c't 7/2019
S. 46
News
Rendering-Benchmark, Hardware-Sicherheitslücken

Prozessor-Performance mit Cinebench R20 messen

Der aktualisierte Rendering-Benchmark nutzt die Fähigkeiten moderner CPUs besser aus.

Der Cinebench R20 teilt die Renderszene abhängig vom Prozessor in bis zu 256 einzelne Abschnitte auf, um jeden logischen Kern auszulasten.

Um die Leistungsfähigkeit von x86-Prozessoren im Single- und Multithreading miteinander zu vergleichen, hat sich der von der 3D-Grafiksoftware Cinema 4D abgeleitete Benchmark Cinebench in den vergangenen Jahren als Quasi-Standard bei Herstellern und Medien etabliert. Mit Version 20 hat der hessische Entwickler Maxon einige Schwächen behoben: Die neue Raytracing-Rendering-Szene beansprucht eine rund achtmal so hohe Rechenleistung und die vierfache Arbeitsspeichermenge. Beim Vorgänger Cinebench R15 läuft der Benchmark zum Beispiel auf den aktuell schnellsten Prozessoren zum Großteil innerhalb der 8 bis 32 Sekunden langen Turbophase ab, während der die CPU ihre Thermal Design Power um 20 bis 25 Prozent überschreiten darf. Das verzerrt die Ergebnisse.

Cinebench R20 nutzt nun Raytracing-Bibliotheken wie Embree von Intel, die moderne Prozessorfunktionen wie AVX unterstützen und laut Maxon die gleiche 3D-Szene doppelt so schnell wie die Vorgängerversion berechnet. Die neue Benchmarkversion benötigt einen 64-Bit-Prozessor mit der Befehlserweiterung SSE3, wozu CPUs ab 2004/2005 wie Pentium 4 und Athlon 64 zählen, und 4 GByte Arbeitsspeicher. Im Unterschied zu den Vorgängern lässt sich der Cinebench R20 nur noch über die App-Stores von Windows 10 und macOS 10.11 und neuer kostenlos herunterladen (siehe ct.de/yqha).

Ein Ryzen Threadripper 2990WX mit 32 Kernen und 64 Threads erreichte im c’t-Testlabor in der Multithreading-Wertung 11.181 Punkte (1 Thread: 421 Punkte). Typische Desktop-Prozessoren wie der Vierkerner Core i5-7500 und der Sechskerner mit Hyper-Threading Core i7-8700K kommen auf 1266/364 (Multi-/Singlethread) beziehungsweise 3375/484 Punkte. Unser Office-PC-Bauvorschlag aus c’t 4/2019 mit dem Dual-Core Athlon 200GE schafft 807/292 Punkte. (chh@ct.de)

SPOILER-Alarm: Neue Prozessorlücke bei Intel

Die SPOILER-Lücke betrifft auch den schnellsten Intel-Prozessor Xeon W-3175X.

Forscher des Worcester Polytechnic Institute und der Universität Lübeck haben eine neue Angriffstechnik entwickelt, die wie bei den im Jahresverlauf 2018 bekannt gewordenen Spectre-Lücken auf die spekulative Befehlsausführung von Intel-Core-CPUs abzielt. „SPOILER“ liefert Angreifern Informationen über die Zuordnung der virtuellen Speicheradressen des Betriebssystems auf die des physischen Arbeitsspeichers. Das hilft, Folgeangriffe wie Rowhammer schneller und zuverlässiger auszuführen, wo sich durch wiederholte RAM-Zugriffe benachbarte Speicherbereiche manipulieren lassen.

Die Forscher bezweifeln, dass Software-Anpassungen zum Beispiel in Webbrowsern – ähnlich wie gegen Spectre – SPOILER-Angriffe vollständig verhindern können. Voller Schutz durch Hardware-Änderungen dauere Jahre und sei nicht ohne Performance-Einbußen umsetzbar. (chh@ct.de)

Retpoline für Windows 10

Das Windows-Update KB4482887 aktiviert bei ausgewählten Systemen mit Windows 10 1809 und Server 2019 den Retpoline-Schutz gegen die Sicherheitslücke Spectre V2 (Branch Target Injection, CVE-2017-5715). Dieser verursacht weniger Performance-Einbußen als die bisherigen Microcode-Patches. Retpoline funktioniert jedoch nur auf Prozessoren vor der sechsten Core-i-Generation „Skylake“, wo der RET-Befehl (Return from Procedure) noch nicht spekulativ anhand des Indirect-Branch-Predictor ausgeführt wird. Microsoft schaltet den Patch über die nächsten Monate nach und nach frei. Optional lässt er sich in der Registry aktivieren (siehe ct.de/yqha). (chh@ct.de)

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