c't 11/2019
S. 68
Kaufberatung
Messenger-Software
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Bild: Albert Hulm

Immer wieder WhatsApp?

Eine Übersicht über Messenger-Dienste und ihre Eignung als WhatsApp-Alternative

„Wer kommt heute Abend zum Training?“ Das klärt sich am bequemsten über WhatsApp, und auch dieses süße Katzenvideo ist damit schnell verbreitet. Doch jede WhatsApp-Benutzung kostet einen Datentribut an die Datenkrake Zuckerbergs. Das muss nicht sein, denn Alternativen gibt es genug.

Smartphones mit Internet-Zugriff überwinden über Instant Messages viele Hürden, die anderen Formen der elektronischen Kommunikation im Weg stehen.

Instant Messages sind nicht nur einfacher zu handhaben, sondern kommen meist auch schneller ans Ziel als eine E-Mail. Außerdem lassen sie sich je nach verwendeter Software sehr diskret übermitteln und zudem äußerst bunt und kreativ gestalten.

Diskret Chatten

Den Durchbruch fürs alt bekannte Instant Messaging brachte vor etwa zehn Jahren der Internetdienst WhatsApp. Der ist heute bei mehr als einer Milliarde Nutzern im Einsatz. Doch daneben gibt es zahllose alternative Chat- und Messaging-Apps mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Stärken und Schwächen.

Eine Schwäche von WhatsApp ist genau wie beim ähnlich populären Facebook Messenger die Verbundenheit mit dem Anbieter Facebook und dessen Geschäftsmodell. Das beruht auf dem Einsammeln so vieler Anwenderdaten und Adressbucheinträge wie irgend möglich. Facebook stellt daraus umfassende persönliche Profile zusammen und vermarktet sie. Misstrauen gegenüber dem Datenschutz bei Facebook und Zweifel an der Fairness dieser Datenkrake haben dazu geführt, dass zahlreiche Unternehmen ihren Mitarbeitern inzwischen den dienstlichen Gebrauch von WhatsApp verbieten. Auch Politiker geraten ins Stolpern, wenn wie im Februar bei der niedersächsischen Justizministerin Barbara Havliza herauskommt, dass sie oder ihre Mitarbeiter per WhatsApp kommunizieren. Beim Facebook Messenger sind die Probleme noch auffälliger: Wer damit ein Konto anlegt, kann kaum verhindern, dass dieses nahtlos mit den eigenen Facebook-Daten und denen der Facebook-Freunde und -Freundesfreunde verfilzt.

Die Qual der Wahl

Zum Kasten: Is mir whatsapp

Sieht man sich nach einem alternativen Messenger um, gerät die unüberschaubare Breite des Angebots zur Hürde. Diese Artikelstrecke gibt eine Übersicht über die wichtigsten klassischen Messenger-Apps.

Darüber hinaus bewerben sich viele weitere Dienste mit unterschiedlichen Schwerpunkten um die Gunst der Anwender: Zum erweiterten Spektrum der Chat-geeigneten Anwendungen gehören zum Beispiel E-Mail-Clients wie Outlook, Gmail und Thunderbird, die aufeinander bezogene Nachrichten immerhin als Chat-ähnliche Threads sortieren. Delta.Chat setzt ebenfalls auf die E-Mail-Protokolle SMTP und IMAP und kommt den Erwartungen an einen Messenger noch näher.

Weitere Dienste wie Skype for Business, Google Meet, Stackfield und Chiffry bieten sich mit der Integration in Office-Programme und zentraler Kontenverwaltung besonders für den geschäftlichen Einsatz an. Instagram, Tic Toc und ähnliche Apps sind vor allem als Plattformen zum Teilen kurzer Videoclips populär.

All diese Dienste hier zu berücksichtigen würde den Rahmen sprengen. Als Grenzfall haben wir uns jedoch das zunehmend populäre Discord angesehen, auch wenn es dabei prominent um die Unterstützung der Online-Spieleplattform Nitro geht.

Bei der Wahl eines Chatprogramms kommt es zuallererst darauf an, wen man damit erreichen kann. Bei WhatsApp braucht man sich darüber keine Gedanken zu machen – die App ist allgegenwärtig. Bei anderen Diensten stellt sich immer die Frage, ob die gewählte App auch beim gewünschten Chat-Partner installiert ist oder ob man sie ihm erst schmackhaft machen muss.

Zum Kasten: Hört das Signal!

