c't 21/2019
S. 66
Reportage
Laserkunst
Aufmacherbild
Bild: Ralph Lahrmann

Lichtnetz

Wie „Deep Web“ Geschichten mit Lasern erzählt

175 wassergefüllte Kugeln, zwölf Hochleistungs-Lasermodule und ein Sieben-Kanal-Soundsystem: Hinter den Kulissen der beeindruckenden Lichtkunstinstallation „Deep Web“.

Wer bei „Lasershow“ an eine zweitklassige Urlaubsdisco denkt, hat die Rechnung ohne Christopher Bauder und Robert Henke gemacht: Mit ihrem Projekt „Deep Web“ beweisen sie eindrucksvoll, dass man mit Laserstrahlen auch echte Kunst produzieren und dabei sogar Geschichten erzählen kann. Sechs Wochen lang bespielten die Künstler das Kraftwerk Berlin täglich mit Licht und Ton; an vier Abenden sogar live. c’t war bei einer der Live-Performances dabei.

Aufgeschraubt: So sehen die zwölf Laser-Projektoren von innen aus.
Die TouchDesigner-Software steuert die Deep-Web-Installation.

Betritt man die 100 Meter lange Turbinenhalle des 1961 erbauten Heizkraftwerks, deutet zunächst nichts darauf hin, dass hier gleich unzählige Laserstrahlen durch den Raum schießen – die zwölf Desktop-PC-großen Laserprojektoren sieht man gar nicht, die 170 von der Decke hängenden weißen Kugeln erkennt man im Halbdunkel nur bei genauem Hinschauen. Zunächst bleiben die Kugeln unbewegt, dafür zeigt das Sieben-Kanal-Soundsystem, was es so draufhat: Sakrale Flächensounds wandern durch den Raum, verzerrte Funksprüche der Apollo-11-Mission verursachen kollektive Gänsehaut – dass hier Robert Henke an den Reglern sitzt, ist unverkennbar. Der Musiker ist ein Meister der ungewöhnlichen Geräusche. Ziemlich passend, dass er seine Abschlussarbeit im Tongestaltungs-Studium über „Echtzeitmodellierung nichtlinearer Distortionen von Schallplatten“ geschrieben hat. Für sein Musikprojekt Monolake entwickelte er eigene Software, um auf der Bühne in Echtzeit Sounds manipulieren zu können - daraus entstand Anfang der 2000er-Jahre Ableton Live, das inzwischen wohl populärste Softwarepaket im Bereich der elektronischen Musik.

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