c't 2/2019
S. 22
News
Apple

Tim Cook gegen Sammeln von Nutzerdaten

Der Chef des Apple-Konzerns sorgt sich um die Sicherheit ganzer Staaten angesichts Datensammlungen, die Manipulationen ermöglichen.

Missbrauch von Datensammlungen: Cook spricht von einem datengetriebenen industriellen Komplex, lobt aber die DSGVO. Bild: Apple

Die ausufernde Sammlung von Nutzerdaten im Internet könnte die Meinungsfreiheit beeinträchtigen, fürchtet Apple-Chef Tim Cook: „Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Alles, was Menschen sagen oder denken, wird gesendet, analysiert, gespeichert“, erklärte Cook in einem Interview des Magazins Focus. „Würden die Menschen aus Furcht vor Konsequenzen aufhören, ihre Meinung zu sagen?“

Länder wie die USA oder Deutschland seien zwar so stark, dass ihnen von außen niemand existenziellen Schaden zufügen könne. Doch Cook bereitet es Sorgen, dass es mit einer Schatztruhe voller Daten möglich werde, Menschen so zu manipulieren, dass sie irgendwann aufeinander losgehen.

Cook bekräftigte seine Bewunderung für die im vergangenen Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung in der Europäischen Union. „Die EU-DSGVO ist ein unglaubliches Fundament, auf das wir alle aufbauen sollten“, sagte er.

Cook betont schon seit Jahren, dass Apple die Privatsphäre seiner Nutzer schützen wolle und unterstreicht den Unterschied zu Konzernen wie Facebook und Google. Vor einigen Wochen warnte der Apple-Chef in Brüssel vor einem „datengetrieben industriellen Komplex“ in Anlehnung an den Begriff vom militärisch-industriellen Komplex. Riesige Datensammlungen und das Erstellen von detaillierten Nutzerprofilen führten letztlich in die Überwachung.

Cook hat jedoch kein Problem damit, von Google Milliarden dafür zu kassieren, dass Apple Googles Suchmaschine auf den eigenen Geräten bevorzugt. „Da Google die beste Suchfunktion bietet, ist Google in diesem Feld der beste Partner“, wehrt sich Cook. Außerdem betont er, dass man etwa im hauseigenen Safari-Browser den Nutzern mehr Kontrolle über das Teilen von Daten gebe. (dz@ct.de)

Apple gegen Qualcomm

Apple hat Mitte Dezember mit iOS 12.1.2 ein Update außer der Reihe ausschließlich für das iPhone veröffentlicht. Es folgte nur zwei Wochen auf das große, Anfang Dezember veröffentlichte iOS 12.1.1 und beseitigt Probleme bei der Aktivierung der in iPhone XR, XS und XS Max integrierten eSIM und räumt auf den 2018er iPhones Fehler bei Mobilfunkverbindungen in der Türkei aus. Weitere Angaben hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

Außerdem hat Apple mit dem Update Funktionen getilgt, die nach Ansicht eines chinesischen Gerichts in der Stadt Fuzhou Patente von Qualcomm verletzen. Damit versucht der Konzern, eine Aufhebung des Verkaufsverbotes zu erwirken. Bei den Patenten geht es um die Anpassung der Größe von Fotos sowie die Verwaltung von Apps auf Touchscreen-Geräten.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Qualcomm, mit diesen Taktiken verspotte Apple durch Verletzung der Verfügung das Rechtssystem. (dz@ct.de)

Cydia Store schließt, Paket-Manager bleibt

Der alternative Online-Shop für iOS-Software namens Cydia Store hat seine Pforten geschlossen.

Der Betreiber Jay „Saurik“ Freeman begründete den vorgezogenen Schritt mit einer kürzlich entdeckten Schwachstelle. Über manipulierte Verzeichnisse war es Sicherheitsforschern gelungen, Einkäufe ohne Einwilligung des Nutzers zu tätigen; das Geld ließ sich unberechtigt von verknüpften PayPal-Konten abbuchen.

Dies sei jedoch ein „Nicht-Problem“, erklärte Freeman. Schließlich habe zuletzt kaum jemand etwas im Cydia Store gekauft. Entsprechend seien Nutzer gewöhnlich nicht eingeloggt gewesen und damit auch nicht angreifbar.

Die Schließung des alternativen Shops sei aber ohnehin für Ende 2018 geplant gewesen und Anfang Dezember lediglich vorgezogen worden. Der Betrieb des App-Ladens habe ihn Geld gekostet und er könne „keinerlei Leidenschaft“ mehr aufbringen, ihn weiter anzubieten. Die Möglichkeit, bereits getätigte Einkäufe erneut herunterzuladen, will Freeman weiterhin anbieten.

Saurik hat mit Cydia dem Apple-Konzern fast zehn Jahre lang die Stirn geboten. Dabei war er jedoch grundsätzlich auf Zuarbeit von Hackern angewiesen, die Apples Installationskontrolle aus jeder iOS-Version aufs Neue entfernen mussten. Klappte das, hatten Entwickler eine Plattform, um iOS-Apps abseits von Apples reguliertem App Store verkaufen zu können. Voraussetzung dafür ist aber, dass Nutzer ihre iPhones knacken (Jailbreak), was zuletzt nicht viele Anwender interessierte.

Der Paketmanager Cydia bleibt indes erhalten, sodass ihn andere Anbieter für Bezahl-Apps auf Jailbreak-iPhones nutzen können. Öffentliche Jailbreaks sind jedoch längst eine Seltenheit. Die Entsperrung von iPhone und iPad ist zu einem lukrativen Geschäft geworden, sodass gravierende iOS-Schwachstellen oft nur unter der Hand verkauft werden. Für iOS 12 gibt es bislang keinen allgemein verfügbaren Jailbreak. (dz@ct.de)

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