c't 22/2018
S. 86
Test
GeForce RTX 2080
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Turing-Test

Sechs Grafikkarten mit Nvidias Top-GPUs GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti

Die neuen Turing-GPUs stellen Spiele auch in 4K-Auflösung flüssig dar und verbrauchen dabei weniger Strom als ihre Vorgänger. Hersteller wie Asus, MSI und Zotac setzen bei ihren Karten unterschiedliche Akzente, hier beim Preis, dort bei der Lautstärke.

Seit Ende September sind die GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti auf dem Markt. Beide GPUs zielen auf das High-End und sollen aktuelle Spiele noch in 4K-Auflösung (3840 × 2160) flüssig darstellen – die 2080 Ti sogar bei höchster Detailstufe und mit zugeschalteter Kantenglättung.

Sechs Turing-Grafikkarten holten wir ins Labor, viermal die GeForce RTX 2080, zweimal das derzeitige Spitzenmodell RTX 2080 Ti. Teuer sind sie allesamt: Selbst die billigste Karte im Testfeld, die Gainward GeForce RTX 2080 Phoenix GS, kostete zum Redaktionsschluss mindestens 830 Euro. Die MSI GeForce RTX 2080 Ventus 8G OC und die Zotac Gaming GeForce RTX 2080 Amp Edition findet man online jeweils ab 890 Euro, die ROG Strix GeForce RTX 2080 OC von Asus ab 970 Euro. Das ist noch steigerungsfähig: Die Gigabyte GeForce RTX 2080 Ti Gaming OC 11G führen einzelne Online-Händler ab 1280 Euro, für Asus’ ROG Strix GeForce RTX 2080 Ti OC setzen sie gut 1400 Euro an.

Die anfänglich schlechte Verfügbarkeit der Karten im Handel bessert sich zwar allmählich, scheint aber auch die offenbar sparsam bestückten Leihpools der Hersteller zu betreffen. Da uns die Firmen nicht selbst aushelfen konnten, kauften wir die Modelle von Gainward und MSI kurzerhand. Auch Nvidia sah sich nicht imstande, uns Testexemplare der hauseigenen „Founders Edition“ zur Verfügung zu stellen.

Turing-Typologie

Herzstück der GeForce RTX 2080 ist die Turing-GPU TU104 mit 2944 Shader-Cores. Wie alle Turing-Karten enthält sie zwei neue Arten von Ausführungseinheiten: 46 sogenannte RT-Cores für realitätsnahe Raytracing-Effekte in Spielen [1] und 368 Tensor-Cores, die man bereits aus der Volta-Generation kennt [2]. Sie eignen sich vor allem für maschinelles Lernen und andere KI-Anwendungen. 8 GByte GDDR6-Speicher hängen an einem 256-Bit-Speicherinterface und übertragen 448 GByte/s an Daten.

Die mit 754 mm2 Chipfläche riesige TU102-GPU des Spitzenmodells GeForce RTX 2080 Ti geht mit 4352 Shader-Einheiten, 68 RT-Cores und 544 Tensor-Cores an den Start. Die 11 GByte GDDR6-RAM sind mit 352 Datenleitungen angebunden, über die sie 616 GByte/s schaufeln.

Beide Grafikprozessoren unterstützen neben Direct3D Feature-Level 12_1 auch die Schnittstellen Vulkan 1.1.78, OpenGL 4.6 und OpenCL 1.2 – OpenCL 2.0 kennzeichnet Nvidia als experimentell. Weitere Details zur Turing-Architektur und was sich gegenüber den Vorgängern aus der Pascal- und Volta-Generation geändert hat, lesen Sie im Artikel auf Seite 92.

Anschlüsse und Display-Fähigkeiten

Alle Turing-Karten tragen fünf Displayanschlüsse. Gainward, Gigabyte, MSI und Zotac bringen am Slotblech eine HDMI-2.0b-Buchse unter, die 4K-Monitore mit 60 Hz ansteuern kann und auch für HDR-Inhalte fit ist. Beides gelingt mit den drei DisplayPorts der Generation 1.4a ebenfalls. Die können jeweils über ein Kabel auch 8K-Displays mit 7680 × 4320 Pixeln bei augenschonenden 60 Hz antreiben; bei zwei dieser noch extrem seltenen Monitore ist Schluss. Asus variiert die Anschlüsse ein wenig und tauscht den dritten DisplayPort gegen eine zweite HDMI-Buchse.

Allen gemein ist der USB-C-Port, den Nvidia vorsieht, um mittels VirtualLink VR-Headsets anzubinden. Er gibt nicht nur ein DisplayPort-1.4-Signal aus, sondern stellt über dasselbe Kabel bis zu 27 Watt bereit. Als reine Datenbuchse taugt der USB-C-Anschluss auch; im Test erreichte eine PCIe-SSD im externen Gehäuse daran mit 1 GByte/s lesend und schreibend.

Boost bis zum Limit

Nvidia nennt für die GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti einen Referenztakt von 1515 MHz respektive 1350 MHz, der Boost geht bis 1710 MHz und 1545 MHz. Verwirrenderweise laufen die Founders Editions, die Nvidia selbst anbietet, im Boost jeweils 90 MHz schneller, weil sie ab Werk übertaktet sind. Das führt einerseits den Begriff „Referenzkarte“ ad absurdum und gibt andererseits den Herstellern weniger Spielraum, sich mit ihren Spitzenmodellen von Nvidias eigener Founders Edition abzusetzen.

Tatsächlich übersteigt der Boost der meisten Karten mit Werksturbo den der Founders Editions nur um wenige MHz; Gainward etwa gibt bei seiner RTX 2080 15 MHz drauf, Zotac 30 MHz. Noch mehr geht offenbar nur per Software. Gigabyte und Asus etwa bauen deshalb OC-Profile in ihre Tools GPU Tweak II und Gigabyte Aorus Engine ein.

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