c't 6/2019
S. 43
News
Nahverkehr

Berlin soll per App mobiler werden

Mit der Mobilitäts-App Jelbi sollen Berliner ab Sommer Tickets für sämtliche BVG-Linien kaufen. Zudem stehen ihnen dann S-Bahn, Taxi, Rufbus, Leihräder, E-Roller und Carsharing über die App offen.

Fahrpläne und Leihfahrzeuge in einer App: Mit Jelbi sollen Berliner ab Sommer navigieren, Tickets kaufen, Taxis rufen, Leihräder oder -autos entriegeln und bezahlen.

Wer in Berlin ohne eigenes Auto von A nach B kommen will, soll Verbindungen mit Bus und Bahn, Car- und Ridesharing, Leihrad und E-Roller künftig mit einer App reservieren und bezahlen können. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben dazu Jelbi präsentiert. Der Name steht für die Logofarbe Gelb auf Berlinerisch. Die Lösung entstand gemeinsam mit dem litauischen Technikanbieter Trafi und soll ab Sommer verfügbar sein.

25 Partner haben binnen weniger Wochen Interesse bekundet, sich mit ihren Verkehrsdaten und Abrechnungssystemen in die offene Plattform integrieren zu lassen. Dazu gehören die S-Bahn, Taxi Berlin, sieben Carsharing-Firmen, sechs Anbieter von Leihrädern und der E-Roller-Vermieter Emmy. Fürs Ridesharing werden zunächst der digitale Rufbus Berlkönig von BVG und ViaVan sowie CleverShuttle integriert. E-Scooter sollen folgen, sobald sie zugelassen werden. Die beiden mittlerweile kooperierenden Carsharing-Größen DriveNow und Car2Go von BMW und Daimler zeigen der BVG bislang die kalte Schulter. Die Münchner und die Stuttgarter betreiben im Joint Venture Moovel eine eigene verkehrsformenübergreifende Mobilitätsapp.

Die BVG sieht die Initiative zunächst als eine Art Forschungsprojekt bis Ende 2021. Das Unternehmen wolle mehr Bewegungsdaten sammeln und erfahren, wie die Kunden jenseits des ÖPNVs unterwegs sind, sagt Digitalvorstand Henrik Haenecke. Trafi hat am Heimatstandort Vilnius, aber zum Beispiel auch in Rio de Janeiro, Istanbul und Jakarta Erfahrungen mit entsprechenden Apps und Routing-Algorithmen gesammelt [1]. Die Firma kombiniert dabei alle verfügbaren Verkehrsmittel, macht Vorschläge unter Einbezug des lokalen Wetters oder persönlicher Präferenzen, bucht Fahrpreise ab und verwaltet die Tickets fürs Display. Von der BVG erhalten die Litauer echtzeitnahe Standortinformationen von BVG-Fahrzeugen, die auch für andere Dritte wie Apple, Google oder die Macher der Öffi-App verfügbar sind.

Alle verwendeten Daten „liegen auf einem deutschen Server“ und würden verschlüsselt, versichert Christof Schminke von Trafi Deutschland. Bewegungsdaten würden entkoppelt, um über entpersonalisierte Informationen Verkehrsflüsse und Bewegungsmuster herauszufinden. Die BVG werde die Zahlungsdaten erheben. Für die Identitätsprüfung will der Verkehrsbetrieb auf die Schufa setzen, bei Touristen ohne deutsches Bankkonto soll das Ausfallrisiko über eine Kreditkarte abgedeckt werden. (agr@ct.de)

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