c't 2/2019
S. 84
Praxis
Smartphone-Wechsel: vom iPhone
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Grenzgänger

Vom iPhone zu Android umziehen

Der Umstieg von iOS auf Android ist hart, denn weiterhin unterscheiden sich die zwei populärsten Mobilbetriebssysteme in vielen grundsätzlichen Dingen. Für den Umzug gibt es aber jede Menge kleine Helferlein und Kniffe.

Sie haben sich also dazu entschieden, die Glaubensrichtung zu wechseln? Weg mit dem iPhone, her mit einem Android-Smartphone! Eines vorneweg: Apples Nutzer werden in Sachen Backups und Gerätewechsel verwöhnt, denn beides ist ab Werk kein Problem. Egal, ob on- oder offline, ob iTunes oder iCloud: Vollständige Images kann man jederzeit per Klick anfertigen.

Beim Umzug zu Android nützen diese Backups aber nur wenig, da Googles Betriebssystem nichts damit anfangen kann. Deswegen muss man Umwege gehen, Daten manuell übertragen oder sich auf spezialisierte Tools verlassen. Einige dieser Programme können Teile der iOS-Backups auslesen, andere versuchen die Daten direkt vom iPhone zu kopieren. Ähnlich wie beim Umzug von Android zu Android haben wir keinen Weg gefunden, auf dem man die gesamte Einrichtung inklusive Software, Einstellungen und persönlicher Daten mit wenigen Handgriffen übernehmen könnte.

Steighilfe Google-Account

Voll und ganz lässt sich ein Android-Smartphone nur in Kombination mit einem Google-Account und Google-Diensten nutzen. Selbst auf dem iPhone ergibt das Sinn: Mails, Kontakte und Kalendereinträge eines Google-Accounts lassen sich auch in den Apple-eigenen Apps nutzen. Wer diesen Weg auf dem iPhone wählt, macht sich den Umzug zu Android erheblich leichter. Bei der Einrichtung auf dem neuen Smartphone braucht man sich nur mit dem eigenen Google-Account anzumelden und findet zumindest schon mal oben genannte Arten von Daten auf dem Gerät wieder.

Wer keine Angst vor der Cloud hat, kann die Fotos-App von Google auf seinem iPhone installieren. Auf Wunsch speichert das Programm dann alle aufgenommenen Bilder und Videos im Google Drive. Auf dem neuen Android-Gerät sind sie so direkt nach Anmeldung verfügbar. Kleiner Haken: Die Bilder werden nochmals komprimiert und liegen somit nicht ganz in der Original-Qualität vor (siehe S. 89). Google hat in seine Drive-App für iOS außerdem eine Backup-Funktion integriert, die zumindest Kontakte, Kalendereinträge und Fotos vom iPhone in die Google-Cloud und über diesen Umweg aufs neue Android-System spielt.

Andersherum funktioniert diese Umzugshilfe prinzipiell auch: Wenn man also von einem Android-Telefon auf ein iPhone umziehen möchte, registriert man den Google-Account einfach auf dem Apple-Gerät unter „Einstellungen“/“Passwörter & Accounts“.

Migrations-Apps

Einigen Android-Smartphones liegt ein USB-Adapter bei, der das neue Telefon mit dem alten iPhone verbindet.

Einigen neuen, eher teureren Android-Smartphones liegt ein USB-OTG-Adapter bei, meist von Typ-C auf Typ-A. Die jeweiligen Hersteller liefern dazu eine passende Migrations-App, die auch in Kombination mit einem iPhone funktioniert. Es reicht zumeist, die App auf dem neuen Android-Telefon zu starten und das iPhone per Ladekabel samt Adapter anzuschließen. Nachdem man auf dem iPhone die Zugriffsrechte gewährt hat, startet der Dateitransfer.

Allerdings kann man nur einen kleinen Teil der auf dem iPhone liegenden Daten kopieren: Fotos und selbstaufgenommene Videos, Musik beziehungsweise Audiodateien und Nachrichten (SMS und MMS). Apps und App-Einstellungen, Konten, Systemeinstellungen und WLAN-Passwörter, Lesezeichen und alle in der iCloud gespeicherten Daten lassen sich so meist nicht übertragen.

