c't 19/2019
S. 108
Test
Vollformatkameras
Aufmacherbild
Panasonic Lumix S1R (f/6.3, 1/640 s., ISO 100, 100 mm)

Härtetest am Nordpol

Vollformatkameras Canon EOS R, Nikon Z7, Panasonic Lumix S1R und Sony A7R III

Spiegellose Vollformatkameras stehen bei allen Herstellern im Fokus. Wir haben die Topmodelle von Canon, Nikon, Panasonic und Sony einem Härtetest auf einer Reise in die Arktis unterzogen – bis zum Nordpol und zurück.

Digitalkameras werden bei c’t und c’t Fotografie auf Dynamik, Rauschen und Auflösung im Labor untersucht, aber wie schlagen sie sich in der Praxis? Wir haben die vier Topmodelle der großen Kamerahersteller auf einem russischen Eisbrecher mit in die Arktis genommen. Bei eisigem Wind mussten sie nicht nur ihr Auflösungsvermögen, sondern auch ihre Robustheit unter Beweis stellen.

Mit an Bord waren die spiegellosen Vollformatkameras Canon EOS R, Nikon Z7, Panasonic Lumix S1R und Sony A7R III. Alle Kameras haben ihre Eigenarten. Gemeinsam haben sie den 36mm x 24mm großen Sensor und die Bauform ohne Spiegel, was die Grundlage dieses Tests bildet.

Die Nikon Z7 nutzt problemlos Objektive der Spiegelreflexära. Dieses Bild enstand mit einem AF-S Nikkor 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR (f/6.5, 1/800 s., ISO 320, 200 mm).

Zielgruppe für Vollformatkameras sind Profi- und Hobbyfotografen, die nicht drauflos knipsen, sondern volle Kontrolle über alle Kameraparameter haben möchten, um kreativ mit Licht und Schärfe zu spielen. Kunden müssen dafür vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Die Bodys allein kosten um die 3500 Euro. Lediglich der Preis für die Canon EOS R liegt mit 2500 Euro deutlich darunter.

Outdoor- und Studiofotografien stellen unterschiedliche Anforderungen. Die Panasonic Lumix S1R ist deutlich größer und etwa 400 Gramm schwerer als die anderen Kandidaten, was bei langen Märschen auf die Schultern gehen kann. Für die Kamera spricht ihre üppige Ausstattung mit höchster Auflösung, stärkstem Akku und robustestem Gehäuse im Testfeld. Die Lumix spricht mit Funktionsumfang und Ergonomie Profis an, die schnell und sicher alle relevanten Parameter manuell kontrollieren wollen.

Die Canon EOS R bringt ein nach vorne schwenkbares Display mit. Als einzige Kamera im Test eignet sie sich damit für Selfies (f/20, 1/80 s., ISO 800, 24 mm).

Die anderen Anbieter schränken sich ein: Die Sony ist die kleinste und leichteste unter den Vollformatkameras, wirkt an großen Objektiven etwas verloren. Als einzige hat sie kein Schulterdisplay. Die kaum größere Nikon Z7 liegt gut in der Hand und fühlt sich kaum anders als eine Spiegelreflexkamera an. Einzig das Display der Canon-Kamera lässt sich für die Aufnahme von Selfies nach vorne klappen; die Displays aller anderen Kameras kann man nur nach oben oder unten neigen. Außerdem hat Canon als einziger Hersteller das Bedienkonzept der Spiegelreflexzeit über den Haufen geworfen und verzichtet auf viele Taster.

Schießen und Sichern

Abgesehen von der Canon mit nur 30 Megapixeln lösen die Kameras über 40 Megapixel auf. Sonys designierter Nachfolger A7R IV löst sogar über 60 Megapixel auf. Ein einzelnes Raw ist in dieser Klasse zwischen 35 und 70 MByte groß. Bei knapp 1000 Fotos kamen inklusive JPEG-Kopien fast 60 GByte Daten zusammen. Wenn mal ein Eisbär vor die Linse kommt, fotografiert man viel und schnell und sortiert später aus. Die Kameras speicherten die immensen Datenmengen dabei diskret im Hintergrund auf SD- oder XQD-Karten. XQD-Karten schreiben Daten mit bis zu 400 MByte/s. SD-Karten des Typs UHS-II kommen auf maximal 312 MByte/s. Zur Datenübertragung auf Festplatte oder SSD ist bei allen Kameras eine USB-C-Buchse eingebaut, bei der Lumix sogar mit USB 3.1.

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