c't 11/2020
S. 20
Titel
Fritzbox: Kaufberatung
Bild: Andreas Martini

Routerparade

Was für Ihre nächste Fritzbox wichtig ist

Nach einiger Zeit im Homeoffice und Arbeiten in der Cloud kann schon mal der Wunsch nach mehr Internet-Geschwindigkeit wachsen. Mit einem neuen Anschluss muss meist auch ein neues Zugangsgerät her, was oft eine Fritzbox ist. Wir zeigen, welches Modell wo am besten passt und wie man den Boxen neue Tricks ­beibringt.

Von Ernst Ahlers

AVM, die Mutter der zu Recht verbreiteten, oft heiß geliebten Fritzboxen, macht auch nicht alles auf Anhieb richtig, aber mehr richtig als viele andere Routerhersteller. Wer etwa die Vorteile des IPv6-Protokolls – jeder Rechner ist prinzipiell von überall her erreichbar - nutzen will, hat praktisch nur die Auswahl zwischen einer Fritzbox oder Geräten für Unternehmenseinsatz von Firmen wie Bintec, Draytek oder Lancom Systems. Denn bei IPv6 scheiterten in bisherigen c’t-Tests viele Router anderer, im Small-­Office/Home-Office-Segment (SOHO) tätiger Hersteller immer wieder an fehlenden oder falsch programmierten Optionen (zum Beispiel bei Dienstfreigaben unter wechselndem IPv6-Präfix).

Beim Internet per TV-Kabel – da wird IPv6 besonders wichtig, weil es kaum „richtiges“ IPv4 mehr gibt – steht AVM ohnehin allein auf weiter Flur, wenn man sich nicht auf das vom Internetversorger angebotene Gerät verlassen will. Denn die Provider ­ordern gerne bei Fernost-Fabrikanten Modelle, die „einfach nur Internet“ liefern. So sparen sie Kosten und hoffen, ihren Supportabteilungen das Leben zu erleichtern.

Fehler in der Betriebssoftware der Router, also der Firmware, werden bei den Providergeräten durchaus behoben. Aber so häufige Updates wie bei AVMs FritzOS, die auch Funktionserweiterungen – also einen Mehrwert – mitbringen, gibt es anderswo nicht. Kurzum, wer sein Recht auf freie Wahl des Routers ausschöpfen will, kommt an den Fritzboxen kaum vorbei.

Wir geben auf den folgenden Seiten Ratschläge, worauf Sie bei der Anschaffung der zu Ihrem neuen Internetanschluss passenden Fritzbox achten müs­sen und schauen außerdem auf Optionen, die zurzeit besonders wichtig sind (VPN zwischen Homeoffice und Fritzbox in der Firma) beziehungsweise mittelfristig relevant werden, also schnelles (W)LAN mit NBase-T alias Multigigabit-Ethernet und Wi-Fi 6. Wo es passt, listen wir die aktuell erhältlichen Modelle mit ihrer Nummer.

Der Artikel auf Seite 24 zeigt, wie man sich mit IPv6 Wege von außen ins eigene Netz bahnt, um etwa Webcam-Bilder abzurufen oder Vatis PC fernzuwarten. Ab Seite 26 lernt die Fritzbox, unterstützt von einem Raspberry Pi und einem alten Smartphone, automagische Kostenminimierung für Gespräche in Mobilfunknetze.

Providerauswahl

Welche Fritzbox Sie brauchen, hängt in erster Linie davon ab, für welches Internetangebot von welchem Provider Sie sich entscheiden. Denn der gibt die Wide-­Area-Network-Zugangstechnik (WAN) vor: DSL/G.fast per Telefonkabel, DOCSIS übers TV-Kabel, Mobilfunk oder Glasfaser. Zwar lassen sich Fritzboxen des einen Typs über ein externes Modem prinzipiell auch an anderen Zugängen betreiben, aber das hat gleich mehrere Nachteile: höhere Stromkosten, mehr Geraffel auf dem Sideboard, eine weitere Fehlermöglichkeit, wenn „das Internet kaputt“ ist.

Diese Option ist jedoch unumgänglich, wenn der Provider eine Zugangstechnik einsetzt, für die es keine Fritzbox mit passendem Modem gibt. Dann kommt beispielsweise das Modell 4040 infrage. Als Faustregel bleibt: Falls Ihr neuer Provider keine Fritzbox als Router bereitstellt, vergewissern Sie sich bei seinem Support, welche Modelle passen.

Fünf Fritzboxen bieten Auswahl für die drei wichtigsten Zugangsarten: DSL (7590 und 7530), TV-Kabel (6660 und 6591) und LTE-Mobilfunk (6890 LTE).

Flotte Auffahrt

Beim Internet per Telefonkabel (DSL) scheint mit Supervectoring-VDSL2 (7590, 7583, 7530, 6890 LTE) das Ende der ­Fahnenstange erreicht zu sein: Viel mehr als 250 MBit/s im Downstream und 40 MBit/s in Gegenrichtung geben die alten Leitungen nicht her, wohlgemerkt auch nur auf vergleichsweise kurzen Kabelstrecken von 150 bis 200 Meter. Darüber wirds ­weniger. Doch selbst 100 MBit/s dürften zumindest für die nächsten paar Jahre für die allermeisten Anwendungen ausreichen, sogar in Wohngemeinschaften, wenn drei 4K-Videostreams parallel laufen.

