c't 8/2019
S. 34
News
Hannover Messe: Unternehmens-IT

Transparente Prozess-Mitschnitte

Das August-Wilhelm-Scheer-Institut (AWSI) präsentiert einen Ansatz, der helfen soll, besonders zeit- und motivationsraubende Arbeitsabläufe bei der Arbeit am PC zu automatisieren.

Als ersten Schritt dahin sehen die Forscher die Analyse, welche Arbeitsschritte in bestimmten Situationen hintereinander anfallen, und wo es dabei zu Flaschenhälsen kommt. Dafür wollen sie nicht wie bisher üblich mit großem Aufwand Planungsfachleute mit formalen Soll-Beschreibungen für jeden einzelnen Prozess beschäftigen. Vielmehr können sich Bürokräfte im Rahmen des sogenannten Desktop Activity Mining über die Schulter schauen lassen. Dabei sammelt ein Hintergrundprogramm Informationen, wie viel Zeit, wie viele Mausklicks und welche Programmaufrufe etwa beim Ausfüllen eines Bestellformulars oder für die Antwort auf eine Kundenanfrage anfallen. Diese ganzheitlich erfassten Daten charakterisieren einen Prozess genauer, als das mit traditionell gesammelten IT-Transaktionsdaten möglich ist, und sollen einerseits zur Optimierung beitragen, andererseits dazu, neue Mitarbeiter in die jeweiligen Prozesse einzuarbeiten.

Ängste vor einem Big Brother im Büro sollen sich dadurch erübrigen, dass jeder Mitarbeiter selbst entscheidet, wann Daten aufgenommen werden, und dass sich die gesammelten Informationen laut AWSI nicht einzelnen Personen zuordnen lassen. „Falls es dennoch Fälle gibt, in denen personenbezogene oder schützenswerte Daten im Prozess vorhanden sind, etwa über Screenshots eines E-Mail-Programms, entwickeln wir derzeit Softwarekomponenten, die die Aufnahme solcher Daten automatisch verhindern“, erklärt Christian Linn, Bereichsleiter für Office Robotics beim AWSI. (hps@ct.de)

AWSI: Halle 6, B24

Eye-Tracking am Arbeitsplatz

Das Startup-Unternehmen 4tiitoo verbindet über seine Middleware NUIA (Natural User Interface for Applications) moderne Sensorgeräte wie Eye-Tracker und Spracherkennungs-Systeme mit Arbeitsplatz-PCs. Messebesucher können sich einen Eindruck davon verschaffen, wie Anwender zum Beispiel die Eingabefelder einer Datenmaske allein durch Anvisieren selektieren können.

Das Unternehmen präsentiert auf seinem Stand einige Use Cases mit verschiedenen Sensoren.

Einen großen Auftritt hat NUIA bei SAP. Dort läuft eine Demo zur freihändigen Bildsteuerung bei der Darstellung eines 3D-CAD-Objekts, die auch für die Maschinensteuerung in Betracht kommt.(hps@ct.de)

4tiitoo: Halle 6, H15

SAP: Halle 7, A02

Produktionsplanung mit Augmented Reality

Planats Anwendungspaket FEPA unterstützt Fabrik- und Lagerarbeiter mit AR-Brille und Barcode-Leser.

Das Softwarehaus Planat stellt die jüngste Ausgabe seines Programmpakets FEPA vor. Die Software unterstützt Anwender in Fertigungsbetrieben jetzt durch Einbindung von Augmented-Reality-Brillen und von Fingerscannern, mit denen der Trigger Barcodes erfasst. Einerseits können Mitarbeiter vor Ort situationsbezogene Hinweise in ihrer Datenbrille ablesen, andererseits tragen die erfassten Daten in Echtzeit dazu bei, Dashboards zur Business Intelligence zu aktualisieren. Die Geräte kommunizieren per WLAN direkt mit der ERP-Software (Enterprise Resource Planning, unter anderem Finanz- und Warenwirtschaft) sowie dem PPS (Production Planning System, also Maschineneinsatzplanung, Navigation in Materiallagern, Komissionierung). (hps@ct.de)

Planat: Halle 7, D12 (bei Datafox)

PPS per Quantencomputing

Fujitsu zeigt mehrere Neuentwicklungen zum Thema Industrie 4.0. In einem Showcase demonstriert der Hersteller per Live-Demo die Produktionsplanung mit einem sogenannten Digital Annealer. Diese Bauart eines Quantencomputers bewährt sich beim Lösen kombinatorischer Probleme, etwa der von vielen Begleitumständen abhängigen Ressourcenzuweisung in einem Fertigungsbetrieb.