Hat man sich für ein neues Samsung-Smartphone entschieden, bietet Samsung die Migration mithilfe der hauseigenen App „Smart Switch“ an – während der Einrichtung oder im Nachhinein. Sollte sich die App nicht auf dem Gerät befinden, lädt man sie kostenlos aus Google Play. Mit Geräten anderer Hersteller funktioniert sie nicht. In unserem Test funktionierte sie aber auch nicht im Zusammenspiel mit einem Galaxy Note 9 mit Android 8.1 und einem iPhone XS Max mit iOS 12.1.1. Smart Switch kann die Daten theoretisch via USB-Kabel vom iPhone aufs Samsung-Telefon schaufeln oder zieht sie kabellos aus einem in der iCloud hinterlegten Backup. Bei ersterer Möglichkeit brach der Prozess in unseren Tests reproduzierbar ab. Bei zweiterer nahm Apples Zwei-Faktor-Authentizierung unseren Code nicht an.

Huawei bietet mit Phone Clone ein ähnliches Tool an. Es muss zuerst auf dem iOS-Gerät installiert werden. Anschließend spannt das neue Huawei-Telefon einen WLAN-Hotspot auf, über den sich beide Geräte verbinden. Immerhin ließen sich Kontakte, Kalendereinträge, Fotos und Videos übertragen. Weitere herstellereigene Lösungen finden Sie auf Seite 78.

Gekaufte Apps und Abos

Auf die in der iCloud gespeicherten Daten kann man auch ohne Apple-Gerät von jedem beliebigen Browser aus zugreifen.

Fast alle populäreren iOS-Apps gibt es mittlerweile auch für Android. Käufe gelten aber immer nur für eine Plattform und so muss man für die Lieblingsanwendungen erneut bezahlen. Bei besonders teuren Programmen lohnt es sich, die Entwickler zu kontaktieren und sie mit Hinweis auf den früheren Kauf um eine Android-Lizenz zu bitten. In-App-Käufe muss man abschreiben.

Falls Sie gar kein iOS-Gerät mehr nutzen, denken Sie daran, alle über den App Store abgeschlossene Abos zu kündigen, die nicht auf Android nutzbar sind. Die Abos finden Sie in den Systemeinstellungen unter „iTunes und App Store“; tippen Sie oben rechts auf die Apple-ID und wählen Sie im eingeblendeten Menü den Punkt „Apple-ID anzeigen“ und dann „Abos“. Systemübergreifende Dienste wie Spotify oder Netflix laufen problemlos weiter.

WhatsApp & Co.

Problematisch wird es bei Nachrichten: Weder iMessage noch die Chats von WhatsApp können auf einfache Art mit aufs andere Gerät genommen werden. WhatsApp erstellt auf dem iPhone zwar auf Wunsch Online-Backups, die liegen aber in der iCloud und lassen sich unter Android nicht wiederherstellen. Für iMessage findet sich keine entsprechende Android-App.

Mit Wazzapp gibt es aber für 5,99 Euro eine auf WhatsApp spezialisierte Migrations-App. Sie nutzt ein unverschlüsseltes lokal auf dem PC oder Mac liegendes WhatsApp-Backup, das man mithilfe von iTunes anfertigt. Danach hat man einen steinigen Weg vor sich, auf dem man per Wazzapp-Desktop-Programm eine sqlite-Datei erstellt und die Medien extrahiert. Unter anderem wird eine ältere Version von WhatsApp als APK-Datei benötigt. Kurzum: Es lohnt sich, vor der Migration des Chat-Verlaufs ehrlich darüber nachzudenken, wie oft man tatsächlich alte Chats durchlesen wird.

Apple-eigene Apps

Zwar sind fast alle Google-Apps und -Dienste fürs iOS verfügbar, andersherum aber nicht. Auf Programme wie die Apple-eigenen Notizen, Erinnerungen oder Nachrichten muss man verzichten, (meist funktionsreichere) Alternativen suchen und die Daten manuell übertragen. Immerhin kann man auf die meisten Daten per Browser zugreifen, indem man die Seite iCloud.com ansteuert. Das Interface ist zwar träge, aber um Dokumente, Notizen und Kontakte zu kopieren und Fotos herunterzuladen, reicht es. Dort lässt sich übrigens auch die Verknüpfung des Accounts mit dem alten Gerät entfernen.

Der Wechsel von Apple zu Google bedeutet sowieso schon viel Umgewöhnung und die komplizierte Migration der Daten macht den Umstieg nicht gerade leichter. Falls möglich, sollte man das iPhone noch ein paar Wochen nach dem Umzug ohne Werksreset in der Schublade liegen lassen. An einige Daten kommt man nämlich nicht ohne Zugriff auf das ursprüngliche Gerät. (hcz@ct.de)

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