c't 7/2019
S. 64
Test
Musik-Streaming
Aufmacherbild
Bild: Albert Hulm

Musik im Reißwolf

Wie Streaming-Dienste den Klang verändern

Wenn Dienste wie Spotify Musik streamen, greifen Datenkompression und Lautstärkeanpassungen in den Klang ein. Im Vergleich zu einer CD muss das Ergebnis nicht immer schlechter sein. Der Sound kann mitunter sogar profitieren, wie unser Test von sechs Diensten zeigt.

Fünfzig Millionen Songs: Mit dieser Zahl werben derzeit viele Streaming-Anbieter um neue Kunden. Doch es ist nicht allein die – schwer überprüfbare – Menge an Songs, die die Qualität eines solchen Dienstes ausmacht. Viel wichtiger ist, wie er das Repertoire aufbereitet. Algorithmen analysieren den Musikgeschmack des Anwenders und schlagen ihm ähnliche Stücke von anderen Künstlern vor. Zudem stellen menschliche Kuratoren die neuesten Hits vor und heben verborgene Schätze.

Darüber hinaus gibt es Unterschiede in der Klangqualität. Hier spielen drei Faktoren eine Rolle: Erstens beliefern Musik-Label die Streaming-Dienste manchmal mit unterschiedlich abgestimmten Fassungen eines Songs. Zweitens kodieren Streaming-Anbieter die Streams mit unterschiedlichen Kompressionsalgorithmen und Datenraten. Je nach Verfahren und Bitrate kann das zu Artefakten und Klangveränderungen führen. Drittens bieten manche Streaming-Dienste dem Anwender eine Option, die Lautstärke der Songs automatisch anzugleichen. Das ist praktisch, wenn man Stücke in einer Playliste zusammenstellt, kann jedoch schiefgehen, wenn ein komplettes Album abgespielt werden soll. Im Kampf um die größte Aufmerksamkeit hat sich die Lautstärke der aufgezeichneten Musik in den vergangenen hundert Jahren immer weiter zu einem Loudness War hochgeschaukelt. Streaming-Anbieter könnten ihn mit ihrer Lautheitsbeschränkung nun endlich beenden und der Musik neuen Raum für Dynamik verschaffen.

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