c't 20/2019
S. 94
Test
Notebooks
Aufmacherbild

Sieht gut aus

Notebooks mit farbstarken 4K-Bildschirmen von leicht bis potent

Notebooks mit AdobeRGB-fähigen Bildschirmen erfreuen ambitionierte Nutzer bei der Bild- und Videobearbeitung mit satten Farben. Bei einer neuen Generation solcher Geräte kommen seit Langem wieder einmal OLED-Panels mit tiefem Schwarz zum Einsatz.

Bei leistungsstarken Notebooks stolpert man in jüngerer Zeit öfter über Schlagwörter wie Creator oder Studio. Hinter diesen Begriffen verbergen sich Marketingbestrebungen von Intel und Nvidia, die damit Kreative ansprechen wollen – also Nutzer, die beispielsweise häufig Fotos oder Videos bearbeiten oder 3D-Objekte erstellen. Diese Zielgruppe ist an sich nicht neu, stand bislang aber vor einem Dilemma: Professionelle Workstation-Notebooks für Ingenieure haben zwar die benötigte Power, sind mit für Unternehmen gedachten Fernwartungsfunktionen und CAD-zertifizierten Treibern aber extrem teuer und überkandidelt.

Gaming-Notebooks sind wiederum billiger und ebenfalls mit starken CPUs und GPUs bestückt, doch mit RGB-Beleuchtung und anderem Blingbling kommen sie im geschäftlichen Kundentermin komisch rüber. Reaktionsschnelle TN-Panels mit 120 Hz und mehr decken üblicherweise zudem keine großen Farbräume ab. An diesen Punkten setzen nun die Creator- und Studio-Notebooks an: Sie ähneln in Preis und Ausstattung Gaming-Notebooks (und basieren mitunter sogar auf solchen), doch mit dezenter gestalteten Gehäusen und farbstarken Displays ist die Ausrichtung klar anders.

Farbstarke Bildschirme bekommt man aber auch in schwächer ausgestatteten Geräten, die den Fokus stärker auf Mobilität legen. Wir haben für diesen Artikel fünf aktuelle Vertreter auf den Prüfstand gestellt: Dell XPS 15 (2019), Lenovo ThinkPad X1 Carbon (2019), MSI P65 Creator (9SF), Razer Blade 15 (2019) und Schenker Compact 15. Die Notebooks kosten zwischen 2000 Euro (Dell) und 3600 Euro (Razer), was so oder so High-End bedeutet: Thunderbolt 3 bieten alle, Dell und Razer zudem bereits Wi-Fi 6.

Return of OLED

Lenovo und MSI setzen auf herkömmliche IPS-LCD-Panels, in den anderen drei Notebooks kommen OLEDs zum Einsatz. Bei den abgedeckten Farbräumen waren nur minimale Abweichungen zwischen den Panel-Arten zu messen: Alle fünf Kandidaten schaffen AdobeRGB. Jedoch gibt es Unterschiede beim Kontrast: Bauartbedingt ist Schwarz bei OLED tatsächlich Schwarz und nicht Dunkelstgrau, weil die selbstleuchtenden Pixel dann vollständig ausgeschaltet sind. LCD-Pixel lassen hingegen immer noch einen Bruchteil der Hintergrundbeleuchtung durch.

Hilfsprogramm ohne Wirkung: Auch wenn man in True Color das Profil „sRGB“ auswählt, stellt der Bildschirm des MSI P65 Creator weiterhin AdobeRGB dar.

In Notebooks hatte die OLED-Technik bislang einen schweren Stand. So gab es zwar vor einigen Jahren mehrere 13,3-Zoll-Geräte mit ebensolchen Bildschirmen, doch sie verschwanden allesamt nach nur einer Gerätegeneration wieder vom Markt. An einer zu starken Alterung oder Einbrenneffekten dürfte dies nicht liegen, wie die Nachmessung an einem rund drei Jahre alten OLED-Notebook gezeigt hat (siehe Kasten unten).

Stattdessen gab es in den letzten Jahren schlicht einen Versorgungsengpass bei OLEDs. Bestehende Fabriken waren bis zum Anschlag ausgelastet, sodass die Hersteller die großen Muttergläser lieber in viele kleine Smartphone- statt wenige größere Notebook-Bildschirme zugeschnitten haben. Mittlerweile gibt es zusätzliche Fertigungskapazitäten und einen abflauenden Smartphone-Markt, sodass Notebook-Panels wieder machbar sind – oder zur Fab-Auslastung gar gebraucht werden. In allen drei hier getesteten OLED-Notebooks stecken Samsung-Panels mit dem Markennamen AMOLED.

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