c't 24/2018
S. 38
News
Kein Google in Berlin
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Bild: fuckoffgoogle.de

Keine Kraken auf dem Kiez

Initiativen stoppen Google-Campus in Berlin

Der Internetriese plante ein großes Start-up-Zentrum in Kreuzberg. Anwohner leisteten aus Angst vor einer weiteren Mietpreisexplosion heftigen Widerstand und zwangen Google zum Umdenken.

Auf rund 3000 Quadratmetern wollte Google im ehemaligen Umspannwerk am Paul-Lincke-Ufer im Berliner Bezirk Kreuzberg seinen weltweit siebten Start-up-Campus errichten. Die anderen derartigen Komplexe befinden sich in London, Madrid, Sao Paolo, Seoul, Tel Aviv und Warschau. Doch während sich die Projekte zur Förderung digitaler Unternehmensgründungen dort durchsetzen ließen, wollten sich viele Bewohner des Berliner Szenebezirks vom Suchmaschinenkonzern partout nicht beglücken lassen. Schon jetzt leidet der Stadtteil unter Gentrifizierung und horrenden Mietsteigerungen. Viele der ehemals dort lebenden Migranten, Geringverdiener, Rentner und Studenten mussten in den vergangenen Jahren teuren Läden und einkommensstarken Bürgern weichen.

Zwei Jahre lang engagierten sich vier Initiativen gegen die drohende Landnahme und Etablierung eines weiteren Silicon Valley. Aus vielen Fenstern hingen Transparente, allerorten klebten Plakate gegen das als „Datenkrake“ kritisierte Unternehmen. Im Monatsrhythmus fanden öffentliche Aktionen statt, und im September wurde die Baustelle vorübergehend besetzt. Dabei kooperierten die Aktivisten mit ähnlichen Gruppen in San Francisco und dem kanadischen Toronto. Im Silicon Valley hat das Mietpreisproblem inzwischen selbst gutverdienende Angestellte erreicht. So klagten unlängst Mitarbeiter von Apple, sich in und um Cupertino keinen Wohnraum für ihre Familien mehr leisten zu können. Diese Gefahr sahen auch die Anwohner in Berlin und taten sich mit Hackern und netzpolitischen Aktivisten zusammen, die Google „Datenkolonialimus“ vorwerfen. Als Alternative stellten sie unter search.fuckoffgoogle.net eine dezentrale Suchmaschine ins Netz.

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