c't 9/2019
S. 41
News
Autonome Roboter, Künstliche Intelligenz, Batterietechnik

Der Roboter kriegt Angst

Karlsruher Forscher implementieren Risikobewusstsein in autonome Roboter, damit diese etwa auf Marsmissionen auf sich achtgeben.

Vorsichtig tastet sich der Laufroboter Lauron V durch die simulierte Geröllhalde. Sein Ziel: Er will lange funktionieren.

Lauron V ist vorsichtig, während er durch die Geröllhalde stapft. Der Laufroboter der fünften Generation aus dem Karlsruher Forschungszentrum Informatik (FZI) ist ein Prototyp des Intellirisk-Projekts. Die Forscher haben ihm ein Risikobewusstsein programmiert, eine Art Selbstbewusstsein und damit verbunden das Bestreben, Risiken für sich zu vermeiden.

Der Laufroboter Lauron V kommt mit seinen sechs Beinen selbst in unwegsamer Umgebung klar. Er verfügt über Kameras und eine künstliche Intelligenz zur Bilderkennung. Nun trainieren ihn die Forscher darin, Risiken einzuschätzen und Situationen abzuwägen. Die Besucher der Hannover Messe konnten sich mit einer Datenbrille in die Sichtweise des Roboters hineinversetzen und bekamen als Augmented Reality live dessen Risikoeinschätzung zu möglichen Aktionen eingeblendet.

Risikobewusstsein soll autonomen Robotern wie Lauron V vor allem da helfen, wo Menschen nicht zur Hilfe kommen können, sei es auf einer fernen Marsmission oder in einem Katastrophengebiet mit radioaktiver Strahlung.

Im Ergebnis steht zwar ein Roboter, der Risiken für sich selbst einschätzt, einen Vergleich zum Selbstbewusstsein eines Menschen will Projektleiter Timothée Büttner aber nicht zulassen. „Das Bewusstsein eines Menschen ist viel facettenreicher als die klare Bewertungsmatrix für Risiken beim Roboter.“ Die „Gesundheit“ eines Roboters musste das Team am FZI erst einmal definieren. Es genügt nicht, die Summe funktionierender Aggregate zu maximieren, denn wenn eine Kernkomponente wie etwa die Batterie ausfällt, dann bricht der Einsatz trotzdem jäh ab. Die Forscher können die Risikobereitschaft als zentralen Parameter nach Bedarf einstellen. So könnte der Roboter eine Mission zunächst sehr vorsichtig beginnen. Sind beispielsweise wesentliche Missionspunkte bereits erfüllt, würde er dann selbstloser handeln. (agr@ct.de)

KI erkennt Mitarbeiter in Not

Ein Mitarbeiter liegt im Labor. Aufgrund dieser unerwarteten Körperhaltung löst das Videoschutz-System Alarm aus. Bild: Fraunhofer FIT

Für Mitarbeiter in sensiblen Arbeitsumgebungen entwickeln Forscher am Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) einen intelligenten Videoschutz. Zur Hannover Messe stellten sie ihre „Realtime Pose Estimation“ vor. Gleich mehrere neuronale Netze analysieren die Videoaufnahmen von Überwachungskameras beispielsweise in hermetisch versiegelten Reinraumanlagen und Laboren.

Die künstliche Intelligenz erfasst nicht nur einen Menschen anhand des anatomischen Grundgerüsts, Körper, Arme und Beine. Sie kann auch die Körperhaltung erkennen, also ob jemand im überwachten Areal steht, sitzt oder liegt. Im Falle einer unerwarteten Haltung, etwa falls ein Mitarbeiter geschwächt zu Boden geht oder unnatürlich im Sitzen zusammensackt, wird auch das erkannt – der intelligente Videoschutz kann dann einen Alarm auslösen. (agr@ct.de)

Kieler Akku ohne seltene Erden

Die Christian-Albrechts-Uni Kiel zeigte auf der Hannover Messe neuartige Schwefel-Kathoden. In Kombination mit den im vergangenen Jahr vorgestellten Siliziumanoden ergeben diese Komponenten eine neue Akkutechnik. Ohne den Einsatz seltener Erden bietet diese Technik eine zwei- bis dreifache Energiedichte gegenüber aktuellen Lithium-Ionen-Akkus, bei auf ein Zehntel verkürzten Ladezeiten. Im Herbst soll am Institut mit dem Kooperationspartner RENA Technologies eine eigene Produktionsanlage aufgebaut werden, um kundenorientierte Prototypen in Serie zu fertigen. Statt heutiger Akku-Spitzenwerte von bis zu 180 Wattstunden pro Kilogramm erwarten die Kieler für ihre Silizium-Schwefel-Akkus Energiedichten von über 400 Wattstunden pro Kilogramm. (agr@ct.de)

Kommentieren