c't 25/2018
S. 74
Hintergrund
Smart-TV: Privacy und Sicherheit
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Clever oder tumb?

Was Smart-TVs ins Internet übermitteln und wie leicht sie sich hacken lassen

Aktuelle TV-Geräte, wie wir sie in dieser Ausgabe testen, wollen mit dem Internet verbunden sein. Das ist einerseits ein Sicherheitsrisiko und birgt anderseits auch Gefahren für die Privatsphäre. Uns hat interessiert, wie viel die Geräte schwatzen, mit wem sie reden, worüber sie sprechen und welchen Einfluss man nehmen kann.

Dass moderne TV-Geräte munter im lokalen Netzwerk und bis ins Internet hinaus plappern, ist kein Geheimnis. Vor vier Jahren haben wir uns angeschaut, was dabei vor sich geht [1]. Außerdem befassen sich diverse wissenschaftliche Veröffentlichungen mit der Frage [2]. Wir haben deshalb den Geräten aus unserem aktuellen Test auf Seite 82 genauer auf den Netzwerkverkehr geschaut und vergleichen die Ergebnisse mit den Erkenntnissen aus den vorgenannten Veröffentlichungen. Der Artikel ab Seite 78 zeigt, wie sie Ihrem Smart-Plappermäulchen einen Maulkorb verpassen. Auf Seite 90 stellen wir Alternativen zu den smarten Funktionen der TV-Geräte vor.

Viele Akteure

Für die Betrachtung des Netzwerkverkehrs eines TV-Geräts ist es hilfreich, die Akteure zu kennen: Da wären zunächst fest im Betriebssystem verdrahtete Funktionen, die das Gerät ins Netzwerk bringen und die unter anderem sicherstellen, dass es als Abspielziel für Mediendateien gefunden wird. Die Geräte schicken regelmäßig Pakete an alle ins lokale Netz. Auch umgekehrt lauschen die Geräte auf solche Ankündigungen und können deshalb ein NAS als Quelle für Mediendateien erkennen und das Durchsuchen nach abspielbarem Material anbieten. Solcher Netzwerkverkehr ist nur lokal sichtbar.

Video: nachgehakt

Hinzu kommen Funktionen, die über Apps realisiert werden. Die Hersteller bestücken die Geräte üppig und der Nutzer kann weitere nachinstallieren. Die meisten Apps sind auf einen bestimmten Dienst ausgerichtet, etwa Netflix, Amazon-Video, Maxdome, YouTube und die Mediatheken der Sendeanstalten. Die Apps nehmen übers Internet Kontakt zu den Servern der Dienstleister oder des Herstellers auf, ohne dass der Nutzer darauf Einfluss nehmen kann. Auf einigen Smart-TV-Plattformen erfährt er immerhin noch in den Detailinformationen, welche Rechte sich eine App herausnimmt – etwa, auf welche Informationen sie zugreifen darf.

Sehr zentral und Gegenstand vieler Untersuchungen sind die Extraangebote eines smarten TVs beim Fernsehen: Im Standard Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) ist festgeschrieben, wie sich per Rundfunk übertragene Programme um interaktive Inhalte ergänzen lassen. Letztlich überlagert dabei ein spezielles Webangebot das TV-Bild oder verdrängt es ganz. Die Sender nutzen das, um ihre Mediatheken zugänglich zu machen, Programminformationen anzubieten oder – im Fall der Shopping-Kanäle – sogar fürs Verkaufen. Hier findet rege Kommunikation übers Internet statt.

Obendrein bündeln die meisten Smart-TVs alle Funktionen in einer speziellen Oberfläche, die über den Home-Knopf der Fernbedienung erreichbar ist und bei Samsung beispielsweise „Smart Hub“ heißt. Sie lebt von bunten Bildern, die sie den jeweiligen Apps oder Funktionen entlockt. Oft nutzen die Hersteller Freiflächen auch, um für ihre eigenen Angebote zu werben oder die Werbung Dritter einzublenden. Man hat mitunter den Eindruck, auf dem Bildschirm sei ein Briefkasten explodiert, der in den letzten Wochen mit Werbezetteln vollgestopft worden ist.

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