c't 17/2019
S. 136
Hintergrund
Digital Humans
Aufmacherbild
Bild: Albert Hulm

Die Geister, die ich rief

Künstlich intelligente Avatare lassen Tote auferstehen

Wer früher mit Verstorbenen reden wollte, veranstaltete eine Seance. Heute nutzt er Chatbot-Apps, deren KI mit den Daten Verstorbener trainiert wurde. Was derzeit eher ein makabrer Partyspaß ist, könnte in Zukunft weite Verbreitung finden.

Aktuelle Interviews mit Steve Jobs werden jetzt wieder möglich, wenn man den Verantwortlichen von Sidekik glauben will. Im Mai hat das KI-Unternehmen mit Sitz in Estland und USA eine kostenfreie App für Android und iOS veröffentlicht, die Chats mit einer Reihe internationaler Promis erlaubt. Künstliche Intelligenz soll in diesen Fällen das Sprechverhalten des verstorbenen Apple-Gründers nachempfinden – oder von Paypal- und SpaceX-Gründer Elon Musk, US-Präsident Donald Trump oder dem Dalai Lama. Dahinter steckt der Versuch, die Persönlichkeit eines Menschen oder zumindest einen Teil seiner Überzeugungen und sein Diskussionsverhalten durch Deep Learning auf ein neuronales Netz zu übertragen.

Diese Vorstellung wird Freunde der britischen Mystery-Reihe „Black Mirror“ bekannt vorkommen. In der Folge „Wiedergänger – Be right back“ erhält die junge Witwe Martha von einem KI-Service das Angebot, sich mit einem Imitat ihres jüngst verstorbenen Mannes Ash zu unterhalten. Sie schaltet dazu Chatverläufe und E-Mail-Zugänge frei und erlaubt sozialen Medien wie Google und Facebook, Ashs Profile bereitzustellen. Bald darauf kann sie online mit der Ash-KI chatten. Später lädt sie auch Sprachaufnahmen hoch und wird bald darauf von der KI persönlich angerufen, mit der Stimme und dem Humor des Verstorbenen. Schließlich bestellt Martha sogar noch einen Ash-Roboter. Doch im Film führt diese Technik nicht ins ungetrübte Glück.

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