c't 1/2019
S. 46
Test
Cloud-PCs
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Wolkig mit Aussicht auf Gaming

Cloud-PCs, mit denen man auch auf alten Rechnern aktuelle Spiele spielen, 4K-Videos schneiden und vieles mehr kann

Mieten statt kaufen: Wer nur hin und wieder einen leistungsstarken Windows-PC braucht, streamt ihn sich einfach aus der Cloud. Damit kann man dann sogar auf einem zehn Jahre alten Notebook oder auf einem langsamen Android-Tablet 4K-Videos schneiden und am MacBook aktuelle Spiele mit vollen Details spielen – wenn die Internetverbindung schnell und stabil genug ist.

Na, was fällt dir auf?, frage ich die Kollegin, die ich an meinen Rechner eingeladen habe. Sie klickt herum, startet einen Browser, dann ein Spiel und läuft darin ein wenig durch die Gegend. „Nix“, entgegnet sie, „was soll mir auffallen?“ „Das ist nicht mein PC, du siehst einen Videostream von einem Rechner, der in Amsterdam steht“, sage ich triumphierend.

Dass man sich einen fremden Desktop über Internet oder das lokale Netz auf den Bildschirm holen kann, ist ein alter Hut – schon Windows XP hatte standardmäßig eine RDP-Software eingebaut (Remote Desktop Protocol). Nur war das Ganze nicht nur ziemlich lahm, sondern funktionierte auch nicht mit grafisch anspruchsvollen Anwendungen. Wenn Spiele damit überhaupt liefen, ruckelten sie, außerdem war die Bildausgabe häufig unangenehm verzögert.

Video: Nachgehakt

Unterschied nicht spürbar

Dass man inzwischen den Cloud-Desktop nicht vom lokalen unterscheiden kann – und zwar nicht einmal beim Spielen –, das war für uns das größte Aha-Erlebnis der aktuellen Cloud-PC-Generation; und Grund, dem Thema eine Titelstory zu widmen. Praktisch ist das Ganze nicht nur, um PC-Antiquitäten weiter nutzen zu können, sondern auch, um Systemgrenzen zu überwinden: Ein Windows-Cloud-PC lässt sich nämlich oft auch aufs Android-Smartphone, auf den Linux-PC oder den Mac holen.

Etwas irritierend: Der per USB an den lokalen Rechner angeschlossene Gamecontroller wird im lokalen Windows korrekt erkannt, heißt im Cloud-Windows aber anders – vermutlich, weil eine Emulation zum Einsatz kommt.

Zum Kasten: Playstation Now und GeForce Now: Gaming über die Cloud

Etliche Cloud-Dienstleister für Privatanwender sind in den letzten Monaten aus dem Boden geschossen. Viele davon fokussieren sich ausschließlich auf Spielestreaming, andere stellen einen komplett frei nutzbaren Windows-Rechner zur Verfügung. Darauf kann man auf Wunsch Spiele spielen – aber auch andere CPU- und Grafik-lastige Anwendungen nutzen, beispielsweise Videoschnittprogramme oder 3D-Modeling-Software. Für diesen Test haben wir uns auf Anbieter beschränkt, die einen freien Windows-Desktop anbieten. Dienstleistungen wie Vortex Cloud Gaming, GeForce Now, Sonys Playstation Now und Googles Project Stream lassen wir in diesem Test außen vor, sie unterstützen kein BYOG („Bring your own Games“), sondern streamen lediglich einzelne Spieletitel. Unsere Erfahrungen mit diesen Spiele-Spezialanbietern stehen im Kasten auf Seite 48.

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Einer der von Parsec angebotenen Cloud-PCs kommt von Amazon AWS und heißt dort „g3.4xlarge“. Theoretisch könnte man die Instanz auch ohne den Parsec-Client nutzen – nur wäre das deutlich fummeliger.

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