c't 14/2019
S. 52
News
Firefox, c't <webdev>, Facebook

Firefox: Trackingschutz für alle

Zweischneidiges Schwert: Die neuen Anti-Tracker-Funktionen von Firefox können Werbeblockerblocker auf den Plan rufen

Firefox 67 schützt seine Nutzer besser vor Tracking. Dazu packt es alle Cookies, die von bekanntermaßen trackenden Domains kommen, in eine Sandbox. Für die setzende Webseite sieht es so aus, als wäre das Cookie gespeichert, aber schon beim nächsten Seitenaufruf hat der Browser es wieder vergessen. Zusätzlich versucht der Browser, Tracker heuristisch zu erkennen. Interaktionen – etwa mit Facebooks Like-Button – heben diese Beschränkung auf.

Dass Firefox Tracker auf der Seite gefunden hat, zeigt er durch ein Schild-Icon neben dem „i“ in der Adresszeile an. Nach einem Klick darauf lassen sich die identifizierten Tracker einsehen. Dort gibt es auch einen Button „Blockierung für diese Webseite deaktivieren“ – hilfreich für den Fall, dass die Website den Browser mit aktivierten Tracker-Blockern aussperrt. Die Block-Liste stammt vom Unternehmen Disconnect; dieses stellt bereits die Anti-Tracking-Liste, die Firefox seit 2015 im privaten Modus verwendet. Unter about:preferences#privacy legt der Nutzer die Einstellungen für Cookies, Tracker, Cryptominer oder Fingerprinting-Skripte vor.

Derweil hat Mozilla-Chef Chris Beard in einem Interview mit dem Magazin t3n angedeutet, dass die Stiftung Premiumfunktionen anbieten wird. Damit will man sich unabhängiger von den bisherigen Einkunftsquellen machen, vor allem den Suchpartnerschaften. Eine Möglichkeit könnte zum Beispiel ein VPN-Dienst sein. Was bisher gratis angeboten wird, werde aber kostenlos bleiben. Die Einführung erster Premium-Dienste peilt Mozilla für den Oktober an. (jo@ct.de)

Facebook: „Es gibt keine Privatsphäre“

Mit solchen ganzseitigen Werbeanzeigen in Zeitungen setzte sich Facebook erst im letzten Jahr als Hüter der Privatsphäre seiner Nutzer in Szene. Bild: Facebook

Facebook sieht im Datenskandal mit Cambridge Analytica die Rechte der betroffenen Mitglieder auf Privatheit nicht verletzt, da diese bei ihren Aktivitäten in dem sozialen Netzwerk gar nicht davon ausgingen, privat zu handeln. „Es hat kein Eindringen in die Privatsphäre gegeben, weil es keine Privatsphäre gibt“, erklärte der Rechtsanwalt Orin Snyder im Namen des kalifornischen Konzerns bei einer Gerichtsanhörung in San Francisco.

Der Plattformbetreiber leugnet demnach nicht, dass in der Affäre Drittparteien Zugriff auf Nutzerdaten hatten. Snyder versuchte Vince Chhabria, Richter am Bundesgericht für den Bezirk Nordkalifornien, aber davon zu überzeugen, dass dies nicht so schlimm gewesen sei. Denn es gebe in dem Netzwerk gar keine „angemessene Erwartung auf Privatheit“ der Nutzer. Gemäß dieser Logik wäre Facebook ein komplett öffentlicher Raum wie ein Marktplatz, auf dem jedem bewusst sein sollte, dass man beobachtet und belauscht werden kann.

Das steht allerdings in deutlichem Widerspruch zum Image, das Facebook sich aktuell, aber auch in der Vergangenheit zu geben versucht hat. Immer mal wieder hat der Konzern seine Datenschutzfunktionen als vorbildlich gepriesen – erst im vergangenen Jahr mit einer umfangreichen Imagekampagne. (Stefan Krempl/jo@ct.de)

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