c't 18/2019
S. 57
News
Android-Suchmaschinen

Ärger um Alternativ-Suchmaschinen bei Android

Ab dem Frühjahr 2020 wird Google Anwendern, die in der EU ein Android-Smartphone oder -Tablet einrichten, eine Auswahl von drei alternativen Suchmaschinen anbieten, die sich statt Google als Standard installieren lassen. Wie das Unternehmen jetzt bekannt gegeben hat, will es die Plätze dafür unter den Anbietern versteigern – was zu massivem Widerspruch der alternativen Suchanbieter führt.

Die Suchmaschinenauswahl ist eine Reaktion Googles auf ein Regulierungsverfahren der EU-Kommission. Die hatte im Jahr 2018 die Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt. Das Unternehmen hatte nach Meinung der Kommission Android dazu verwendet, die marktbeherrschende Stellung seiner Suchmaschine zu festigen. So hatte Google zum Beispiel verlangt, dass bei einer Lizenzierung des Google Play Stores immer die Google-Suche und der Browser Chrome vorinstalliert werden, und Herstellern finanzielle Anreize gewährt, wenn die ausschließlich die Google-Suche vorinstallierten.

Ab 2020 sollen Besitzer eines neuen Android-Gerätes eine Standard-Suchmaschine auswählen können. Bild: Google

Google wurde dazu gezwungen, die beanstandeten Praktiken abzustellen. Im Play Store präsentiert Google mittlerweile eine Auswahl von Suchmaschinen- und Browser-Alternativen, die sich zusätzlich zur Google-Suche installieren lassen. Die Google-Produkte bleiben aber der Standard.

Ab Anfang 2020 soll es zudem bei der Einrichtung eines neuen Gerätes eine Suchmaschinenauswahl geben, die neben Google drei alternative Suchmaschinen anzeigt. Die drei Plätze sollen in jedem EU-Land unter interessierten Anbietern versteigert werden. Dabei soll es ein Mindestgebot geben, das Google derzeit jedoch noch nicht bekannt gegeben hat. Wie viele Suchdienste pro Land an der Auktion teilnehmen, will Google nicht bekannt geben. Bis zum 13. September können Suchmaschinenanbieter ihre Gebote abgeben.

Mehrere europäische Suchanbieter kritisieren die Auktion heftig. Marc Al-Hames, Geschäftsführer von Cliqz: „Die Dreistigkeit, mit der Google den klaren politischen Willen der EU missachtet, verblüfft mich immer wieder. Hier von Fairness zu sprechen, ist absurd. Wenn der Höchstbietende den Zuschlag bekommt und nicht der Beste, ist der User der Gelackmeierte.“

Christian Kroll, der CEO der Suchmaschine Ecosia, zeigte sich von Googles Vorstoß enttäuscht: „Ecosia ist eine gemeinnützige Suchmaschine, und wir verwenden unsere Einnahmen, um Bäume in Gebieten zu pflanzen, die von Entwaldung oder Desertifikation betroffen sind, und nicht, um in Ausschreibungen zu geraten. Wenn wir uns entscheiden, an einer Auktion teilzunehmen und Google für das Privileg zu bezahlen, eine Suchmaschinenoption auf Android zu sein, geht dies möglicherweise auf Kosten von Millionen von Bäumen, die wir sonst hätten pflanzen können.“ (jo@ct.de)

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