c't 19/2019
S. 60
Hintergrund
Weltraum-Datenfunk
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Für Milchkannen im All

Das Satellitenprojekt EDRS baut eine europäische Datenautobahn im All

Anfang August hob eine Ariane-5-Rakete mit dem neuen Kommunikationssatelliten EDRS-C ab. Er sammelt Daten von anderen Satelliten per Laserkommunikation ein und überträgt sie nahezu in Echtzeit zum Boden – und zwar rund um die Uhr.

Eigentlich sollte dieser Artikel eine Reportage vom Weltraumbahnhof Kourou über den Start einer Ariane-5-Rakete werden, die den Kommunikationssatelliten EDRS-C in eine geostationäre Bahn bringt. Doch genauso wie sich die Bahn verspätet, muss man auch bei Raketenstarts mit „Verzögerungen im Betriebsablauf“ rechnen. Der erste Starttermin für die Ariane platzte, weil es eine Panne bei einem anderen Raketenstart gab: Eine Vega-Rakete stürzte nach zwei Minuten, in denen sie dem Morgenhimmel entgegeneilte, sang-, aber nicht klanglos ab.

Nach dem großen und teuren Feuerwerk war Ursachenforschung gefragt, und daher verschob Arianespace den Start der Ariane 5 mehrfach, sodass ein c’t-Trip zum Startgelände nicht mehr machbar war. Als die Ariane 5 schließlich am 6. August um 21:30 Uhr abhob, verfolgten wir den Start übers Internet.

Eine Ariane 5 ist vorher schon 104-mal ohne viel Aufhebens abgehoben – wieso also interessieren wir uns ausgerechnet für diesen Start? Vor allem deshalb, weil der neue Satellit EDRS-C die Datenübertragung im All enorm beschleunigt und sie beinahe in Echtzeit verfügbar machen soll. Ein Gewinn ist das vor allem für Nutzung der frei verfügbaren Daten der Sentinel-Erdbeobachtungssatelliten. Sie sammeln Bilder und Daten etwa zur Erforschung des Klimawandels, der Meere und der Atmosphäre. EDRS-C soll aber auch den Bedarf an schnell verfügbaren Daten für andere kommerzielle Kundschaft stillen, hoffen die Betreiber. Das Problem bisher: Die Daten flossen nur häppchenweise.

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