c't 2/2019
S. 14
News
Gelbwesten-Proteste
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Bild: Bernard Schmid

Brandbeschleuniger

Die Rolle der sozialen Medien bei den Protesten der Gelbwesten in Frankreich

Das kurze Facebook-Video einer bis dahin unpolitischen Therapeutin gilt als Startschuss der seit Wochen in Frankreich tobenden Proteste. Haben soziale Netzwerke tatsächlich die Macht, eine Massenbewegung zu initiieren?

Seit in Frankreich die Proteste der Gelbwesten eskalieren, fragen sich Beobachter, welche Rolle speziell Facebook bei der Mobilisierung spielt. Manche US-Korrespondenten etwa von BuzzFeed News haben den neuen Algorithmus im Verdacht, der auf Facebook die Posts von Freunden und aus der Region bevorzugt und Meldungen überregionaler Medien hinten anstellt. Deren gesellschaftliches Korrektiv würde dadurch benachteiligt und die Verbreitung ungeprüfter Fake News beschleunigt, so die Schlussfolgerung von Ryan Broderick und Jules Darmanin. Die beiden Reporter zählen haarklein auf, welche Postings der Gelbwesten wie viele Likes einheimsten und wie einige wenige Videos in kurzer Zeit einen Flächenbrand auslösten [1].

Doch kann tatsächlich ein Algorithmus dafür verantwortlich sein, dass zig Tausende von Franzosen auf die Barrikaden gehen? Wäre Paris ein friedliches Pflaster, wenn die Regierung wie ein autoritäres Regime Facebook abschalten und analog zu Ägypten den Verkauf gelber Westen verbieten würde?

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