c't 5/2019
S. 27
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Strike3: Jagd auf Navi-Störer

Ein EU-Projekt soll für mehr Störsicherheit bei GPS-/GNSS-Empfängern sorgen.

Illegale GPS-Störsender wie dieses in Autos sollen unter anderem die korrekte Erfassung von Mautstellendurchfahrten verhindern.

Empfänger von Satellitennavigationssystemen sind anfällig gegenüber Funkstörungen. Zweieinhalb Jahre lang hat ein internationales Projektteam mehrerer Firmen den Störsignalteppich erfasst und Wirkungen auf die Empfangsgeräte analysiert. In 23 Ländern unterhielten die Forscher 30 Mess-Stationen, und zwar an Orten, an denen es auf guten Empfang der schwachen Signale von Navigationssatelliten besonders ankommt, etwa an Flughäfen, Mautstellen, Kraftwerken und an Grenzübergängen.

Ende Januar wurde das insgesamt über drei Jahre laufende Strike3-Projekt der europäischen Satellitennavigationsagentur GSA beendet. Der Abschlussbericht der Langzeitstudie steht zwar noch aus, doch schon eine Teilauswertung vom November 2018 zeigt bereits 450.367 aufgezeichnete Störfälle, von denen rund 73.000 sogar zum Totalausfall von Satellitenempfängern führten. Die Dunkelziffer ist aufgrund der wenigen Mess-Stationen groß. Außer für die Navigation ist der korrekte Empfang auch für die Zeitsynchronisation in einigen Netzwerken wichtig, etwa beim Banking oder im Mobilfunk: Von GPS-, Galileo- oder Glonass-Daten hängen drei Viertel der kritischen Infrastrukturen ab. Schon jetzt verursachen Empfangsstörungen massiven Schaden.

59.453 aller in der Langzeitstudie beobachteten Totalausfälle wurden absichtlich durch sogenanntes Jamming verursacht. Die Forscher klassifizierten etwa 300 typische Jamming-Signalformen. Etliche der erfassten illegalen Störsender ließen sich aufgrund ihrer sehr individuellen Signalform trotz des arg lückenhaften Erfassungsnetzes sogar als Einzelgerät an mehreren Orten wiedererkennen.

Insgesamt überwiegen bei den Störungen aber unerwünschte Aussendungen elektrischer Geräte und natürliche Phänomene. So bewirken beispielsweise koronale Masseneruptionen auf der Sonne und Gewitter Ausfälle beim Empfang. Eine weitere Aufgabe des Strike3-Projektes lag darin, einen Teststandard für die Störsicherheit von GNSS-Empfängern zu entwickeln. Und: Mit der Datensammlung sollen Geräteentwickler ihre Produkte robuster gegenüber Störsignalen machen.

Dass GNSS-Empfänger bereits jetzt unterschiedlich mit Empfangsproblemen umgehen, wurde bei exemplarischen Tests von GPS-Geräten für den Massenmarkt beziehungsweise für den professionellen Anwender deutlich. Ein Gerät für den Massenmarkt ermittelte auch bei schlechten Empfangsbedingungen noch eine Position, allerdings mit sehr großem Positionsfehler. Als Totalausfall macht sich das für den Benutzer nicht bemerkbar, solange eine Position angezeigt wird. Ein Profi-Gerät errechnete nur dann Positionen, wenn es Signale mit einem gewissen Mindeststörabstand empfing. (mil@ct.de)

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