c't 26/2018
S. 72
Kaufberatung
Der optimale PC: Komponenten-Kaufberatung
Aufmacherbild

Der optimale PC

Kaufberatung: aktuelle Prozessoren, Arbeitsspeicher und SSDs

Wie viele CPU-Kerne dürfen es sein? Der Wettstreit zwischen AMD und Intel beschert PC-Käufern eine große Auswahl. Für einen kompletten PC braucht man aber auch die passende Grafikkarte, eine flotte SSD und ein solides Mainboard.

Prozessorkerne satt: So sieht es auf dem PC-Markt derzeit aus. Schon Notebooks und Mini-PCs gibt es mit vier bis sechs CPU-Kernen, und die Mittelklasse-PC-Plattformen von AMD und Intel lassen sich mit Achtkernern bestücken. Auf High-End-PC-Mainboards laufen sogar 32-Kerner. Unsere Kaufberatung erklärt, wie viele CPU-Kerne für Ihre individuellen Anforderungen sinnvoll sind. Außerdem geht es um AMD Ryzen versus Intel Core i, die Auswahl einer Grafikkarte sowie Arbeitsspeicher, SSDs, Festplatten, Mainboards und Netzteile.

Kernzahlwahl

Leider nutzen viele gängige Alltagsprogramme noch immer nur einen einzigen Prozessorkern. Das gilt etwa für Office-Software, beispielsweise bei LibreOffice Writer für die durchaus rechenaufwändige Umwandlung einer Textdatei in ein PDF-Dokument vor dem E-Mail-Versand. Weil viele Anwendungen so miserabel programmiert sind, laufen sie auch auf einem 2000-Euro-Prozessor nicht schneller als auf einem 150-Euro-Chip.

Nicht immer haben die Programmierer Schuld daran, dass Multi-Cores keine Mehrleistung bringen: Es gibt Aufgaben, die sich kaum parallelisieren lassen. Das gilt sogar für einige Workstation-Anwendungen wie AutoCAD, bei denen die Berechnung bestimmter Objekte erst starten kann, wenn zuvor andere fertiggestellt wurden. Es hängt also von der Software ab, wie viele CPU-Kerne sinnvoll sind. Überlegen Sie, welche Anwendungen Sie häufig nutzen und bei welchen davon Sie besonders hohe Rechenleistung benötigen. Zu mancher Software gibt es klare Empfehlungen, manche Spiele etwa verlangen vier CPU-Kerne oder mehr. Unter Windows zeigt der Task-Manager die aktuelle CPU-Auslastung an: Weist er bei einem Quad-Core ohne Hyper-Threading nur rund 25 Prozent aus, wenn Software unter Volldampf rechnet, nutzt der Code nur einen Kern.

Der dicke AMD Ryzen Threadripper 2990WX hat 32 Kerne, Intels Core i9-9980XE immerhin 18. Bei den Mittelklasse-Plattformen AM4 (Ryzen) und LGA1151v2 (Core i) sind jeweils acht Kerne möglich.

Falls sich nicht genau klären lässt, wie viele Kerne die jeweilige Software nutzt, helfen Faustregeln. Für einen neuen PC, der sich flott anfühlen und mehrere Jahre lang benutzt werden soll, nimmt man mindestens einen Quad-Core mit Turbo-Funktion: Der AMD Ryzen 3 2200G kostet um die 100 Euro, für 40 Euro mehr gibt es den Ryzen 5 2400G oder den Core i3-8100 – letzterer ist Intels günstigster Quad-Core mit aktueller Technik.

Noch billiger sind Dual-Cores wie Athlon 200GE und Pentium Gold G5000 beziehungsweise Celeron G4000, die aber nur für Bürocomputer taugen. Vorsicht: In einigen Mini-PCs und Billigst-Desktops stecken stark abgespeckte „Atom-Celerons“ wie Celeron J/N4000 und Pentium Silver J/N5000. Wegen ihrer geringen Singlethreading-Performance fühlt sich mit diesen Chips das Arbeiten zäher an. Sie haben ihre Berechtigung nur in lüfterlosen und kompakten Geräten, wo es nicht auf die Rechenleistung ankommt.

High-End

Wenn es hingegen deutlich mehr Performance sein soll, kommen Sechskerner ab 200 Euro ins Visier: AMD Ryzen 5 2000X oder Intel Core i5-8000/9000. Die Unterschiede zwischen vergleichbar teuren AMD- und Intel-Chips sind dabei im Alltag kaum spürbar: Für Intel spricht die etwas höhere Singlethreading-Rechenleistung. Die macht sich zwar auch in Spiele-Benchmarks bemerkbar, in der Praxis ist dabei allerdings die Grafikkarte wichtiger. Ihren größten Vorteil spielen die Core-i-Typen nur mit den immer noch seltenen Programmen aus, die AVX-Code nutzen.

Achtkerner sind nur dann sinnvoll, wenn man häufig extrem leistungshungrige Anwendungen nutzt, etwa für Videoschnitt, Audio mit vielen Tonspuren oder 3D-Rendering. Ryzen 7 2600X und Core i7-9000 liefern dank hoher Turbo-Stufen zwar auch die jeweils höchste Singlethreading-Performance, aber dabei beträgt der Vorsprung zu deutlich billigeren Chips oft nur 20 Prozent – das spürt man kaum. Wichtiger sind die zusätzlichen Kerne, sofern die Software sie auslastet.

Die teuersten „High-End Desktop“-(HEDT-)Plattformen TR4 (AMD Threadripper) und LGA2066 (Intel Core X) lohnen sich nur für wenige Nutzer. Hier sind zwar bis zu 32 Kerne, 64 Threads und 128 GByte RAM möglich, aber manche Software kommt mit den vielen Threads quasi durcheinander: Die Performance sinkt im Extremfall oder es sind spezielle Einstellungen nötig, damit es gut läuft. Obendrein geht der teure Spaß auch noch mit hohem Aufwand für leise Kühlung, starken Netzteilen und langen Boot-Zeiten einher – wägen Sie Vor- und Nachteile genau ab! Mehr Details über Prozessoren verrät [1].

Kommentare lesen (5 Beiträge)