Außerhalb der Ballungszentren sind solche Geschwindigkeiten selten zu haben. Immerhin kommt man mit stationären LTE-Routern wie der Fritzbox 6890 LTE auf Spitzenraten von 100 MBit/s – wenn man eine auf 800 MHz sendende Basisstation in der Nähe und für sich allein hat. Doppelt so schnellen Landfunk bietet Voda­fone in seinen jüngsten Ausbaugebieten, wo der Betreiber zusätzlich auf 700 MHz sendet. Da kommt noch keine Fritzbox mit, man braucht Vodafones GigaCube 5G.

Typische Datenraten
Anwendung Datenrate (MBit/s)
Chat/Messaging 0,01
Telefonie¹ 0,05–0,20
Audiostreaming¹ 0,06–0,26
Videokonferenz-Upstream (HD)¹ 1–4
Videostreaming (Full HD)¹ 4–10
4K-Video (UHD)¹ 10–30
Dateitransfer (Bilder bei Chats etc.) was die Leitung hergibt
¹ je nach App, Codec und Kompressionsgrad

Lediglich Heimarbeiter, die ständig viele große Dateien wie Ordner voller hochaufgelöster Raw-Bilder oder Images virtueller Maschinen hoch- und runterladen müssen, profitieren von echten Gigabit-­Anschlüssen spürbar. G.fast (7583), das als Zubringer für die letzten Meter vom Glasfaseranschluss im Gebäudekeller (Fiber to the Building, FTTB) übers Telefonkabel in die Wohnung eingesetzt wird, hat da gegenüber VDSL2 einen Vorteil: Seine Brutto­kapazität von 1000 beziehungsweise 2000 MBit/s, je nach Standard, lässt sich flexibel auf die beiden Übertragungsrichtungen aufteilen. Besagte Heimarbeiter könnten also – falls der Provider mitspielt – auch symmetrische 500 MBit/s bekommen, immerhin etwas über 60 MByte/s brutto in beide Richtungen.

Internet per Koaxkabel

Bis die Glasfaser den Weg ins Wohnzimmer gefunden hat (Fiber-to-the-Home, FTTH), könnte sie längst vom Internet per TV-Kabel überholt sein: Anschlüsse, die mit dem Standard DOCSIS 3.0 laufen (Fritzbox 6490, 6430), geben jetzt schon 1000 MBit/s her, was über 100 MByte/s im Download entspricht. Das will im Heimnetz erst mal verdaut sein, siehe ­folgend unter „Interne Beschleunigung“.

DOCSIS 3.1 (6591, 6660), das die ­Kabelprovider vielerorts schon ausbauen, legt eine Schippe drauf: Es definiert bis zu 10 GBit/s im Downstream und 1 GBit/s in Gegenrichtung. Bei letzterer gibt es in Kabelnetzen aber zurzeit trotzdem höchstens 50 MBit/s (6,3 MByte/s), und die nur in teuren Tarifen. Vodafone bietet für kleines Geld auch bei langsameren Tarifen eine „Upload Option“ an, die aus 12 immerhin 50 MBit/s macht. Angesichts der schon bei DOCSIS 3.0 für den Upstream definierten 200 MBit/s wird ein TV-Kabelanschluss für Heimarbeiter damit zwar auch kein Renner, aber immerhin ein Quäntchen schneller als Supervectoring.

Die desolate Upload-Situation dürfte sich mit dem im März 2020 veröffentlichten DOCSIS-Standard 4.0 ändern: Er spezifiziert den Vollduplex-Betrieb mit paralleler Übertragung in beide Richtungen auf denselben Frequenzblöcken. So werden bis zu 6 GBit/s schnelle Uploads möglich – sobald die Kabelprovider ihre Netze dafür ertüchtigt haben, was die Glas­faser-Anbindungen der lokalen Kabelkonzentratoren (CMTS) einschließt. Denn die erweisen sich vielfach vorgetragener ­Klagen zufolge in Stoßzeiten als Flaschenhals, sodass man den extraschnellen Anschluss nicht jederzeit ausschöpfen kann.

Das Modell 6660 ist die erste Fritzbox mit beschleunigtem Ethernet: Ihr LAN-Port 1, die abgesetzte gelbe Buchse, transportiert bis zu 2,5 GBit/s.

Internet aus der Luft

Fritzboxen für Internet per Mobilfunk (6890, 6820) nehmen eine Sonderstellung ein, die sie beispielsweise fürs Wochenendhäuschen interessant machen: Die Mobilfunkanbieter deckeln den Datenverkehr übers LTE-Netz in den meisten Tarifen. Bei Überschreiten des für den ­Abrechnungszeitraum erlaubten Volumens bremsen sie den Zugang so drastisch ein, dass der Anschluss dann nur noch für langsames Websurfen und E-Mail taugt.

Möglicherweise ändert sich das mit dem Ausbau des 5G-Netzes, das wesentlich höhere Geschwindigkeiten als LTE verspricht. Doch noch hat AVM keine 5G-fähigen Fritzboxen angekündigt.

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