c't 22/2018
S. 128
Hintergrund
Notrufsystem eCall
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Bild: Continental [M]

eCall: Hilfe im Falle des Knalles

Wie eCall wirklich funktioniert

eCall ruft bei einem Verkehrsunfall automatisch Retter herbei. Das System öffnet den Einstieg für Telematikdienste im Auto, freuen sich einige. Und andere befürchten Big Brother im Auto. Beide liegen falsch.

Er hätte überlebt, wenn der Notruf eher eingegangen wäre; da sind die Retter sicher. Doch das Auto wurde erst um 7 Uhr morgens entdeckt, um einen Baum gewickelt, der Fahrer seit Stunden tot.

Schnell Hilfe rufen, das ist genau das, was das automatische Notrufsystem eCall tut. Ein Baustein im Auto nimmt bei Unfällen automatisch oder auf Knopfdruck Kontakt zu einer Rettungsstelle auf, meldet die Position und andere Parameter. Sogar eine Sprechverbindung ist möglich, damit die Rettungsstellen nachfragen können, was passiert ist. Die EU erhofft sich durch die Einführung von eCall ein Zehntel weniger Verkehrstote, weil die Retter im Schnitt in der halben Zeit eintreffen. Ohne Zweifel: Das ist sehr gut. Aber im Konzert der Loblieder auf eCall sind Missklänge hörbar.

Denn eCall weckt auch Bedenken. Bekommt man damit einen Spion ins Auto? Zuerst ein Blick auf die Technik.

Der Notrufknopf in Autos ist in der Regel gegen versehentliches Betätigen gesichert.

Zwei Varianten

eCall ist zwei Öltanks. Heißt: Hinter dem Begriff verbergen sich zwei verschiedene Konzepte, das „Public eCall“ und das „Private eCall“. Den Notruf lösen beide Systeme automatisch oder manuell aus. Dafür gibt es im Auto einen SOS-Knopf, der vor versehentlicher Benutzung gesichert ist. Damit kann Hilfe holen, wer einen Unfall beobachtet und auch andere Ereignisse melden will. Die zweite Komponente ist der automatische Notruf. Er wird ohne Zutun des Fahrers veranlasst, wenn der Airbag aufgeht oder ein Sensor eine Kollision feststellt. Anzeichen dafür sind eine abrupte Änderung der Beschleunigungswerte und das Auslösen des Airbags.Das System löst nur bei schweren Unfällen aus, aber nicht bei harmlosen Parkremplern. Der Hauptunterschied der beiden Systeme: Beim Public eCall läuft der Notruf europaweit direkt bei der 112 als Rettungsleitstelle auf. Beim privaten eCall kontaktiert der eCall-Baustein hingegen zuerst die Leitstelle des jeweiligen Anbieters. Dahinter stehen Hilfsdienste von Autoherstellern, Versicherern und andere. Die Leitstelle fordert bei Bedarf auch den „richtigen“ Rettungsdienst an. Kritik an diesem Verfahren kommt von professionellen Rettungsdienstleistern, die befürchten, dass dadurch wertvolle Zeit verloren geht. Die Privaten führen ins Feld, dass ihre Leitstellen die rund 90 Prozent Fehlalarme ausfiltern, die bei manuellen Notrufen üblicherweise entstehen.

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