c't 13/2019
S. 152
Hintergrund
Datenanalyse bei Großinsolvenzen
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Bild: Albert Hulm

Big Pleite, Big Data

Wie Insolvenzverwalter Firmenpleiten mit KI-Tools durchleuchten

Wenn Großunternehmen insolvent werden, bekommen die vom Gericht bestellten Insolvenzverwalter viel Arbeit. Früher wurden Aktenberge durchsucht, heute kommen zahlreiche Big-Data-Tools zum Einsatz.

Die Insolvenzen großer Unternehmen beeindrucken durch spektakuläre Zahlen – so wie das noch nicht abgeschlossene Insolvenzverfahren der Münchener P&R Container mit 54.000 Investoren respektive Gläubigern und 3,5 Milliarden Euro Anlegergeldern oder das seit 2017 laufende Insolvenzverfahren für Air Berlin mit über einer Million Gläubigern und einer Forderungssumme von voraussichtlich über einer Milliarde Euro.

Zahlen dieser Größenordnung machen deutlich, dass Insolvenzverwalter Big-Data-Anwender sein müssen. Sie werten Buchhaltungen aus, stöbern in den archivierten Mailserver-Daten, um unternehmensrelevante Ereignisse zu finden und überführen zahlreiche verstreute Papierdokumente in ein maschinenlesbares Format. So kommen schon einmal 100 Terabyte an Daten zusammen, die aufbereitet und analysiert werden müssen. Zum Vergleich: Die von Journalisten untersuchten Panama Papers hatten ein Volumen von 2,6 TByte.

Die Arbeit der Insolvenzverwalter ist per Gesetz darauf ausgelegt, möglichst viel für die Gläubiger eines Unternehmens aus der Insolvenzmasse herauszuholen – und für sich selbst, denn die eigene Arbeit und die Teams dahinter werden aus eben dieser Masse bezahlt. Das bringt es mit sich, dass der Beruf mit einem „Pleitegeier“-Image verbunden ist. Doch Insolvenzverwalter müssen versuchen, den bereits durch die Insolvenz entstandenen Schaden so gering wie möglich zu halten. Dabei haften sie persönlich für die Fehler, die sie machen. Zudem gehen sie das Risiko ein, leer auszugehen, sollten sie nicht einmal die gesetzlich geregelte Vergütung retten können. „Wenn es uns nicht gäbe, dann wäre die Kohle, die Muttchen in einen Anlagefonds investiert hat, bei einer Insolvenz einfach mal weg. Durch unsere Arbeit wird zumindest ein Teil des Geldes gesichert und Muttchen verliert nicht alles“, stellte ein Berliner Insolvenzverwalter im Gespräch mit c’t seine Sicht dar.

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