c't 22/2019
S. 140
Wissen
Künstliche Intelligenz
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Bild: Rudolf A. Blaha

Digitaler Arztberater

Künstlich intelligente Diagnose dient als zweite Meinung und erkennt mehr

KI-Systeme können für einige medizinische Verdachtsfälle bereits eine seriöse Diagnosehilfe leisten. Jetzt hat auch Google ein Tool zum Vergleich von Tumoraufnahmen entwickelt. Ärzte fragen sich, ob man einem solchen System künftig sein Leben anvertrauen kann.

Für die Radiologie und insbesondere die Krebserkennung haben Forscher am Universitätsklinikum Essen (UKE) bereits eine ganze Reihe künstlich intelligenter Systeme entwickelt. Die KI klassifiziert umfangreiche Aufnahmen aus dem Computertomografen (CT) oder dem Magnetresonanztomografen (MRT) gleichbleibend schnell und sticht dabei jeden menschlichen Arzt aus. Die Systeme können mittlerweile Tumore in der Lunge oder in der Prostata erkennen. Bei Gebärmutterhalskrebs schätzt eine KI ein, ob der Tumor bereits gestreut hat. Bei Leberkrebs prognostiziert ein System, welche Erfolgschance eine Bestrahlung bietet. Allerdings werde dieses höchstens als zweite Meinung eingesetzt, die Entscheidung fälle auf absehbare Zeit in jedem Fall der Arzt, betont Professor Dr. Michael Forsting, medizinischer Direktor des Instituts für diagnostische Radiologie am UKE.

„Es gibt einige Bereiche, in denen KI dem verantwortlichen Arzt sehr gute Hinweise liefern kann, beispielsweise beim Hautkrebs-Screening“, sagt Professor Dr. Andreas Stang, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS). Das Problem bestehe derzeit in der Evaluation der Systeme, die zum Teil bereits sehr leistungsfähig arbeiteten. „Derzeit werden wir geradezu von KI überrollt“, berichtet auch der Onkologe Professor Dr. Michael Hallek am Universitätsklinikum Köln. Nach seiner Ansicht steht die KI-gestützte Erkennung von Tumoren kurz vor dem praktischen Einsatz. Die automatisierte Altersbestimmung von Jugendlichen anhand von Knochenaufnahmen wird als unterstützendes Standard-Tool bereits im Westdeutschen Teleradiologieverbund angeboten.

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