c't 25/2019
S. 168
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Ein Mann und ein Baby

Death Stranding: Sperrig und faszinierend

Embryos in Brutkasten-Rucksäcken, Handgranaten aus Urin: Death Stranding ist monoton – und sensationell außergewöhnlich.

Die meisten Videospiele mit großem Budget sind konzeptionell langweilig – damit die Kassen sicher klingeln, soll die Kundschaft vorher möglichst genau wissen, was sie erwartet. Das von Metal-Gear-Solid-Erfinder Hideo Kojima entwickelte Death Stranding für PS4 (ab sofort) und PC (Sommer 2020) pfeift auf diese Videospiel-Sicherheitsregeln. Trotz etlicher vorab veröffentlichter Promotion-Videos war völlig unklar, was das nun eigentlich für ein Spiel sein soll. Irgendwas mit Norman Reedus (bekannt aus The Walking Dead) und Babys in transportablen Brutkästen – aber das wars dann auch mit den konkreten Infos.

Was Death Stranding erzählen will, passt jedoch auch in keinen Drei-Minuten-Trailer: Das Spiel gibt sich nicht mit der schnöden „Einsamer Held rettet die Welt“-Formel zufrieden, sondern will ganz viel über die Gegenwart erzählen. Über das politische Klima in den USA, über die Spaltung der Gesellschaft, über Social-Media-Wahnsinn, über das Unvermögen, mit Emotionen umzugehen, über die Verbindung von Leben und Tod. Obendrauf gibt es unzählige Referenzen auf Spiele, Filme, Bücher und Konsumprodukte.

Diese seltsame Kombination funktioniert zumindest auf erzählerischer Ebene erstaunlich gut. Die surreale Geschichte von Death Stranding ist fesselnd, faszinierend, berührend und manchmal sogar richtig lustig. Obendrein sieht das Spiel fantastisch aus, und auch das Sound-Design ist ohne Zweifel erhaben.

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