c't 22/2018
S. 60
Test
Filmkamera-App

Drehhilfe für Smartphones

Android- und iOS-App für bessere Videos: Filmic

Mit manuell einstellbaren Optionen und anspruchsvollen Messfunktionen erhöht Filmic die Qualität selbst gedrehter Videos.

Beim Videodreh mit dem Smartphone scheiden sich die Geister genauso wie beim Fotografieren: Einerseits sind die von den Herstellern bereitgestellten Apps auf die jeweilige Hardware optimiert, andererseits locken spezielle Foto- und Video-Apps mit Funktionen abseits des Mainstream.

Filmic Pro ist eine der bekanntesten, fürs Filmen optimierten Kamera-Apps; sie erlaubt unter anderem die manuelle Festlegung der Belichtungsparameter. Allein die Funktion, die Auflösung zu verändern, ist dabei schon sinnvoll. Denn bei schwachem Licht greifen die Smartphonehersteller zu dem Kniff, die Bildrate (fps) zu reduzieren und dabei die Belichtungszeit zu verlängern, um das Bildrauschen zu verringern. Doch mit zunehmender Aktivität verschwimmen die Bilder immer mehr. Zudem kommen nur wenige Schnittprogramme mit solchen Dateien zurecht, die mit variablen Frameraten geschrieben wurden.

Als Messpunkt für die Belichtung dient ein roter Kreis, der sich fixieren lässt; dann kann man manuell nachjustieren. Den Schärfenpunkt legt man mit dem weißen Rahmen fest.

Schon beim Aufnehmen erlaubt Filmic, zu Anlass oder Projekt passende Dateinamen vorzugeben; die einzelnen Takes erscheinen dann durchnummeriert im Inhaltsverzeichnis des Speichermediums. Wo die Dateien abgelegt werden, ob App-intern oder im Video-Systemverzeichnis, legt man in den Grundeinstellungen fest, zusammen mit den Parametern wie Videoauflösung und Audioqualität. Abhängig von den durch die Hardware festgelegten Grenzen stellt Filmic bei reduzierter Auflösung auch höhere Bildraten zur Wahl – teils sogar bis zu 120 Vollbilder für leichte Zeitlupen.

Mit Anspruch

Filmic bietet auch Funktionen, die sich anspruchsvolle Filmer wünschen: etwa das Peaking – es zeigt, wo die Schärfe liegt – oder das „Zebra“, das auf sehr helle Bildbereiche hinweist. Auf Wunsch zeigt Filmic anstelle des Timecodes ein Histogramm oder ein Waveform-Diagramm. Obendrein gibt es wahlweise einen automatischen oder manuellen Weißabgleich, begleitet von den dabei üblichen Presets.

Bei der automatischen Belichtung lässt sich der runde Messbereich auf dem Display auf eine beliebige Position im Bild schieben. Tippt man ein weiteres Mal auf den Messkreis, fixiert dies die Messposition. Ein Fingerwisch von der linken Seite aus ruft die manuellen Bildeinstellungen auf, wo man ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit verändern kann. Jeweils eines davon lässt sich verriegeln, um nur den anderen Wert zu verändern. Auf ähnliche Weise legt man mit einem viereckigen, verschiebbaren Messbereich den Schärfenpunkt fest. Per Fingerwisch vom rechten Rand aus erscheint ein virtuelles Schärferad; ein Doppeltipp darauf erlaubt es, zwei Marker zu bestimmen, etwa um eine automatische Schärfenverlagerung hinzubekommen. Nicht ganz so elegant fällt die Audio-Sektion aus: Pegelanzeige und Lautstärkeneinsteller lassen sich eher fummelig bedienen.

Eine Ergänzung für Filmic namens Cinematographer Kit stellt spezielle Filmlook-Funktionen wie Gamma- und Color-Abstimmung sowie Log-Farbprofile bereit. Sie ist via In-App-Verkauf für weitere 11 Euro zu haben.

Tabelle
Tabelle: Filmic Pro 6.7.0

Fazit

Auch wenn die App bei einem Kaufpreis von bis zu 17 Euro relativ teuer ist: Im Vergleich mit anderen Apps dieser Art stellt Filmic anspruchsvolle Funktionen bereit, die ansonsten eher der Profiklasse zuzurechnen sind. Ob im Automatik- oder manuellen Modus: Die Funktionen arbeiten wie erwartet. Filmic lässt sich schnell und intuitiv bedienen, im Ergebnis liefert sie zuverlässig eine gute Qualität. Nicht zuletzt die manuelle Festlegung von Belichtung und Schärfe und die Art der Bedienung heben diese App von günstigeren Video-Apps ab. (uh@ct.de)

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