c't 23/2019
S. 57
aktuell
Libra

Libra erleidet Rückschläge

Die Dachorganisation für Facebooks Kryptowährungs-Projekt hat sich offiziell konstituiert, ist durch den Rückzug bedeutender Partner jedoch geschwächt.

Gründungsurkunde unterschrieben, wichtige Mitglieder verloren: Die Libra Association kann nur verhalten feiern. Bild: Kai Nietfeld / dpa

21 Unternehmen und Organisationen haben in Genf formell die Gründungsurkunde der Libra Association unterzeichnet. Dort befindet sich auch der Hauptsitz des Konsortiums, das die digitale, auf einer Blockchain beruhende Kryptowährung Libra in Umlauf bringen will. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Facebook, das in der Libra Association durch die Unternehmenstochter Calibra vertreten ist. Zu den Partnern gehören unter anderem Vodafone, Spotify, die Transportdienstleister Uber und Lyft sowie der digitale Handelsplatz für Kryptowährungen Coinbase.

Kurz zuvor hatten sieben bedeutende Mitspieler das Libra-Projekt verlassen. Zunächst gab PayPal seinen Rückzug bekannt, wenige Tage später gefolgt von Mastercard und Visa, dem Zahlungsdienstleister Stripe, den Marktplatzbetreibern eBay und Mercado Pago (der besonders in Südamerika aktiv ist) sowie dem Buchungsportalbetreiber Booking Holdings. Laut der Libra Association liegen jedoch 1500 Aufnahmeanträge weiterer Unternehmen vor, von denen 180 angeblich bereits die Anforderungen erfüllen.

Dessen ungeachtet dürfte der Verlust der großen Dienstleister schwer wiegen, da sie ein Bindeglied in die konventionelle Finanz- und E-Commerce-Welt darstellten. Ihr Rückzug soll aufgrund der massiven Vorbehalte zahlreicher Regierungen und Nationalbanken erfolgt sein. So wollen die US-Aufsichtsbehörden unter anderem sichergestellt sehen, dass Libra nicht zur Geldwäsche missbraucht werden kann. Auch Datenschützer und viele Währungs- und Finanzmarktexperten sehen Libra skeptisch. Die Libra Association beteuert, die eigentliche Währung erst anbieten zu wollen, wenn sämtliche Bedenken von Regierungen und Behörden – insbesondere in den USA – ausgeräumt sind. Zudem benötigt das Konsortium noch eine Genehmigung der Schweizer Finanzmarktaufsicht. Ob die Kryptowährung unter diesen Umständen wie geplant in der ersten Jahreshälfte 2020 an den Start gehen kann, ist fraglich.

Libra soll weltweit als elektronisches Zahlungsmittel dienen. Die Nutzer tauschen Geld einer etablierten Währung in Libra und bezahlen Waren und Dienstleistungen ähnlich wie bei PayPal mithilfe eines Wallets. Diese kann in Facebook-Anwendungen integriert sein, muss es aber nicht. Anders als beim Bitcoin-Wallet müssen die Nutzer sich außerdem über ein amtliches Dokument identifizieren. Das monetäre Konzept von Libra sieht einen sogenannten Stablecoin vor – der Wert eines Libra-Coins ist also an einen Korb bestehender Währungen sowie Wertpapiere gebunden. Damit wird Libra auch für Nutzer in Ländern mit instabiler Währung interessant. Die Libra-Blockchain wird dabei zugangsbeschränkt von den Mitgliedern des Konsortiums geführt. An die Stelle des rechenintensiven Schürfens von Coins in Form eines Proof of Work tritt ein Proof of Stake. Hier entscheidet eine nach Teilnahmedauer und/oder Anteilen gewichtete Zufallsauswahl darüber, welches Mitglied den nächsten Block erzeugen darf. Der Code von Libra soll quelloffen sein. (mon@ct.de)

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