c't 26/2018
S. 34
News
Internet

Facebook unter Dauerfeuer

Britische Parlamentarier sind empört, weil Facebook-Chef Mark Zuckerberg einer Anhörung fernblieb. Derweil kündigt sich ein neuer Datenskandal an.

Wo ist Zuck? Per Tweet mokierten sich Mitglieder im DCMS-Ausschuss über das Fehlen von Zuckerberg. Bild: DCMS (Twitter)

Der Ton wird rauer, die Methoden werden rabiater: Das britische Parlament lässt im Skandal rund um Facebook und die Datenanalysefirma Cambridge Analytica nicht locker und bringt den Social-Media-Konzern immer tiefer die Bredouille. Am 27. November sollte Mark Zuckerberg im Parlamentsausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) unangenehme Fragen beantworten. Doch sein Stuhl blieb leer – er ließ sich von Facebooks Cheflobbyist in Europa, Richard Allan, vertreten. Diesen Affront werteten die Abgeordneten als Hinweis, dass Mark Zuckerberg den Ernst der Lage nicht verstanden habe. Unterstützt wurden sie von Kollegen aus insgesamt acht anderen Staaten, deren Parlamente ebenfalls Facebooks Aktivitäten untersuchen.

Unter Bezug auf kurz zuvor beschlagnahmte Unterlagen aus den USA deutete Ausschussleiter Damian Collins einen möglichen weiteren Datenschutzskandal an: Ein Facebook-Mitarbeiter habe bereits 2014 herausgefunden, dass von einer russischen IP-Adresse drei Milliarden „Datenpunkte“ von Facebook heruntergeladen worden seien. Allan wollte nicht beantworten, ob dieser mutmaßliche Datenabgriff auch externen Stellen gemeldet wurde.

Der Labour-Abgeordnete Clive Efford ging auf bislang nicht diskutierte Praktiken des sozialen Netzwerks ein. Facebook gibt App-Entwicklern für deren Anwendungen zwar generell Zugang zur eigenen Plattform, gewährt Efford zufolge aber spezielle, besonders vorteilhafte Regelungen für große Diensteanbieter. Laut Efford hat Facebook dabei Unternehmen bevorzugt, die potenziell viel Geld für Mobilwerbung ausgeben können.

Anhand der Fragen der geladenen Gäste aus Argentinien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Irland, Kanada, Lettland und Singapur wurde im weiteren Verlauf der Befragung die Vielfalt der Kritik deutlich, der sich Facebook gegenwärtig weltweit ausgesetzt sieht. Edwin Tong aus Singapur etwa brachte Allan in Erklärungsnotstand, als er einen Facebook-Eintrag aus Sri Lanka vorlas. Obwohl es darin hieß, „Tötet alle Muslime! Lasst nicht einmal ein Kind der Hunde entkommen“, sei der nicht gelöscht worden. Selbst der Kommunikationsminister habe keine Löschung des Eintrags erreicht. Allan sprach von einem „Fehler“, was von den Anwesenden als Verharmlosung zurückgewiesen wurde. (hob@ct.de)

Neuer Bundesdatenschutzbeauftragter

Der Bundestag hat am 29. November den Diplom-Informatiker Ulrich Kelber zum neuen Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) gewählt. Der SPD-Abgeordnete beerbt damit Anfang 2019 Andrea Voßhoff an der Spitze der unabhängigen, in Bonn angesiedelten Behörde. Von Kelber erhoffen sich Datenschutzexperten, dass er im Vergleich zu Voßhoff härter mit datensammelnden Unternehmen ins Gericht geht und Themen offensiver in die Öffentlichkeit bringt. Er bezeichnete gegenüber c’t als eine seiner wichtigsten Aufgaben im neuen Amt, das europaweite Datenschutzrecht durchzusetzen. (hob@ct.de)

Riesiger Werbebetrug mit Android-Apps

Clean Master soll das Smartphone eigentlich von Unbill befreien. Bis Redaktionsschluss war die App, die mehr als eine Milliarde Downloads aufweist, noch im Play Store verfügbar.

Acht Android-Apps mit insgesamt zwei Milliarden Downloads und 700 Millionen aktiven Nutzern haben offenbar systematisch Werbeprovisionen erschlichen. Sieben der Apps stammen vom chinesischen Hersteller CM, darunter CM Launcher 3D. Von Kika stammt die Tastatur App Kika Keyboard. Aufgedeckt hat den Schwindel das US-Magazin Buzzfeed.

Die Apps haben auf zweierlei Weise Werbegelder erschlichen. Bei der sogenannten „Click Injection“ haben sie sich bei Installationen von Apps mit lukrativem Provisionsangebot in den Installationsprozess geschoben, sodass es aussah, als habe eine eigene Anzeige zu der Installation geführt. Beim sogenannten „Click flooding“ täuschen die Apps ständig Klicks auf Anzeigen vor, die besonders hohe Provisionszahlungen versprechen.

Möglich wurden die Betrugsmaschen erst dadurch, dass die Apps bei der Installation vom Nutzer bis zu 120 einzelne Zugriffsrechte anfordern. Dazu gehört auch die Möglichkeit, die Aktivitäten anderer Apps zu überwachen, sich vor andere Apps zu schieben und die Web-Historie des Browsers zu überschreiben.

Mit den Recherchen von Buzzfeed News konfrontiert, kündigte Google Ermittlungen an. Inzwischen sind zwei der acht Apps aus dem Play Store verschwunden. (Torsten Kleinz/jo@ct.de)

Kommentieren