c't 22/2018
S. 96
Test
IP-Kameras
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Netzwerkaugen

IP-Kameras ab 80 Euro ohne Cloud-Zwang

Videoüberwachung geht auch ohne Cloud: Über standardisierte Protokolle greift man auf die Videodaten zu und lässt die Kameras Bilder auf eigene Server senden. Mit der richtigen IP-Kamera klappt das reibungslos.

Der Markt für Überwachungskameras ist riesig. Fast jeder Elektronikhändler hat sie im Angebot, denn das Bedürfnis nach Sicherheit wächst. IP-Überwachungskameras übertragen Video- und Audiodaten über LAN- oder WLAN-Infrastrukturen. Das reduziert den Installations- und Betriebsaufwand enorm, egal ob für Firmen- oder Privatkunden.

Wer seine Überwachungsaufnahmen nicht auf einem fremden Server wissen möchte, hat eine breite Auswahl an IP-Kameras, die selbst als Web- und Streamingserver agieren. Die Konfiguration erfolgt, wie bei handelsüblichen Routern, per Webinterface. Zur Standardausstattung gehören weitere Protokolle, die Bild und Ton selbstständig auf Netzwerkspeicher schreiben oder als Livestream an Überwachungssoftware weitergeben. All diese Kriterien erfüllen die HiWatch DS-I430, die IPC-800.FHD, die Foscam C2 und die Inkovideo INKO-WL1-4MP, die wir deshalb unter die Lupe genommen haben.

Vor der Kamerainstallation sollte man die Notwendigkeit und den erhofften Nutzen einschätzen. Wer bereits Angst vor Einbrüchen beziehungsweise Diebstahl hat, verspürt möglicherweise den Zwang, ständig mit dem Smartphone zu prüfen, ob am Haus alles in Ordnung ist – das wird zur psychischen Belastung. Die örtliche Polizei kann meist sinnvolle Hinweise zur Wahrscheinlichkeit und Prävention eines Einbruchs geben. Nicht immer ist dafür eine Kamera sinnvoll. Davon abgesehen ist die Überwachung öffentlichen Grunds immer und die von Privatgrundstücken Dritter ohne deren Erlaubnis verboten.

Einen echten Sicherheitsgewinn erreicht eine Überwachungskamera nur, wenn sie per Kabel Zugang zum Heimnetz erhält. Zwar lockt bei vielen Geräten das WLAN-Modul zur einfachen Installation, doch mit Störsendern oder einer sehr einfachen Deauthentication-Attacke [1] setzen versierte Einbrecher die Technik außer Kraft – das gilt auch für Systeme mit Bridge [2]. Dieser Artikel geht deshalb nicht näher auf WLAN- oder sonstige kabellose Installationen ein. Bei LAN-Installationen muss trotzdem auf die Sicherheit geachtet werden, Netzwerkkabel im Außenbereich werden sonst unter Umständen zum Einfallstor ins Heimnetz. Hürden wie hohe Montagepunkte und Verteilerdosen mit Sicherheitsschrauben sollten dies erschweren. Für Hochsicherheitsumgebungen wählt man besser eine Netzwerktrennung mit Firewall [3, 4].

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