutz seiner Komponenten unerwartet abschalten. Man habe dies im Jahr 2016 für das iPhone 6, iPhone 6s und iPhone SE eingeführt und inzwischen mit iOS 11.2 auch für das iPhone 7 umgesetzt. Künftig wolle man auch andere Produkte „unterstützen“.

Dennoch senkte der Konzern Anfang Januar den Preis für den Akkutausch außerhalb der Garantie von 89 auf 29 Euro plus Versandkosten. Das Angebot bezieht sich auf die Modelle iPhone 6, 6s, SE sowie 7.

Die Probleme wurden bereits im Winter 2016 offenbar, als viele Nutzer klagten, dass sich das iPhone auch bei gut gefülltem Akku einfach abschaltet und ohne Netzteil nicht mehr neu starten lässt. Bei einigen iPhone-6s-Chargen tauschte Apple den Akku kostenlos. Andere Geräte erhielten hingegen nur das iOS-Update 10.2.1 – in Benchmarks schnitten viele schwach ab.

Doch unerwartetes Abschalten ist schon seit 2014 mit der Einführung des iPhone 6 bekannt. Darauf geht Apple nicht ein. Das iPhone 5s drosselt Apple offenbar nicht. Unverständlich ist, warum Apple die Drosselung erst nach der Benchmark-Diskussion nannte. Zwar meldet iOS 10.2.1 in den Systemeinstellungen, dass der Akku getauscht werden muss – aber trotz Drosselfunktion erst dann, wenn die Batterie fast defekt ist. (dz@ct.de)

Steuerstreit: USA scheitern vor EU-Gericht

Eines von Apples eigenen Fotos aus Cork – der Konzern schreibt dazu: „Der Standort in Cork unterstützt eine Vielzahl von Funktionen, einschließlich Kundensupport, Vertrieb, Finanzen, Logistik, Produktion und mehr.“

Die US-Regierung ist mit ihrer Forderung an die EU-Kommission gescheitert, von Apple keine Steuernachzahlung zu verlangen. Das Gericht der Europäischen Union hat den Einspruch zurückgewiesen. Dem EU-Gericht zufolge konnte die US-Regierung nicht belegen, dass sie vom Ausgang der Angelegenheit direkt betroffen ist. Das geht aus einer am 15. Dezember veröffentlichten Entscheidung des Gerichtes hervor.

Die US-Regierung hatte in ihrem Einspruch vom April 2017 unter anderem argumentiert, die Steuernachforderung der EU-Kommission in Höhe von 13 Milliarden Euro gegen Apple wirke sich unmittelbar auf die Steuereinkünfte der USA aus und sei nicht im Einklang mit bilateralen Steuerabkommen. Die EU hält dem entgegen, dass ökonomische Konsequenzen die wirtschaftliche Situation der USA nur indirekt und nur möglicherweise beeinflussen könnten.

Die EU-Kommission wertet die Steuervereinbarungen zwischen Apple und Irland als unzulässige staatliche Beihilfe. Apple habe deutlich weniger als den üblichen Satz von 12,5 Prozent gezahlt. Die Kommission hat Irland deshalb angewiesen, 13 Milliarden Euro an Steuern von Apple nachzufordern. Gegen diese Entscheidung strengten sowohl Apple als auch die irische Regierung ein Verfahren an.

Apple-Chef Tim Cook hatte die Forderung als politischen Unfug bezeichnet. Die Wettbewerbshüter hätten nicht erkannt, dass gewinnbringende Geschäftstätigkeiten wie die Entwicklung und Vermarktung geistigen Eigentums von den USA aus „kontrolliert und verwaltet werden“ – und die Gewinne deshalb dem Heimatstandort zuzuordnen seien. Die irischen Niederlassungen würden „nur Routineaufgaben“ erledigen.

Apple will die geforderten 13 Milliarden Euro ab Anfang 2018 auf ein Treuhandkonto der irischen Regierung einzahlen. (dz@ct.de)

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