c't 4/2019
S. 55
News
Erdbeobachtung, Navigation

Europa im Krieg der Sterne

Vorschlag: Die EU soll eigene militärische Fähigkeiten zum Schutz seiner Raumfahrtprojekte entwickeln. Bild: ESA

Bei der europäischen Raumfahrtwoche in Marseille ging es nicht nur um Probleme durch Weltraumschrott, sondern auch um Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Europa soll sich für einen Krieg im Weltraum rüsten.

Europa soll ein eigenes Programm zum Kriegführen im Weltraum bekommen. Das schlug Pablo Gonzalez vor, der Vertreter des Verbandes für Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie (ASD). Er sprach sich dafür aus, dass Europa eigene Möglichkeiten zur Verteidigung und sogar für Gegenschläge zum Schutz seiner Weltraumressourcen entwickelt.

Mit Blick auf die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump im Juni 2018, eine sogenannte Space Force einzuführen, erklärte Gonzalez, dass derzeit zwar nur wenige Länder fähig sind, den europäischen Weltraumprogrammen gefährlich zu werden – etwa dem Erdbeobachtungsprojekt Copernicus und dem Satellitennavigationssystem Galileo. Er fürchtet aber, dass die derzeitigen Technologien schon jetzt vielen kleineren Ländern und sogar terroristischen Organisationen einen Angriff darauf ermöglichen.

Gonzalez weiter: „Europa muss bei der militärischen Nutzung des Weltraums eine andere Denkweise einnehmen.“ Es überrascht nicht, dass ein Sprecher eines Industrieverbandes eben jene Industrie als Schlüssel zur Entwicklung neuer Fähigkeiten mit dem erforderlichen Maß an strategischer Autonomie sieht. (mil@ct.de)

Week-Rollover: Probleme für ältere GPS-Geräte und Zeit-Server

Eine Art Jahr-2000-Problem kommt auf ältere GPS-Empfänger zu. Am 6. April 2019 wird erneut ein sogenannter Week Rollover erwartet. Die Folge: Einige Geräte werden das Datum nicht mehr korrekt berechnen können. Für wenige Navis droht auch ein Totalausfall der Ortsbestimmung, wenn sie unnötigerweise auch den GPS-Datumswert für die Positionsberechnung mitverwenden.

Das Problem betrifft GPS-Geräte und auf GPS basierende Zeit-Server, wenn sie vor rund 10 bis 15 Jahren in Betrieb gegangen sind und danach kein Firmware-Upgrade erhalten haben. Das Firmware-Datum wird vielfach von Herstellern als ein Merkmal benutzt, um die Plausibilität des aus dem GPS-Signal generierten Datums zu prüfen: Es darf nicht älter sein als der Firmware-Datumsstempel.

Ein sogenannter Week-Rollover findet im GPS-System alle 1024 Wochen statt, weil das Datum im Datensignal der GPS-Satelliten nur in einer 10-Bit-Variable kodiert ist. Damit lassen sich maximal 1024 Wochen darstellen. Danach wird der Wochenzähler wieder genullt. Die erste GPS-Woche nach dieser Zählung startete am 6. Januar 1980 und der erste Week-Rollover war somit am 21. August 1999. Der nächste folgt am 6. April 2019.

Weil das GPS-Signal demnächst eine andere Struktur erhält und die neuen Message-Typen CNAV und MNAV dann 13 Bit umfassen, ist der nächster Rollover zumindest für Geräte, die diesen neuen Nachrichtentyp verarbeiten können, erst wieder in 8192 Wochen zu erwarten. (mil@ct.de)

Flugzeuge unverlierbar

Mitte Januar wurden von einer Falcon X Rakete zehn Iridium-NEXT-Satelliten mit einem neuen Überwachungssystem für den Luftverkehr von Aireon gestartet. Ziel von Aireon ist, dass kein Flugzeug mehr unbemerkt vom Himmel verschwindet – wie etwa die Boeing 777 der Air Malaysia beim Flug MH-370 im März 2014.

Inzwischen sind 75 Iridum-NEXT-Satelliten im Orbit mit Empfängern ausgestattet, welche die ständig ausgesendeten Signale der ab 2020 obligatorischen ADS-B-Funkbaken in Flugzeugen empfangen. Das Aireon-System errechnet aus den Signalstärken die Position in Echtzeit. Zwar nutzen auch terrestrische Leitstellen ADS-B, mit dem Aireon-System soll jedoch Flugzeugverlusten vorgebeugt werden, wo es keine solchen Leitstellen gibt, etwa über dem offenen Meer. (mil@ct.de)

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