Das Intelligent Dashboard enthält Werkzeuge zum Shopfloor Management, mit denen man die Arbeitsfortschritte und -probleme in mehreren Fertigungsstätten gleichzeitig visualisieren kann.

FJGP4D simuliert Fertigungsprozesse und Veränderungen in Produktionslinien. An einer virtuellen Fertigungsstraße lassen sich Varianten der Prozessgestaltung visualisieren. Weitere Software hilft Mitarbeitern, Herstellungsfehler zu identifizieren, indem sie Produktfotos und 3D-Modelle übereinanderlegen und vergleichen. (hps@ct.de)

Fujitsu: Halle 7, E16

CAS Future Labs

Softwarehersteller CAS presentiert seinen neuen Bereich Future Labs, in dem Forschern, Studenten und Doktoranden Gelegenheit zum Umsetzen eigener Entwicklungsideen haben. Eine Errungenschaft aus den Future Labs ist eine Erweiterung des Produktkonfigurators Merlin um Virtual Reality. Anwender können in Merlin verschiedene Konfigurationen einer virtuellen Eismaschine für Eisbahnen zusammenstellen und diese auf dem Smartphone oder mit einer Virtual-Reality-Brille betrachten. (hps@ct.de)

CAS: Halle 7, E26 (beim VDMA)

T-Industrie-IT

Die Telekom zeigt Campusnetze, die Maschinen auf einem Firmen- oder Unicampus exklusiv vernetzen und abeschirmt von öffentlichen Funknetzen bleiben.

Mit Hilfe von Microsofts HoloLens verständigen sich Mitarbeiter vor Ort mit weit entfernten Servicetechnikern über Maschinenprobleme.

Das Telekom-Systemhaus T-Systems demonstriert die Maschinen-Fernwartung mit Hilfe von Microsofts HoloLens. Wartungstechniker in der Zentrale erhalten Hinweise zu fehlerhaften Bauteilen in entfernten Fertigungsstätten und können die Mitarbeiter vor Ort anleiten. Der Ansatz reduziert Maschinen-Ausfallzeiten und Reisekosten für die Techniker. (hps@ct.de)

Deutsche Telekom: Halle 5, E04

Zoho Office als Allrounder

Zoho Projects verwaltet Projekte interaktiv in der Cloud – steuerbar vom Desktop oder Mobilgerät aus.

Das Softwarehaus Zoho zeigt auf der Messe seine im Februar erschienene Neuausgabe des cloudgestützten Zoho Office. Zusätzlich zur Textbearbeitung Writer, zur Tabellenkalkulation Sheet und zum Präsentationsprogramm Show enthält die Büroanwendungssuite nun das Notizenprogramm Notebook und den KI-Assistenten Zia. Mit Hilfe von Zia soll die Textbearbeitung anhand des Kontexts Grammatikfehler erkennen, die Lesbarkeit eines Dokuments beurteilen und Stilverbesserungen vorschlagen. Die Tabellenkalkulation konkurriert mit traditionellen Programmen zur Business Intelligence, indem sie Anfragen zu den gespeicherten Daten automatisch mit passenden Pivottabellen und Diagrammen beantwortet. Außerdem soll sie mit künstlicher Intelligenz in der Lage sein, Inkonsistenzen und Dopplungen in Tabellen zu erkennen.

Laut Hersteller vermag Zoho Notebook per künstlicher Intelligenz in bestimmten Kontexten die Anforderungen eines Anwenders zu identifizieren und benötigte Texte und Grafiken automatisch von festgelegten Webseiten abzurufen. Präsentationen mit Zoho Show sollen sich nun auf Android- und Apple-TV-tauglichen Geräten anzeigen und per Smartphone steuern lassen.

Einzelanwender dürfen Zoho Office kostenlos nutzen. Ansonsten kostet die Anwendungssuite 5,30 Euro je Nutzer und Monat oder die Hälfte davon in der Ausführung für Kleinbetriebe. Zoho garantiert auf Wunsch, dass Anwenderdaten ausschließlich im EU-Gebiet gehostet werden und nimmt auch anderweitig für sich in Anspruch, die Vorgaben der DSGVO einzuhalten. (hps@ct.de)

Zoho: Halle 6, B56

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