c't 15/2019
S. 20
Vorsicht, Kunde
Fallen meiden, sicher einkaufen, erfolgreich reklamieren
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Vorsicht, Kunde XXL

Wie Sie schnell und zielgerichtet zu Ihrem Kundenrecht kommen

Tausende Zuschriften an c’t Vorsicht, Kunde, zeigen, dass der Kunde noch lange nicht König ist. Viele der geschilderten Probleme hätten sich von vornherein mit der richtigen Strategie vermeiden lassen. Wir zeigen hier die wichtigsten Wege, wie Sie unseriöse Angebote erkennen und Ihr Recht durchsetzen.

Noch nie war einkaufen so einfach wie heute, noch nie konnte man Verträge so unkompliziert abschließen. Ein Klick, und schon sind das schicke Handy, der riesige Fernseher oder das neue E-Bike bestellt. Selbst faule Sparfüchse finden dank Google und diversen Preisvergleichsseiten im Internet ohne viel Mühe den günstigsten Anbieter.

Auf der Jagd nach dem besten Angebot gehen aber so manchem Schnäppchenjäger die Pferde durch. Da kippt dann anscheinend im Hirn das Schnäppchen-Bit und es wird gekauft ohne jegliche Plausibilitätskontrolle. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass kein Händler etwas zu verschenken hat und dass hochwertige Produkte nun mal ihren Preis haben.

Dennoch lassen sich viele zum kostenpflichtigen Klick auf den Bestellbutton verleiten, obwohl der gesunde Menschenverstand eigentlich lauthals „Tu das nicht!“ brüllt. Der moderne Mensch scheint doch noch sehr viel vom urzeitlichen Sammler und Jäger in sich zu haben: Da lockt eine vermeintlich einmalige Gelegenheit, und schon wird ohne nachzudenken zugegriffen. Wir zeigen Ihnen auf den folgenden Seiten, wie Sie Fallen erkennen und meiden und welche Rechte Ihnen als Kunde zustehen.

Video: Nachgehakt

Fakeshops und Betrüger

Den eingangs erwähnten Greifreflex machen sich Betrüger gern zunutze: Mit speziell eingerichteten Online-Shops ködern sie Schnäppchenjäger. Dort gibt es dann das brandneue Samsung Galaxy S10+ für schlappe 380 Euro statt der sonst üblichen 720 Euro oder die rasend schnelle Grafikkarte MSI GeForce RTX 2080 Ti für nicht mal 800 Euro, obwohl selbst preisaggressive seriöse Shops hier mindestens 1050 Euro aufrufen. Damit der Shop plausibel erscheint, ist er professionell aufgemacht und bietet natürlich auch andere Produkte zu marktüblichen Preisen an.

Na klar: Wegen wiederholter Betrugsfälle bieten wir keine Käufe mit PayPal oder Kreditkarte mehr an.

Mitunter leihen sich die Spitzbuben auch einfach das Renommee eines bekannten Anbieters und nutzen ihn als Namensbestandteil für den Fake-Shop. Prominente Beispiele aus der Vergangenheit sind hier etwa Mediamarktdirekt.de, vorwerk.club, mediasaturn-abverkauf.club oder electhrons.de, um nur einige zu nennen.

Clevere Fallensteller liefern auch gleich eine Erklärung für die günstigen Preise: Mal stammen die Schnäppchen aus Überproduktion oder Lagerauflösungen, mal kommt die Ware angeblich als Direktimport aus Asien. Mitunter deklarieren die Betrüger die günstigen Produkte auch als Eröffnungsangebote mit limitierter Stückzahl. Das erscheint auf den ersten Blick auch plausibel, denn Fake-Shops sind in der Regel nie lange online.

Das Geschäftsmodell der Betrüger ist schließlich auf schnellen Umsatz ausgelegt: Der Shop wird eröffnet, die Zahlungen der Kunden werden eingesammelt und sobald genug Geld zusammengekommen ist, verschwindet der Shop wieder. Kurze Zeit später taucht dann der nächste Fake-Shop auf – mit ebenso professioneller Anmutung und natürlich wieder mit verlockenden Angeboten.

Da Google und viele Preisvergleichsseiten Fake-Shops inzwischen recht schnell aussortieren oder gar nicht erst in ihren Suchergebnissen berücksichtigen, verlagern clevere Betrüger ihre Werbung häufig in die sozialen Netzwerke. Dort kursieren die Superschnäppchen dann mitunter als „Geheimtipp“ vom Kumpel, was einerseits Vertrauen schafft und andererseits die Verfolgung der Gangster erschwert.

Dabei ist es gar nicht so schwer, einen Fake-Shop zu erkennen: Erscheint das Angebot zu günstig, um wahr zu sein, ist es das meist auch. Welcher Preis aktuell marktüblich ist, verraten einem die Preisdiagramme, die es auf vielen Preisvergleichsportalen für jedes gelistete Produkt gibt. Clevere Betrüger machen sich mitunter die Mühe, die Preise ihrer Angebote mit solchen Portalen zu synchronisieren: Das Handy oder die Grafikkarte werden dann immer zehn Prozent günstiger angeboten als marktüblich.

Video: Nachgehakt

Doch auch hier können Sie potenzielle Betrüger leicht entlarven: Da das Geschäftsmodell der Fake-Shops immer darauf abzielt, das Geld vom Kunden zu kassieren und sich dann ohne Lieferung aus dem Staub zu machen, werden in der Regel nur unsichere Bezahlvarianten wie etwa Vorkasse oder Bar-Nachnahme angeboten. Kommen also die Kriterien „irgendwie zu günstig“ und „nur Vorkasse“ zusammen, sollte man hellhörig werden und im Zweifel lieber woanders teurer, aber eben auch sicherer einkaufen.

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