Außerdem gilt es, den Spaß beim Chatten gegen den möglichen Verlust an Privatsphäre abzuwägen. Apps wie Telegram, Facebook Messenger und Discord bringen außerdem Bots ins Spiel. Diese können auf Anfrage Nachrichten oder andere nützliche Infos liefern, beim Herbeiführen von Gruppenentscheidungen helfen oder schlicht zum spielerischen Zeitvertreib dienen.

Ein wichtiges Kriterium für den Schutz der Privatsphäre ist die Fähigkeit eines Messengers, alle Inhalte mit durchgängiger Verschlüsselung zu übertragen. Wie der Test auf Seite 72 aufzeigt, tun das einige Dienste nur in Sonderfällen auf Anforderung.

Safety first

Zum Kasten: Ex-Vorreiter Telegram

Selbst bei einem Ende-zu-Ende verschlüsselten Nachrichtenaustausch ist der Datenschutz noch keineswegs in trockenen Tüchern. Was passiert, wenn in fünf Jahren leistungsfähigere Rechner die heute gebräuchlichen Kryptografie-Verfahren durchbrechen, oder wenn ein persönlicher Schlüssel in falsche Hände gerät? Merkmale zur Beurteilung solcher Risiken und Techniken zur Absicherung davor umreißt der Beitrag auf Seite 80.

Außer den übermittelten Inhalten sind auch Metadaten schützenswert, zum Beispiel die Information, wer wann von wo aus mit wem gechattet hat. Mit dem Android-Messenger Briar kann man nach Terminabsprache schmucklose Einzel- und Gruppenchats mit individuell authentisierten Partnern über das Tor-Netzwerk führen. Verbindungswege lassen sich dabei nicht zurückverfolgen, und es bleiben auch keine lesbaren Daten im Internet erhalten. Wer auf diese Art zum Beispiel mit verfolgten Dissidenten in einem Krisengebiet chatten kann, wird bereitwillig auf lustige Emojis, Chat-Archive und cloudgestützte Kontakt-Suchmaschinen verzichten. Threema bietet mit besserem Komfort ein ähnliches Maß an Diskretion wie Briar, steht und fällt aber mit dem Fortbestand des einzigen Anbieters.

Breite Serverbasis

Zum Kasten: Freie Auswahl mit XMPP

Mit Protokollen wie Jabber, mittlerweile als XMPP standardisiert, oder mit Matrix macht man sich unabhängig von einzelnen Dienstanbietern. Server auf Basis quelloffener Software für diese Protokolle stehen reichlich im Internet und sind untereinander vernetzt. Zudem kann jedermann eine eigene Instanz aufsetzen.

XMPP-Client-Apps gibt es wie Sand am Meer; allerdings bieten nicht alle Apps denselben Funktionsumfang. Bei der Kommunikation über XMPP kann es daher geschehen, dass der Versuch einer verschlüsselten Kontaktaufnahme mit der Meldung scheitert, dass das gewählte Verschlüsselungsprotokoll beim Gesprächspartner nicht unterstützt wird. Der Android-Client Conversations und die Matrix-Referenzimplementation riot.im repräsentieren im Test auf Seite 72 die Apps für föderierte Dienste.

Dienste wie Discord und Line beeindrucken ähnlich wie der Facebook Messenger mit großen Sammlungen von Stickern, Emojis und Animationen – wichtig für Anwender, die damit ihre Konversation aufhübschen möchten. Weitere Schmankerl sind Videochats und die Option, in einer Sitzung zwischen dem Kamerabild und der Anzeige eines laufenden Videogames umzuschalten.

Was den Schutz vor heimlichen Analysen ihres Kommunikationsverhaltens angeht, können Anwender bei den meisten dieser Dienste nur auf die Moral des Anbieters hoffen. In einer Hinsicht ist das zumeist unkritisch: Chats über Terminabsprachen und Familientratsch werden kaum einen Nachrichtendienst interessieren. Andererseits sind alle Menschen im Netz willkommene Datenquellen für Werbetreibende, Marktforscher und deren Kundschaft.

Flexibel bleiben

Zum Kasten: Ausdiscortiert

Geschäftsleute, Politiker und Journalisten werden berufliche Chats hoffentlich nur mit sicheren Messengern abhalten, auch wenn sie für Verabredungen mit Freunden auf WhatsApp zurückgreifen und zur Planung von Pokemon-Go-Events womöglich einen anderen Messenger bevorzugen. Wichtig ist nur, dass man die besonderen Stärken und Schwächen jeder benutzten App kennt. (hps@ct.de)

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