c't 4/2019
S. 52
News
Herzschrittmacher-App

Herzklopfen

Herzschrittmacher per App auslesen

Träger eines Herzschrittmachers können zukünftig auch zu Hause sehen, wie sich ihr Herzzustand entwickelt. Der Medizintechnik-Hersteller Medtronic hat dazu eine App vorgestellt, die dem Patienten auf Wunsch bestimmte Daten bereitstellt.

In der App „MyCareLink Heart“ können Träger bestimmter Medtronic-Herzschrittmacher ab sofort Herzdaten einsehen und mit einem eigenen Tagebuch verknüpfen. Bild: Medtronic

Seit vielen Jahren sind implantierte Herzschrittmacher, die Ärzte im unmittelbaren Nahbereich drahtlos auslesen und programmieren können, im Einsatz. Einen Schritt weiter geht die Medizintechnik mit mobilen Patientengeräten, die der Patient mit nach Hause nimmt: Sie bekommen die Daten drahtlos und verschlüsselt vom Schrittmacher und senden sie über eine Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung in ein gesichertes Netzwerk des Herstellers. Von dort gelangen sie an die behandelnden Mediziner. Die können die Parameter laufend kontrollieren und viele Auffälligkeiten aus der Ferne erkennen. Der Medizintechnikkonzern Medtronic hat nun Mitte Januar die App „MyCareLink Heart“ vorgestellt, die der Patient auf seinem Smartphone oder Tablet installiert. Sie liest über eine Bluetooth-LE-Verbindung bestimmte Herzschrittmachermodelle des Herstellers aus. Dabei übernimmt sie die Funktion des Patientengeräts und stellt dem Patienten auf seinem Mobilgerät zusätzlich ausgewählte Herzdaten bereit, die sie aus dem Herstellernetzwerk bezieht.

Um das Feature zu nutzen, muss der Patient einen Herzschrittmacher mit aktivierter „Blue Sync“-Funktion tragen. Erforderlich ist laut Medtronic-Homepage zudem ein Mobilgerät von Apple oder Samsung: iPhone ab 5s, iPad ab Air, Mini 2 oder Pro mit iOS ab 10.0; Samsung Galaxy ab S7 mit Android 7.0 oder höher. Die App kann dem Patienten anschließend mithilfe seiner Herzfrequenzdaten einen täglichen, wöchentlichen und monatlichen Überblick über seine körperliche Aktivität geben. Außerdem kann er händisch Körpergewicht und Blutdruck sowie symptomatische Ereignisse in einem Tagebuch erfassen und mit den Herzdaten abgleichen. Diese eigenen Aufzeichnungen sendet die App ausdrücklich nicht an den Arzt. Vielmehr soll der Patient besser verstehen, wie sich bestimmte Verhaltensweisen auf den Zustand seines Herzens auswirken. Bei den weiterhin obligatorischen Arztbesuchen kann der Patient im Gespräch auf diese konkreten Daten zurückgreifen. Die App zeigt darüber hinaus den aktuellen Batteriestand des Schrittmachers sowie dessen Implantationsdatum, Modellbezeichnung, Modell- und Seriennummer und die Klinikdaten an.

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