c't 14/2019
S. 126
Spielekritik
Abenteuer
Aufmacherbild

Nordic Walking

Draugen ist ein bildhübsches Adventure mit tiefgründiger, aber kurzer Story

Nordische Sagen, ein einsamer Fjord und ein Dorf abseits der Zivilisation – die Macher der Dreamfall Chapters entwerfen ein düsteres Szenario für eine spannende, aber sehr kurze Detektivgeschichte mit Horrorelementen. Alles dreht sich um die Legende vom nordischen Seegeist Draugen, der ein ungewöhnliches Duo mit dem Tod konfrontiert.

Der Hilferuf seiner Schwester führt den Journalisten Edward und seine Assistentin Lizzie ins Dorf Graavik an einem malerischen Fjord. Doch die Idylle trügt: Das Dorf ist verlassen, von der Schwester fehlt jede Spur und einige Hinweise deuten eine grauenhafte Familientragödie und einen Fluch an, der zum Exodus der Bewohner führte. Zusammen mit Lizzie macht sich Edward auf die Suche und muss sich bald seinen eigenen Dämonen stellen.

Aus dieser Geschichte heraus entwickelt sich ein sogenannter Walking Simulator. Das sind entschleunigte, storylastige Abenteuer in Egoperspektive, über die eingefleischte Gamer gerne die Nase rümpfen. „Zu wenig Spiel“, „zu wenig Herausforderung“ sind häufige Kritikpunkte. Fans des Genres lieben dagegen das Spielkonzept und die Erzählweise, die sich Kurzgeschichten ähnlich nur auf Personen oder kurze Momente konzentriert. Action passt da nicht und schon gar nicht frustrierende spielerische Hürden. Genrekollegen wie das Coming-Out-Drama Gone Home oder das melancholische völlig surreale What Remains of Edith Finch bieten Geschichten abseits ausgetretener Actionpfade.

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