c't 10/2019
S. 47
News
Apple

Apple, Qualcomm und 27 Milliarden US-Dollar

Im weltweit ausgetragenen Patent- und Lizenzstreit zwischen dem Smartphone-Riesen Apple und dem Chipkonzern Qualcomm haben sich die Streithähne kurz nach Prozessbeginn überraschend geeinigt. Intel steht dadurch schlecht da.

In der außergerichtlichen Einigung sichern sich Apple und Qualcomm zu, alle gegenseitigen Klagen fallenzulassen. Apple werde eine Zahlung an Qualcomm leisten, hieß es. Zudem werde eine Patentvereinbarung für zunächst sechs Jahre abgeschlossen, inklusive einer Option für zwei weitere Jahre. Einzelheiten teilten die Firmen nicht mit.

Apple hatte 2017 Klage eingereicht und wehrte sich dagegen, dass Qualcomm Lizenzgebühren anhand des Gerätepreises berechnete. Damit habe der Chipkonzern ungerechtfertigt von Preisen profitiert, die auch auf Erfindungen von Apple zurückgingen. Üblicherweise beziehen sich Lizenzkosten auf den Preis der eingekauften Bauteile. Apple störte sich zudem daran, dass Qualcomm Chip-Konkurrenten wie Intel Lizenzen verweigert hatte.

Das Chip-Portfolio von Qualcomm passt prima zu Apples Anforderungen. Und anders als Intel liefert Qualcomm Modems der wichtigen fünften Mobilfunkgeneration (5G) bereits aus, etwa den Snapdragon X55. Bild: Qualcomm

Qualcomm wird die Einigung vermutlich mehrere Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen. Apples Auftragsfertiger Foxconn, Pegatron, Wistron und Compal hatten sich der Klage angeschlossen und Qualcomms Rechnungen seit 2017 nicht beglichen. Sie warfen dem Chiphersteller vor, rund 9 Milliarden US-Dollar zu viel an Gebühren berechnet zu haben. Im Rahmen des amerikanischen Kartellrechts hätte sich diese Summe auf 27 Milliarden US-Dollar erhöhen können.

Qualcomm hielt bis zuletzt dagegen: Es sei angemessen, den Gerätepreis zugrunde zu legen, da es um ein Portfolio von Patenten für viele verschiedene Techniken gehe. Durch die eingestellten Zahlungen habe der Chiphersteller Einnahmenausfälle in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar verzeichnet, Zinsen mitgerechnet.

Der Clinch mit Qualcomm hatte den iPhone-Hersteller in eine Zwickmühle geführt. Zwar bezog Apple LTE-Modems ersatzweise von Intel, aber 5G-Modems fehlten. Konkurrenten wie Huawei und Samsung stellen hingegen eigene 5G-Modems bereits her. Es gibt bisher weltweit nur eine Hand voll 5G-Netze, aber Fachleute erwarten ab 2020 eine starke Zunahme. Hätte Apple weiter auf Intel gesetzt, wäre das iPhone wohl zu weit hinter Samsung, Huawei, Xiaomi und andere zurückgefallen, die Smartphones mit 5G-Modems schon seit einigen Monaten verkaufen.

Umgehend nach der Einigung zog sich Intel aus dem 5G-Modemgeschäft zurück und muss einen weiteren Image-Schaden verdauen. Beobachter glauben, dass Apple Intels wichtigster, wenn nicht einziger 5G-Modem-Kunde war. Sein erstes 5G-Modem namens XMM 8060 hatte Intel Ende 2018 noch vor der Massenfertigung abgekündigt. Den Nachfolger, XMM 8160, hatte Intel zwar für 2020 angekündigt. Aber darauf wollte sich Apple offenbar nicht mehr verlassen.

(dz@ct.de)

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