c't 16/2019
S. 42
News
Genanalyse, Raumfahrt, Leuchtdioden

Gentests enttäuschen Ahnenforscher

Die eigene Abstammung genetisch bestimmen zu lassen, liegt im Trend. Leider erweisen sich die Ergebnisse als Partygag.

Herkunftsanalyse eineiiger Zwillinge: Trotz des übereinstimmenden Gensatzes stammt die eine angeblich aus Süditalien, die andere aus der Toskana. Bild: CBC

Etwas Spucke, ein zweistelliger Betrag, und schon ermittelt ein Verbraucher-Gentest, woher die Vorfahren stammen. Eine Überprüfung der Labore offenbart jedoch enttäuschende Leistungen.

Charlsie Agro, Journalistin der CBC, Kanadas öffentlichem englischsprachigen Rundfunk, hat vor einigen Monaten gemeinsam mit ihrer eineiigen Schwester Carly fünf Anbieter auf die Probe gestellt. Die Frauen schickten ihre Speichelproben an 23andMe, AncestryDNA, FamilyTreeDNA, Living DNA und MyHeritage.

Die Ergebnisse waren nicht nur zwischen den Gentest-Anbietern sehr unterschiedlich, zwei Anbieter erstaunten sogar mit erheblichen Abweichungen zwischen den eineiigen Zwillingen. Solche Unterschiede sollten zumindest bei ein und demselben Anbieter nicht vorkommen. Dennoch fand 23andMe bei Carly 25 Prozent osteuropäische DNS und einen „möglichen Treffer“ in Polen; bei Charlsie wurde zwar auch osteuropäische DNS entdeckt, polnische Spuren aber ausdrücklich nicht. Dafür hatte sie 3 Prozent „französische und deutsche“ DNS, die bei ihrer Schwester fehlten.

Living DNA verortete 16 Prozent der Ahnen eines Zwillings in Nordwesteuropa, aber nur 4 Prozent des anderen. Während Carly zu 24 Prozent aus Süditalien kommen soll, stammt Charlsie angeblich zu 36 Prozent aus der Toskana. Dabei waren die ermittelten Gene zu 99 Prozent identisch, was grobe Verunreinigungen oder Laborfehler ausschließt. Die Differenzen entspringen also der Datenverarbeitung.

Es bleibt die Erkenntnis, dass man für etwas Spucke und ein kleines Entgelt nicht mehr als einen Partygag bekommt. Wer bei 23andMe genau hinsieht, findet ein Menü zur Einstellung der statistischen Sicherheit (confidence level). Die Standardeinstellung sind gerade einmal 50 Prozent. Bei 90 Prozent beschränkt sich die Zuordnung grob auf Kontinente. Daniel AJ Sokolov/gr@ct.de)

Mondlande-Start-up in Geldnot

Die erste europäische Mondmission soll 2021 den Landeort der Apollo-17-Mission erreichen. Geldnot könnte das Vorhaben nun scheitern lassen. Bild: PTScientists

Für 2021 plant die Berliner PTScientists eine unbemannte Mondmission, will dort mit eigenem Lander im vorgegebenen Zielgebiet aufsetzen und selbst entwickelte Rover starten. Auf diese Mission arbeiten auch weitere deutsche Partner hin (siehe S. 64). Nun musste das Start-up allerdings einen Insolvenzantrag stellen. Der Betrieb laufe weiter. Man sei „extrem optimistisch, den Liquiditätsengpass zu überwinden“, sagt Pressesprecher Andreas Scheper. Die erste Mondmission ist mit einer SpaceX-Rakete geplant und die entsprechende Voranzahlung auch bereits geleistet, wie Scheper betont. Für die weitere Zukunft strebt PTScientists Mondmissionen in Kooperation mit ESA und ArianeGroup an. Damit wolle man europäische Mondflüge etwa im Zwei-Jahres-Rhythmus anbieten. Zunächst aber prüfe der Insolvenzverwalter die Chance, weitere Investoren ins Boot zu holen. (agr@ct.de)

OLEDs aus dem Drucker

Ein neues Design organischer Leuchtdioden (OLED) reduziert den Schichtaufbau auf lediglich eine Schicht; aktuelle OLEDs weisen fünf bis sieben Schichten auf. Damit könnten Tintenstrahldrucker in Zukunft Leuchtdioden drucken. Im Labor am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz fabrizierte das Team um Dr. Gert-Jan Wetzelaer bereits einschichtige OLEDs, die bei 2,9 Volt eine Leuchtdichte von 10.000 Candela pro Quadratmeter erzeugten, die 100-fache Helligkeit moderner Bildschirme. „Das Verfahren ist für die Industrie interessant, da es billige OLEDs auf diverse Materialien aufbringen kann“, erläutert Wetzelaer. Zudem basiert die lichtemittierende Schicht auf günstigem Kohlenstoff und nicht auf teuren Molekülkomplexen und seltenen Erden. (agr@ct.de)

Kommentieren