c't 13/2020
S. 164
Test & Beratung
Online musizieren
Bild: Albert Hulm

Netzkonzert

Tools und Tipps, mit denen Musiker online zusammenspielen

Wer sich nicht im Proberaum treffen oder seinen Musiklehrer besuchen kann, verabredet sich im Web zu einer gemeinsamen Musiksession. Bei einer guten Verbindung klappt das sogar in Echtzeit.

Von Hartmut Gieselmann

Wenn Musiker gemeinsam online musizieren wollen, treffen sie auf zwei Probleme: Erstens sind gängige Videochatprogramme wie Zoom oder Teams auf Sprachübertragungen optimiert. Musik klingt wie aus einem Telefon. Zweitens verzögern die Programme die Übertragungen so stark, dass ein Zusammenspielen kaum möglich ist. Zur Lösung versprechen Online-Dienste wie das kostenlose JamKazam eine bessere Klangqualität mit wesentlich kürzeren Übertragungszeiten. Um die zu erreichen, müssen aber diverse Faktoren stimmen – nicht zuletzt die Internet-Anbindung. JamKazam erfordert einen Upload von mindestens 1 MBit/s. Die aktuellen DSL-Tarife der Telekom haben Up­stream-Raten von 2,5 bis 50 MBit/s, bei Kabelanschlüssen von Vodafone sind es mindestens 10 bis 15 MBit/s.

Doch selbst wenn die Upstream-Raten nominell passen, kann Ihre Verbindung zu große Verzögerungen erzeugen. Dann greifen Alternativen wie Ninjam, dessen Loop-basierte Sessions längere Übertragungszeiten tolerieren. Für Musiklehrer bietet Doozzoo ein spezielles Konferenzsystem für den Online-Unterricht an. Cubase, Nuendo und SessionLinkPro ermöglichen Studioproduzenten gar Remote-Aufnahmen.

Das Setup dieser Programme ist allerdings nicht trivial. Deshalb geben wir einen generellen Überblick, wie Sie Ihren Rechner flottmachen und mit kostenloser Software ausstatten, die eine Verbindung vereinfacht.

Latenz verkürzen

Die Verzögerung (Latenz), mit der ein Audiosignal von einem Musiker über das Internet zu einem anderen wandert, ist von drei Faktoren abhängig: erstens von der Latenz des Audio-Interfaces beim Zuspieler, zweitens von der Übertragung im Internet und drittens von der Latenz des Audio-Interfaces beim Empfänger. Eine Echtzeitübertragung per JamKazam erfordert, dass das Signal von einem Musiker zum anderen nicht mehr als 50 Millisekunden unterwegs ist. In einem realen Proberaum entspricht dies etwa einer Entfernung von 17 Metern, denn Schall legt pro Millisekunde rund 34 Zentimeter zurück. Besser ist es natürlich, wenn die Musiker näher beieinander stehen. Deshalb empfiehlt JamKazam, die Latenz unter 35 Millisekunden (entspricht 12 Metern), idealerweise unter 20 Millisekunden (knapp 7 Meter) zu drücken.

Die Latenz an Ihrem Rechner hängt im Wesentlichen von Ihrem Audio-Interface und dessen Treiber ab. Im Rechner eingebaute Audio-Chips sind oft zu langsam, zumal Mainboard-Hersteller keine latenzoptimierten Treiber bereitstellen. Windows-Nutzer behelfen sich mit dem universellen Treiber ASIO4All. Besser ist es, wenn Sie ein Audio-Interface mit einem optimierten Treiber vom Hersteller nehmen. Mac-Nutzer haben es einfacher, da macOS USB-Interfaces meist ohne separate Treiber erkennt.

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